Proteste beim Gipfel Nato-Gegner stecken Häuser und Hotel in Brand

Schwere Ausschreitungen beim Nato-Gipfel in Straßburg: Randalierer haben ein Hotel und zwei weitere Gebäude an der Rheinbrücke nach Kehl angezündet. Der deutsch-französische Grenzübergang wurde abgeriegelt. Die Polizei fand auch Schusswaffen und scharfe Munition bei den Demonstranten.


Straßburg - Militante Nato-Gegner warfen Brandsätze in ein Ibis-Hotel und in zwei andere Gebäude an der Rheinbrücke nach Kehl. Das sechsstöckige Hotel brannte vollständig aus. Anwohner sagten SPIEGEL ONLINE, in der Herberge mit insgesamt 78 Zimmern hätten auch Polizisten gewohnt.

Zuvor hatten die Randalierer ein altes unbewohntes Zollhaus an der Brücke in Brand gesetzt. Auch eine ehemalige Wechselstube fing Feuer. Informationen über mögliche Verletzte gab es zunächst nicht. Fernsehbilder zeigten dicke Rauchschwaden, die über die Europabrücke zogen. Die deutsche Polizei schickte Wasserwerfer über den Rhein. Sie sollen in Straßburg die Feuer zu löschen helfen.

Agenturangaben zufolge hatten Autonome das Zollhäuschen zunächst mit Steinen und Eisenstangen demoliert. Sie besprühten es auch mit Farbe. Einige riefen auf Französisch: "Tötet Sarkozy! Tötet Obama!" Gegen 16 Uhr hieß es, dass sich zumindest an der Europabrücke die Lage wieder entspannt habe.

Wenig später wurde bekannt, dass die Polizei in Straßburg Schusswaffen und scharfe Munition bei militanten Nato-Gegnern sichergestellt habe. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus französischen Sicherheitskreisen.

Mindestens zwei Protestler wurden einem AFP-Reporter zufolge durch den massiven Einsatz von Tränengas verletzt. Eine Gruppe von rund 20 Demonstranten drang in eine Tankstelle ein und stahl Dosen mit Bier. Außerdem warfen sie einen Computerbildschirm auf die Straße.

Allerdings nahmen die Randalierer mit ihren Krawallen bereits vorhandene Abrisspläne der Stadt Straßburg vorweg: Das alte Zollhaus wäre in Kürze eingerissen worden, erklärte eine Sprecherin der Stadt Kehl am Samstag.

Zuvor hatte es in Straßburg massive Zusammenstöße zwischen Ordnungskräften und Demonstranten gegeben, die auf dem Weg zu der Großkundgebung waren. Mehrere hundert Demonstranten, unter ihnen viele Deutsche, warfen mit Steinen und Molotow-Cocktails auf die Polizei, diese setzte Tränengas ein. Außerdem feuerte die Polizei mehrere Dutzend Schockgranaten ab. In Straßburg wurden an die 30 Demonstranten festgenommen.

Deutsche Grenze bleibt dicht

Auf der deutschen Rheinseite warteten unterdessen mehrere tausend Demonstranten an der geschlossenen Grenze. Sie wollten über die Europabrücke nach Straßburg ziehen, um sich der für den Nachmittag geplanten Großkundgebung anzuschließen. Angesichts der Eskalation der Lage in Straßburg bleibe die Grenze vorerst abgeriegelt, sagte ein Polizeisprecher. Ursprünglich sollte der Übergang gegen Mittag für Fußgänger geöffnet werden. Die französischen Behörden hatten jedoch betont, nur friedliche Demonstranten würden ins Land gelassen.

Auf der Kehler Seite riegelten mehrere hundert Polizisten den Raum unmittelbar vor der Europabrücke ab und blockierten Beobachtern zufolge auch friedliche Teilnehmer der Demonstration. In Sprechchören riefen die Demonstranten: "Nie wieder Nato, nie wieder Krieg." Auf Transparente hatten sie Sprüche wie "Millionen für den Frieden statt Milliarden für den Krieg" geschrieben.

Kurz vor dem Festakt auf der Fußgängerbrücke zwischen Kehl und Straßburg wurden mehr als 20 Personen von der Polizei aus dem Fluss gefischt. Sie seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Schwimmern handelte es sich offenbar um Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace.

amz/jdl/ddp/dpa

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Seite 1
Adran, 30.03.2009
1.
Chinesen werden selbstbewusst ohne ende, und rufen das chinesich Jahrtausend aus, nicht zu unrecht.. Russland wird mittlefristig wieder aufsteigen.. Und wir debattieren ob die Nato noch zeitgemäß ist? Bitte.. ich will hier raus ;)
Gandhi, 30.03.2009
2. Nein,
jedenfalls nicht in der alten form. Und wenn die "neue" Form darin besteht, die Wirtschaftsinteressen des Westen global durchzusetzen, dann geschieht dies ohne Legitimation. Doch ohne NATO ist nicht richtig moeglich, alle westlichen Staaten unter einen Hut zu bringen. Daher hat sich Sarko wohl entschlossen wieder ins militaerische Buendnis voll zurueckzukehren. Doch auch das wird der NATO langfristig nicht helfen. Die USA werden wegen der eigenen Finanzlage von den Europaeern mehr verlangen (und damit Einfluss abgeben), viele Europaeer sehen hingegen keinen Sinn mehr in der NATO.
R.Socke 30.03.2009
3.
Zitat von sysopAm Wochenende kommen die Mitgliedsstaaten zu ihrem Gipfel in Straßburg und Baden-Baden zusammen. Zehntausenden wollen dagegen demonstieren. Ist die Nato noch zeitgemäß?
Die NATO hat mit dem Kollaps der Sowjetunion und des Warschauer Pakts seine Existenzberichtigung verloren. Der schier unstillbare Hunger der mit den Regierungen und "Verteidigungs"ministerien verbandelten Waffen- und "Sicherheits"-Industrie nach immer mehr Regierungs(steuer)geldern hat Konsequenzen aus dieser Einsicht erfolgreich verhindert. Wir zahlen, die schießen, kassieren und bedrängen u.a. Russland. Das ist fatal, dämlich und kurzsichtig und wird uns allen auf die Füße fallen - die finanziellen Folgen sind da noch das geringste Problem.
Hans58 30.03.2009
4.
Zitat von sysopAm Wochenende kommen die Mitgliedsstaaten zu ihrem Gipfel in Straßburg und Baden-Baden zusammen. Zehntausenden wollen dagegen demonstieren. Ist die Nato noch zeitgemäß?
DIE NATO, also die NATO zum Zeitpunkt ihrer Gründung, ist nicht mehr zeitgemäß. Man hat das z.B. an dem juristischen Hick-Hack gesehen, der bei dem Beschluss über den Bündnisfall nach Art 5. des NATO-Vertrags anlässlich des 11. September 2001 gemacht wurde. Nur mit Müh' und Not hat man die Terrorangriffe als Angriffe auf einen Bündnispartner konstruieren können. Die NATO, die z.B. derzeit in Afghanistan im Auftrag und auf Beschluss des UN-Sicherheitsrates eine militärische Operation leitet, für deren Dauer der milit. NATO-Kommandostruktur sogar Truppen von Nicht-NATO-Staaten unterstellt sind, zeigt die heutige Ferne vom ursprünglichen Vertragswerk. Ergo, man möge unter dem geschichtlich bewährten Namen NATO eine neue Organisationsform und vor allem ein modernes Vertragswerk schaffen, dieses wie bisher auch mit "Doktrinen" untermauern und damit der NATO ein neues Gesicht verpassen. Ein WESTLICHES Bündnissystem muss es in irgendeiner Form weitergeben! Diejenigen, die jetzt demonstrieren werden, haben in der Masse von der NATO, ihren Regelwerken etc. so viel Ahnung wie die meisten Demonstranten in der jahrelangen Vergangenheit bei vergleichbaren NATO-Veranstaltungen.
sagichned 30.03.2009
5.
Zitat von AdranChinesen werden selbstbewusst ohne ende, und rufen das chinesich Jahrtausend aus, nicht zu unrecht.. Russland wird mittlefristig wieder aufsteigen.. Und wir debattieren ob die Nato noch zeitgemäß ist? Bitte.. ich will hier raus ;)
Wieso sollten chinesen oder russen den westen überfallen und/oder besetzen wollen? Damit sie ihre waren und gas umsonst liefern?
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