Proteste gegen Assad Regimekritiker stürmen syrische Botschaft in Berlin

"Nieder mit Baschar": Mehr als zwei Dutzend Regimekritiker haben aus Protest gegen Syriens Staatschef Assad am Freitag die syrische Botschaft in Berlin gestürmt. Das Auswärtige Amt verurteilte den Vorfall scharf, die Polizei nahm die Randalierer fest.

dapd

Berlin - Syrische Regimegegner sind am Freitag gewaltsam in die Botschaft ihres Heimatlands in Berlin eingedrungen und haben dort Teile der Einrichtung demoliert. Wie die Polizei mitteilte, traten rund 30 Männer und Frauen am Nachmittag die Eingangstür auf und stürmten in das Gebäude im Stadtteil Tiergarten. Verletzt wurde niemand. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts verurteilte den Vorfall "auf das Schärfste".

In der Botschaft zerstörten die Eindringlinge in verschiedenen Büros Teile des Mobiliars und Bilder des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Aus einem Fenster hängten sie eine Fahne des syrischen Widerstands. Auf die Fassade der Botschaft sprühten sie auf Englisch und Arabisch politische Parolen, darunter "Revolution and Freedom", an das Hauptportal sprühten sie die Parole "Nieder mit Baschar". Nach gut 20 Minuten verließen die Eindringlinge die Botschaft wieder.

In Syrien geht das Assad-Regime seit Monaten mit Gewalt gegen Oppositionelle vor. Seit März sind dabei nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 5600 Menschen ums Leben gekommen.

Die Berliner Polizei nahm die Randalierer fest, die keinen Widerstand leisteten. Es seien ausschließlich Syrer oder Leute syrischer Abstammung gewesen, hieß es. Nach Aufnahme ihrer Personalien kamen die Eindringlinge, darunter drei Frauen, wieder frei. Der Botschafter stellte Strafantrag. Die Polizei ermittelt nun wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Das Auswärtige Amt betonte, die Bundesregierung nehme ihre Verantwortung für die Sicherheit aller diplomatischen und konsularischen Vertretungen in Deutschland sehr ernst. "Übergriffe auf Botschaften und Konsulate müssen mit aller Konsequenz verfolgt werden", hieß es in einer Mitteilung.

Der Nahost-Beauftragte des Auswärtigen Amts, Botschafter Boris Ruge, habe mit dem syrischen Botschafter telefoniert und sein Bedauern über den Vorgang zum Ausdruck gebracht. Bereits im Oktober vergangenen Jahres waren Regimegegner in die syrische Botschaft in Berlin eingedrungen. Sie wollten damit gegen die Ermordung eines syrisch-kurdischen Oppositionspolitikers demonstrieren.

bos/dpa/Reuters

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