Proteste in Griechenland Demonstranten stürmen TV-Studio

Protestaktion zur besten Sendezeit: In Athen hat eine aufgebrachte Menge die Fernsehnachrichten unterbrochen und das Studio belagert. Die Demonstranten wehrten sich gegen Einschnitte als Folge der Finanzkrise. Es kam zu einem Handgemenge, die Polizei musste massiv einschreiten.


Athen - Es war ein Protest, wie er medienwirksamer kaum hätte inszieniert werden können. Rund 40 Demonstranten haben am Montagabend die Hauptnachrichtensendung des staatlichen griechischen Fernsehens NET gestört. Der Gruppe gelang es, nach einem Handgemenge mit Sicherheitsleuten ins Hauptstudio des Fernsehens einzudringen und es zu besetzen.

Bildungsministerin Anna Diamantopoulou und mehrere Journalisten konnten das Studio nicht verlassen, da alle Ausgänge von den Lehrern blockiert waren, die gegen den in Griechenland verhängten Einstellungsstopp protestierten. Eigentlich sollte die Ministerin nach den Nachrichten an einer Talk-Show teilnehmen. Das aktuelle Programm wurde unterbrochen, statt dessen liefen Dokumentarfilme.

Augenzeugen berichteten, starke Polizeieinheiten seien vor dem Gebäude in Athener Vorstadt Agia Paraskevi zusammengezogen worden. Der Zwischenfall endete kurz vor Mitternacht (Ortszeit), als den Lehrern das Verlesen einer kurzen Erklärung vor laufenden Kameras gestattet wurde. Darin hieß es unter anderem, dass "die Nichtverlängerung der Verträge von rund 17.000 auf Zeit beschäftigten Lehrern nicht gerecht ist". Zudem forderten sie den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf, "aus dem Land zu verschwinden". Es gab keine Festnahmen, berichteten Reporter vor Ort.

Griechenland bereitet sich auf Streiks vor

Die Regierung in Athen muss in den nächsten drei Jahren 30 Milliarden Euro sparen, um das Land mit Hilfe des IWF und der Europäischen Union (EU) vor dem Bankrott zu retten. Die EU und der IWF wollen den Griechen mit 110 Milliarden unter die Arme greifen. Eine der Maßnahmen ist der Einstellungsstopp im staatlichen Bereich für mindestens drei Jahre.

In Athen machten die Gewerkschaften außerdem gegen die drastischen Einschnitte bei Gehältern für Staatsdiener, Renten und Jobs mobil. Am Montag begann ein Ausstand bei der Müllabfuhr. Am Dienstag und Mittwoch wollen die Beamten streiken. Dazu will sich am Mittwoch die Gewerkschaft der Privatwirtschaft anschließen. Die Fluglotsen planen, den griechischen Luftraum für einen Tag lahmzulegen.

jok/dpa-AFX



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donnerbalken 24.04.2010
1. Ach was!
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ach was! Papalapap! Die Renten werden für einige Jahre eingefroren und Europa ist gerettet...
ingrid wild 24.04.2010
2. Na aber selbstverständlich
auf die paar Griechen kommt es auch nicht mehr an, wir retten ja schließlich schon einen erklecklichen Teil der Welt. Kommt es da vielleicht noch auf den mickrigen Rest an?
Roueca 24.04.2010
3. Nein...
...und wir wollen es auch nicht. Solange, wie gestern in den Nachrichten gezeigt wird, daß die griechische Presse unser Land so sieht: Brandenburger Tor mit Hakenkreuz drauf, solange sollen die anderen EU-Länder den Karren aus dem Dreck ziehen. Eine öffentliche Rüge für dieses Land wäre die richtige Antwort, aber nicht unsere Steuergelder
Volker Gretz, 24.04.2010
4.
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ich glaube nicht, dass uns Deutschen die Wirtschaft noch so viel Wohlstand gelassen hat, um in Griechenland die Sozialsyteme und Kaufkraft zu erhalten. Im Gegenteil - wir bezahlen die Finanzwirtschft und die Rüstingsindustrie mit dem weiteren Abbau unserer Sozialsysteme, mit dem weiteren verscherbeln unseres Tafelsilbers, mit maroden Staraßen, sinkenden Bildungsausgaben, geschlossenen Schwimmbädern und Bücherien, ... dafür, die Griechen auf unser Niveau herabzuwürgen. Die Griechen retten, hieße dort den Wohlstand, Sicherheit und Daseisnsvorsorge mindesten beizubehalten. Und das will ja niemand mehr. Unserere Regierenden haben die Marschrichtung seit mindesten 12 Jahren in die andere Richtung vorgegeben. Nicht der Wohlstand der Menschen ist das Ziel, sondern die Gewinne der Wirtschaft.
echter_demokrat 24.04.2010
5. Retten
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Was heißt Griechenland? Wir werden die gesamte EU retten. Das war nur der erste Stein, der ins Rollen gekommen ist.
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