Prozess 3600 Mark Strafe für Farbbeutel-Werfer

Wegen der Farbbeutel-Attacke auf Bundesaußenminister Joschka Fischer muss der Angeklagte Samir Fansa 3600 Mark zahlen. Das Landgericht Bielefeld bestätigte damit die in erster Instanz verhängte Strafe.


Da wurde er plötzlich rot: Farbbeutel-Attacke auf Joschka Fischer am 13. Mai 1999
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Da wurde er plötzlich rot: Farbbeutel-Attacke auf Joschka Fischer am 13. Mai 1999

Bielefeld - Die Staatsanwaltschaft hatte auch erneut sieben Monate Haft auf Bewährung beantragt. Die Verteidiger des 37-Jährigen forderten Freispruch. Der Farbbeutel-Wurf beim Sonderparteitag der Grünen am 13. Mai 1999 in Bielefeld sei ein geeignetes Kommunikationsmittel im Protest gegen den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr gewesen, argumentierten sie.

Der in Berlin lebende Fansa hatte - wie schon in erster Instanz vor dem Amtsgericht Bielefeld - in Frauenkleidern auf der Anklagebank Platz genommen. Er war im Dezember vergangenen Jahres zu 3600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatten sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Bei der Farbbeutel-Attacke im Mai 1999 hatte Fischer einen Riss des Trommelfells im rechten Ohr erlitten. Der Grund für den Angriff war die vorherige Zustimmung des Ministers zur Beteiligung der Bundeswehr am Kosovo-Einsatz im Frühjahr 1999. Die Verteidigung erklärte, die Grünen und Fischer selbst hätten in der Vergangenheit immer wieder zu außergewöhnlichen Mitteln gegriffen, um auf ihre Ziele aufmerksam zu machen.

Am Mittwoch demonstrierten rund 40 Anhänger der linken Szene im Verhandlungssaal und vor dem Gerichtsgebäude ihre Unterstützung für die Farbbeutel-Attacke. Das geplante Entrollen eines Plakats mit der Aufschrift "90 Luftangriffe - 1500 zivile Tote" wurde vom Gericht jedoch untersagt.



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