Bettina Wulff über ihren Noch-Gatten "Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis"

Bettina Wulff ist im Prozess gegen ihren Noch-Ehemann Christian vor Gericht erschienen, demonstrativ wählte sie den Haupteingang. Die frühere First Lady sprach über ihr Verhältnis zum Angeklagten und bestätigte dessen Darstellung in einem wichtigen Punkt.


Hannover - Bettina Wulff ist im Prozess gegen ihren Noch-Ehemann Christian in den Zeugenstand gerufen worden. Als Ehefrau hat sie das Recht, die Aussage zu verweigern - das tat sie aber nicht.

Die PR-Frau weiß um die Macht der Bilder, die Öffentlichkeit hat sie nie gescheut. Nicht zufällig wählte sie bei der Ankunft am Landgericht Hannover den Haupteingang. Ihren Noch-Ehemann begrüßte sie freundlich, gut zu sehen für die Kameras. Auch im Gerichtssaal gab sie darüber Auskunft: Befragt nach dem Verhältnis zu Christian Wulff sagte sie: "Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, wir sehen uns regelmäßig."

Wulff soll als Zeugin über jene beiden Tage auf dem Oktoberfest 2008 sprechen, um die sich das Verfahren hauptsächlich dreht. Christian Wulff wird vorgeworfen, dass er sich den Aufenthalt in München teilweise vom Filmmanager David Groenewold bezahlen ließ. Im Gegenzug soll der damalige niedersächsische Ministerpräsident für einen Film seines Freundes beim Siemens-Konzern um Unterstützung geworben haben.

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Bettina Wulff: Frühere First Lady als Zeugin
Bettina Wulff bestätigte in einem zentralen Punkt die Aussage ihres Noch-Ehemannes: dass dieser eng befreundet sei mit Groenewold. "Der gehörte zum allerengsten Kreis", sagte sie. Ähnlich hatten sich auch Personenschützer Wulffs am Mittwoch geäußert. Die Verteidigung der Angeklagten argumentiert, dass Groenewold die Hotelkosten während des Oktoberfestbesuchs aus Freundschaft und nicht in der Hoffnung auf eine Gegenleistung gezahlt habe.

Wulff weist den Vorwurf der Vorteilsannahme dementsprechend zurück und strebt einen Freispruch an. Er war nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens im Februar 2012 als Bundespräsident zurückgetreten.

Ausdrücklich beharrte Bettina Wulff darauf, auch bei gemeinsamen Abendessen oder Treffen mit Groenewold habe ihr Mann Wert darauf gelegt, die Rechnung zu teilen oder abwechselnd zu bezahlen.

"Darüber haben wir uns geärgert"

Bettina Wulff berichtete vor Gericht, die Idee zum gemeinsam Wiesn-Besuch sei Anfang 2008 entstanden. "David hat vorgeschlagen, er würde uns gerne einladen." Es sei schwierig gewesen, private Termine im Kalender ihres Mannes unterzubringen. "Private Termine waren immer sekundär, primär standen die offiziellen im Vordergrund."

Aus der privaten Idee sei später ein offizieller Termin geworden. Ihrem Mann habe am Herzen gelegen, mit der Schauspielerin Maria Furtwängler beim Oktoberfest über ihren Einfluss auf die "Tatort"-Drehbücher zu reden, "dass man vielleicht das Land Niedersachsen da auch ein bisschen freundlicher darstellen könnte". Die Episoden seien immer "so düster" gewesen. "Da haben wir uns ein bisschen darüber geärgert."

Furtwängler und ihr Ehemann, der Verleger Hubert Burda, hatten vergangene Woche ausgesagt, ihre Ausführungen waren aber wenig erhellend gewesen. "Was kann meine Aussage eigentlich zur Klärung beitragen?", entfuhr es Furtwängler im Gerichtssaal.

Wird das Verfahren eingestellt?

Kurz vor Weihnachten will Richter Frank Rosenow eine Zwischenbilanz des Prozesses präsentieren. Manche Beobachter halten es für möglich, dass das Verfahren noch vor dem geplanten Ende im April 2014 eingestellt wird.

Am Donnerstag hörte das Gericht neben Bettina Wulff auch den Geschäftspartner des mitangeklagten Filmfinanciers Groenewold. Dieser sagte, er habe Wulff nur ein oder zwei Mal getroffen. Er sei auch nicht zusammen mit ihm beim Oktoberfest gewesen - obwohl dies auf einem Bewirtungsbeleg vermerkt war.

Schon die Aussagen von Bodyguards und Hotelangestellten hatten - ebensowenig wie die Erklärungen von Furtwängler und Burda - keinen Durchbruch gebracht. Andererseits wurde Wulff gerade in einem separaten Prozess von seinem früheren Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker belastet.

kgp/dpa/AFP

insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
lscpilot 12.12.2013
1. Was soll das Ganze?
Je länger dieser unsägliche Prozess um 720,00 EUR dauert (geplant bis April 2014!!!), desto öfter fasse ich mich an die Stirn und frage nach der Verhältnismäßigkeit. Die Justiz hat wahrlich wichtigere Aufgaben zu lösen. Mit solchen Schildbürgerstreichen macht sie sich nur lächerlich!
Mr. Swiss 12.12.2013
2. Steuerverschwendung
Gut hat Deutschland so viel Steuern über den illegalen Kauf von Bank CDs eingenommen. Dann kann man diese Verschwendung von Staatsressourcen damit locker fiinanzieren. Und alles wegen ein paar rechthaberischen und mediengeilen Staatsanwälten.
cs01 12.12.2013
3.
Zitat von lscpilotJe länger dieser unsägliche Prozess um 720,00 EUR dauert (geplant bis April 2014!!!), desto öfter fasse ich mich an die Stirn und frage nach der Verhältnismäßigkeit. Die Justiz hat wahrlich wichtigere Aufgaben zu lösen. Mit solchen Schildbürgerstreichen macht sie sich nur lächerlich!
Gerechtigkeit ist keine Frage der Schadenshöhe, sondern eher der Schuld. Und bei einem früheren Bundespräsidenten kann man einen höheren Anspruch und damit auch eine höhere moralische Schuld zusprechen. Schön dass sich die Justiz auch mal um Gerechtigkeit und nicht nur um das Gesetz kümmert. Wie das jetzt juristisch zu bewerten ist, wird man sehen. Grundsätzlich finde ich es aber in Ordnung, wenn man einen Politiker anklagt und ihm nicht jedes "kleine" Vergehen durchgehen lässt Persönlich halte ich Wulff eher für unschuldig bezüglich der angeklagten Tat.
Klaus100 12.12.2013
4. Die Justiz disqualifiziert sich selbst
In welchem Land leben wir eigentlich? Warum drängt sich hinsichtlich der Qualität unserer Juristen immer mehr der Begriff Bananenrepublik auf? Wir haben ein Ausbildungs- und Weiterbildungsproblem bei den Juristen. Das Thema Verhältnismäßigkeit scheint nicht hohe Priorität zu haben. Ja, Wulff ist nicht SPD-Mitglied und auch nicht bei den Grünen. Daraus ein solches Verfahren zu entwickeln, scheint mir höchst fragwürdig. Wo sind eigentlich kritische Medien?
cor 12.12.2013
5. Haupteingang
Nein, die hat doch tatsächlich den Haupteingang gewählt. Ich dachte, die nimmt den Aufzug aus der Tiefgarage.
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