Prozess Mutmaßlicher Sauerland-Terrorist kündigt Geständnis an

Überraschende Wendung im Prozess gegen die Sauerland-Terrorzelle: Der Angeklagte Adem Yilmaz will ein umfassendes Geständnis ablegen. Er bat das Gericht, sich deshalb ohne Verteidiger mit seinen Komplizen beraten zu dürfen - dies wurde sofort genehmigt.

Düsseldorf - "Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30 (Jahre, Anm. d. Red.)", sagte Adem Yilmaz in der Verhandlung - und begründete seine Entscheidung für ein Geständnis so: "Ich möchte nur, dass das hier vorbeigeht, es ist langweilig."

Der mutmaßliche Terrorist hat am Dienstag ein umfassendes Geständnis angekündigt. Er bat das Gericht, mit den anderen Angeklagten darüber ohne Verteidiger sprechen zu dürfen.

Das Gericht erklärte, das Gespräch sofort zu ermöglichen. Auch die Bundesanwaltschaft stimmte zu. Die vier Angeklagten zogen sich zunächst noch zu Beratungen gemeinsam mit ihren Verteidigern zurück. "Die Angeklagten besprechen sich derzeit, ob sie ein gemeinsames Geständnis ablegen", sagte Gerichtssprecher Ulrich Egger. Die Verhandlung im Hochsicherheitstrakt wurde daraufhin zunächst unterbrochen.

Offenbar erhoffen sich die Richter von einem Geständnis umfassende Informationen über Vorbereitung und Hintergründe des geplanten Anschlags. Ein Geständnis könnte auch das Strafmaß zu Gunsten der Angeklagten beeinflussen.

"Grundsätzlich wirkt ein Geständnis strafmildernd, wenn es von Reue und Einsicht geprägt ist", sagte ein Sprecher des Gerichts. Je größer und umfangreicher es ausfalle, desto größer sei die zu erwartende Strafmilderung.

Yilmaz und seine Komplizen sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Laut Anklage wollten sie zeitgleich in Kneipen, Discotheken und auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein möglichst viele Amerikaner töten. Mit den Anschlägen wollten sie offenbar die kurz darauf anstehende Entscheidung des Bundestags über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes beeinflussen.

Die Männer hatten sich zwölf Fässer mit der Chemikalie Wasserstoffperoxid beschafft und in einer Ferienwohnung im sauerländischen Oberschledorn damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen. Drei der Islamisten waren am 4. September 2007 in der Ferienwohnung von der Anti-Terror-Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden, ein vierter wurde später in der Türkei verhaftet.

Sauerland-Terrorprozess

amz/plö/phw/dpa/ddp