Prozessauftakt in Hannover Wulff beteuert seine Unschuld

Christian Wulff versucht den Befreiungsschlag: Beim Prozessauftakt in Hannover zeigt sich der Ex-Bundespräsident siegessicher. "Ich werde den allerletzten Vorwurf ausräumen." Er habe sich im Amt immer korrekt verhalten.


Berlin - Altbundespräsident Christian Wulff hat kurz vor Beginn seines Prozesses ausdrücklich seine Unschuld beteuert. "Dies ist sicher kein einfacher Tag", sagte der 54-Jährige am Donnerstag beim Eintreffen am Landgericht Hannover. "Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich auch den allerletzten Vorwurf ausräumen werde, weil ich mich immer korrekt verhalten habe im Amt, und ich möchte mich nach dem Verfahren mit großer Freude wieder all der Themen annehmen, die mir immer am Herzen gelegen haben."

Wulff sagte weiter: "Das ist meine Einstellung, mit der ich in diese Hauptverhandlung gehe. Das muss jetzt entschieden werden." Mehr als anderthalb Jahre nach seinem Rücktritt als Bundespräsident muss sich Wulff wegen Vorteilsannahme vor Gericht verantworten.

Nach seiner kurzen Stellungnahme begab sich Wulff in den Schwurgerichtssaal 127 des Landgerichts, in dem bereits der Mitangeklagte David Groenewold wartete. Gemeinsam mit Wulff ist der befreundete Filmproduzent wegen Vorteilsgewährung angeklagt.

Fester Händedruck, Bundesverdienstkreuz am Revers

Wulff und Groenewold begrüßten sich im Schwurgerichtssaal mit einem festen Händedruck und schauten sich kurz in die Augen. Anschließend vertieften sich Wulff und Groenewold in Gespräche mit ihren Verteidigerteams. Wulff machte einen demonstrativ entspannten Eindruck und scheute nicht den Blickkontakt mit den vielen Kamerateams.

Am Revers trug er das große Bundesverdienstkreuz als Anstecker. "Das ist das große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, aber in der Ausführung, die man bei solchen Anlässen trägt", erklärte Wulff auf Nachfrage.

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Prozessauftakt in Hannover: Wulff zeigt sich siegessicher
Richter Frank Rosenow eröffnete die Verhandlung wenige Minuten nach 10 Uhr, dann mussten die Kamerateams den Gerichtssaal verlassen. Journalisten sind im Saal anwesend, dürfen aber nicht live von der Verhandlung berichten.

Einer der beiden Verteidiger Groenewolds, der Koblenzer Rechtsanwalt Bernd Schneider, war kurz vor Prozessbeginn schwer am Herzen erkrankt. Der Anwalt ist auf dem Weg der Genesung, muss sich aber von seinem Kanzlei-Kollegen Friedrich Schultehinrichs vertreten lassen.

Sitzung kurzzeitig unterbrochen

Verteidiger Schultehinrichs beschwerte sich gleich zu Beginn der Verhandlung darüber, dass zu wenig Plätze für normale Prozessbesucher vorhanden seien und zu viele für Journalisten. Die Sitzung wurde deswegen um kurz vor 10.30 Uhr für eine halbe Stunde unterbrochen, aber wenig später fortgesetzt.

Am ersten Prozesstag wird zunächst die Anklage verlesen, die Zeugen werden erst in den kommenden Wochen vernommen. Groenewold soll laut Anklage rund 750 Euro Kosten für Hotel, Abendessen und einen Oktoberfestbesuch des Ehepaares Wulff im Jahr 2008 übernommen haben. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident soll sich im Gegenzug beim Siemens-Konzern für die finanzielle Unterstützung eines Filmprojekts von Groenewold eingesetzt haben.

Beide Männer hatten das Angebot der Staatsanwaltschaft ausgeschlagen, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen. Die Angeklagten streben einen Freispruch an.

Für den Wulff-Prozess gibt es kein Vorbild: Erstmals in Deutschland nimmt ein ehemaliger Bundespräsident auf der Anklagebank Platz. Nur einen Tag nach Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft war Wulff am 17. Februar 2012 als Staatsoberhaupt zurückgetreten.

Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hat für das Verfahren 22 Verhandlungstage bis Anfang April kommenden Jahres angesetzt. 46 Zeugen sind geladen, darunter auch einige Prominente.

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Prozess gegen Christian Wulff: Eine Frage der Ehre

amz/dpa

insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 14.11.2013
1. es geht nicht ...
... um Beträge oder deren Höhe, es geht um den Straftatsbestand. Dieser, von Wulff gewünschte Porzeß richtet sich an alle die, die ähnlich einfach gestrickt sind. Diese Herrschaften sollten sich mit Kritik an diesem Ereignis zurückhalten. Aus Ermangelung des nötigen Unrechtsempfindens haben die ihr Recht auf Mitsprache und Kritik verwirkt. Das Gleiche gilt für alle Hobby-Hoeneß-Verteidiger.
pr8kerl 14.11.2013
2. Jäger in Roben
Da blamiert sich die deutsche Justiz aber ganz gehörig. Fast nichts ist von all den Vorwürfen übrig geblieben, jetzt geht es um 750 Euro. 22 Verhandlungstage, 46 Zeugen, ein enormer Aufwand für fast nichts. Bravo.
Hilfskraft 14.11.2013
3. Wulff kann gar nichts ...
Zitat von sysopAFPChristian Wulff versucht den Befreiungsschlag: Beim Prozessauftakt in Hannover zeigt sich der Ex-Bundespräsident siegessicher: "Ich werde den allerletzten Vorwurf ausräumen." Er habe sich im Amt immer korrekt verhalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/prozessauftakt-in-hannover-wulff-beteuert-seine-unschuld-a-933524.html
... ausräumen. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Man kann sie drehen und wenden, wie man will, es bleibt Vorteilsannahme. Angeblich sollen ihm seine Anwälte zu diesem Prozeß geraten haben. Warum auch immer? Die müssten es besser wissen, tun es aber nicht, weil sie irgend einen Vorteil für sich sehen? Wulff wird ein zweites Mal demontiert werden. Herzlichen Glückwunsch!
grünbeck,harald 14.11.2013
4. Anklage ist primitiv
Die Verhandlung gegen Herrn Wulff schätze ich als primitiv ein. Hoffentlich wird in Bayern wegen Zollvergehen oder Steuerhinterziehung auch eine Anklage erhoben, begleitet durch die Presse, besonders "BILD". Hier wurde Herr Wulff durch die Medien gejagt, nur um Herrn Gauck zum Bundespräsidenten zu krönen. Der hat so viel Dreck am Stecken, nachzulesen in "Joachim Gauck- Der richtige Mann" .Sonderausgabe Edition Berolina ,3. Auflage. Ich habe bis heute noch nicht in den Medien gehört, daß Herr Gauck gegen diese Aussagen klagt. Ich bin überzeugt,da fällt er über seine eigene Vergangenheit. Hier sollte die sogenannnte Pressefreiheit wirksam werden, dies paßt aber sicher nicht in die politische Linie der Bundesregierung.
lkm67 14.11.2013
5. So wird das nichts Herr Wulff.
Zitat von sysopAFPChristian Wulff versucht den Befreiungsschlag: Beim Prozessauftakt in Hannover zeigt sich der Ex-Bundespräsident siegessicher: "Ich werde den allerletzten Vorwurf ausräumen." Er habe sich im Amt immer korrekt verhalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/prozessauftakt-in-hannover-wulff-beteuert-seine-unschuld-a-933524.html
Ein Insulaner! Er begreift es nicht, er müsste sich einfach nur an seine von im selbst formulierten Ansprüche halten und er könnte es verstehen das er genau das nicht getan hat. Er hat sich nicht immer korrekt verhalten. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem was justiziabel ist und was nicht korrekt ist. Das es hier rein rechtlich nur um 750 € geht bedeutet nicht, das alle anderen Dinge in denen er sich an den Geldadel Deutschlands anlehnte und den nötigen Abstand vermissen lies korrekt verhalten hätte. Genau wie bei jedem der das nicht versteht kann ein Neubeginn und eine Vergebung nur dann starten wenn er einsieht und bereut. So wird das nichts Herr Wulff.
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