Prozessauftakt Masri gesteht Brandstiftung in Großmarkt

Brandstiftung, Beleidigung, Körperverletzung: Der mutmaßlich von der CIA nach Afghanistan entführte Deutsch-Libanese Khaled el-Masri hat zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sein Anwalt macht Spätfolgen der Folter für die Taten verantwortlich.


Memmingen - Mit einem Geständnis hat heute der Prozess gegen den mutmaßlich von der CIA nach Afghanistan entführten Khaled el-Masri begonne. Der wegen Brandstiftung, schwerer Körperverletzung und Beleidigung angeklagte 44-Jährige gab vor dem Landgericht Memmingen zu, im Mai nach einem Streit mit einer Verkäuferin einen Brand in einem Neu-Ulmer Großmarkt gelegt zu haben. Zudem räumte Masri ein, Monate zuvor einen Ausbilder krankenhausreif geschlagen haben.

Bekennt sich schuldig: Khaled el-Masri im Gerichtssaal
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Bekennt sich schuldig: Khaled el-Masri im Gerichtssaal

Sein weitgehendes Geständnis legte der Deutsch-Libanese zu Prozessbeginn in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung ab. Demnach rammte Masri nach Ladenschluss mit seinem Auto einen Nebeneingang des Neu-Ulmer Metro-Marktes und legte mit Hilfe von vier Benzinkanistern an mehreren Stellen Feuer. Beim Brand entstand vor allem durch Ruß- und Löschwasserschäden ein Sachschaden von über 300.000 Euro.

Zudem räumte Masri ein, zuvor zwei Verkäuferinnen des Marktes beleidigt und eine von ihnen angespuckt zu haben, nachdem es einen Streit um die Rücknahme eines digitalen Musikabspielgeräts gegeben habe. Ebenso gestand Masri, rund ein Vierteljahr vor dem Brand einen Mitarbeiter der Prüfgesellschaft Dekra verprügelt zu haben.

Der Dekra-Mitarbeiter hatte Masri vorgeworfen, bei einer Ausbildung zum Lkw-Fahrer zu viele Stunden verpasst zu haben. Bei der Prügelei erlitt der Ausbilder unter anderem eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen.

Masris Rechtsanwalt Manfred Gnjidic machte für das Handeln seines Mandanten Spätfolgen von in Afghanistan erlittener Folter verantwortlich. Er warf zudem erneut der damaligen rot-grünen Bundesregierung vor, sie habe trotz Bitten seinem Mandanten keine ausreichende Psychotherapie zukommen lassen. Der Angeklagte schilderte zum Prozessauftakt teils unter Tränen seine Leidensgeschichte in Afghanistan und Mazedonien, wo ihn CIA-Agenten entführt hätten.

El-Masri war von Dezember 2003 bis Mai 2004 nach Afghanistan verschleppt worden. Die Münchner Justiz erließ nach intensiven Ermittlungen wegen dringenden Tatverdachts gegen 13 in den USA lebende CIA-Agenten Haftbefehle für den Fall einer Einreise nach Deutschland. Eine Auslieferung der Agenten lehnt die amerikanische Regierung ab. In dem Prozess sollen Gutachter die Schuldfähigkeit des Deutsch-Libanesen klären.

amz/AP



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