Querelen in der Fraktion Berliner Pirat Lauer gibt Vorsitz auf

Das Theater um die Berliner Piratenfraktion geht weiter: Fraktionschef Christopher Lauer zieht sich von seinem Posten zurück. Offiziell will er sich mehr auf Hintergrundarbeit konzentrieren, doch in der Fraktion vermutet man andere Gründe.

Pirat Lauer: Von der Rampensau zum Hintergrundarbeiter
DPA

Pirat Lauer: Von der Rampensau zum Hintergrundarbeiter


Berlin - Es ist ein schleichender Niedergang mit Ansage: Der Fraktionschef der Berliner Piraten, Christopher Lauer, hat seinen Rückzug von der Fraktionsspitze bekanntgegeben. Lauer stand der Gruppe von 15 Abgeordneten im Berliner Landesparlament knapp ein Jahr lang vor. Nun will er überraschend nicht wieder antreten. Stattdessen zieht er seine Kandidatur zurück.

Der Rückzug von der Fraktionsspitze wurde anscheinend im Alleingang entschieden. Die übrigen Abgeordneten wurden am frühen Nachmittag per Rundmail darüber informiert. Lauer erklärte, er wolle sich mehr auf sein Privatleben und auf seine Arbeit in den Ausschüssen des Parlaments konzentrieren. In der Fraktion wurde hingegen gemutmaßt, Lauer könne bei einer Kandidatur nicht mehr auf eine Mehrheit zählen und wolle sich die Blamage einer Wahlniederlage ersparen.

Lauer ist eines der wenigen prominenten Mitglieder der Piraten. Allerdings hat sein Standing nach Meinung vieler Partei- und Fraktionsmitglieder in den vergangenen Monaten gelitten. Anfang Februar drängte er den damaligen politischen Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader, per SMS zum Rücktritt, dieser veröffentlichte die Nachricht prompt im Netz.

In den vergangenen Wochen versuchte Lauer dann erbittert, von seinen Leuten Rückhalt einzufordern. In einer hektisch angesetzten Pressekonferenz vor Pfingsten warf er seiner Fraktion vor, sie beherberge einen Verräter. Dieser hätte bei Berichterstattern gezielt das Gerücht gestreut, Lauer habe die Mutter seiner Lebensgefährtin wegen privater Seilschaften ungerechtfertigt zur Pressechefin befördert. Zu einem späteren Zeitpunkt berichtete SPIEGEL ONLINE, die Pressechefin sei in ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Bestechung verwickelt.

Die Gerüchte, die gegenseitigen Vorwürfe, die Ungereimtheiten bei Personalentscheidungen, die Kommunikationsprobleme - all das wollte die zerstrittene Fraktion dann vor wenigen Wochen in einer nichtöffentlichen Fraktionssitzung diskutieren und den Zwist begraben. Anschließend veröffentlichten die 15 Piraten eine steif formulierte Absichtserklärung, in der sie sich öffentlich vertrugen ("Wir sind eine Fraktion, und wir haben den festen Willen, eine Fraktion zu bleiben").

Möglicher Nachfolger: Pirat Höfinghoff

Doch der selbstverordnete Frieden hat anscheinend nichts genutzt. Erst zog der als besonnen geltende Co-Fraktionschef Andreas Baum seine Kandidatur zur Wiederwahl zurück, nun Lauer. Übrig bleibt als momentan einziger Kandidat für die bisherige Doppelspitze der Abgeordnete Oliver Höfinghoff. Höfinghoff gilt als engagierter Pirat, ist aber ebenfalls nicht unumstritten. In der Berliner Lokalpresse machte er Schlagzeilen, weil seine Lebensgefährtin zeitweilig als persönliche Mitarbeiterin für die Fraktion arbeitete. Auch wird dem Aktivisten Nähe zur linksextremen autonomen Szene nachgesagt.

Die bunt gemischte Piratenfraktion aus IT-Experten, Studenten und einer jungen Mutter hatte Ende 2011 mit ihrem Überraschungswahlsieg die temporäre bundesweite Erfolgswelle der Piratenpartei eingeläutet. Mittlerweile haben unzählige Streits und Eklats dafür gesorgt, dass die Umfragewerte für die Piraten sowohl in Berlin als auch auf Bundesebene unter der Fünfprozenthürde verharren.

amz

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bernix 10.06.2013
1. Mussten mal wieder ein paar Zeilen abgeliefert werden?
Zitat von sysopDPADas Theater um die Berliner Piratenfraktion geht weiter: Fraktionschef Christopher Lauer zieht sich von seinem Posten zurück. Offiziell will er sich mehr auf Hintergrundarbeit konzentrieren, doch in der Fraktion vermutet man andere Gründe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/querelen-in-der-fraktion-berliner-pirat-lauer-schmeisst-hin-a-904822.html
Lauer möchte keine weitere Periode den Vorsitz übernehmen und hat seine Kandidatur zurückgezogen. Von "Vorsitz hinschmeißen" kann man da wohl nicht sprechen.
fallenangel 10.06.2013
2. Es ist doch kein Wunder...
Zitat von sysopDPADas Theater um die Berliner Piratenfraktion geht weiter: Fraktionschef Christopher Lauer zieht sich von seinem Posten zurück. Offiziell will er sich mehr auf Hintergrundarbeit konzentrieren, doch in der Fraktion vermutet man andere Gründe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/querelen-in-der-fraktion-berliner-pirat-lauer-schmeisst-hin-a-904822.html
daß einer nach der anderen in der Piratenspitze hinwirft. Die PP rekrutiert sich aus einer Generation, welche in Foren groß geworden. Ihr Sozialverhalten wurde hinter der Anonymität von Pseudodymen gebildet,hinter welchem man quasi ungehemmt seinen geitigen Dünnpfiff ablassen konnte. Die Teile dieser Generation, welche bis heute dem nicht entwachsen sind, denen Netiquette ein Fremdwort ist, gehen ihrem Wunsch nach politischem Einfluss in der PP nach. Das System "Liquid Feedshitstorm" war von anfang an zum Scheitern verurteilt. Eine politsche Partei, in welcher Respekt ein Fremdwort ist, und Führungskompetenzen zum Aufzeigen der politschen Richtung fehlen, kann nicht intakt arbeiten.
afu-ra 10.06.2013
3. Pc Nerds und Frauenhasser....
Es ist mir sehr peinlich mal mit der PP sympathisiert zu haben.Mein Vorposter ist super gewesen, hut ab.Dass dieses schlechte Sozialverhalten in der PP aus der Tatsache resultiert, dass man im web nur wenig Verantwortung für seine Worte übernehmen muss (und es somit niemals lernt) ist tiefenpsychologisch hoch interessant."Ich bin B00n84, beleidige auf twitter, schule mein frauenbild bei virtueller onanie, und denke ich würde an der gesellschaft teilnehmen, wenn ich bei einer debatte mitmache wo sich 3000 Mann virtuell anschreien".Ihr armen..... wieviel kompetente Menschen wollt ihr noch "haten"? /push peace.So nun afk.
Veterano48 10.06.2013
4. gute Nachricht
nach und nach verdünnisieren sich diese Politclowns. Alle anfänglichen Sympathien für eine neue Gruppierung von "frischem Wind in der Politik" sind schon Geschichte. Diese Piraten zeigen sich als verantwortungslose Dummschwätzer, die mit ihrem Wählermandat nicht umgehen können oder wollen.
stefansaa 10.06.2013
5.
Zitat von afu-raEs ist mir sehr peinlich mal mit der PP sympathisiert zu haben.Mein Vorposter ist super gewesen, hut ab.Dass dieses schlechte Sozialverhalten in der PP aus der Tatsache resultiert, dass man im web nur wenig Verantwortung für seine Worte übernehmen muss (und es somit niemals lernt) ist tiefenpsychologisch hoch interessant."Ich bin B00n84, beleidige auf twitter, schule mein frauenbild bei virtueller onanie, und denke ich würde an der gesellschaft teilnehmen, wenn ich bei einer debatte mitmache wo sich 3000 Mann virtuell anschreien".Ihr armen..... wieviel kompetente Menschen wollt ihr noch "haten"? /push peace.So nun afk.
Machen Sie, Ihr Vorposter und der feine Herr danach irgendetwas anderes? Im übrigen möchte ich Ihr Augenmerk mal auf Post #1 lenken. Es handelt sich hier wieder einmal um eine Propagandameldung von SPON. Wenn Sie gegen eine politische Ausrichtung sind, ist das in Ordnung aber sprechen Sie diesen Menschen nicht das Recht ab auch wie Menschen behandelt zu werden. Wenn Sie sachliche Argumente vorbringen können, tun Sie das anstatt hier polemisch versteckte Beleidigungen zu posten.
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