Radioaktive Munition Ministerium kannte Krebsrisiko

Nach dem Bekanntwerden der Krebs-Erkrankung eines in Bosnien eingesetzten Soldaten gerät Verteidigungsminister Scharping immer mehr unter Druck. Politiker auch aus den eigenen Reihen fordern Aufklärung vom Minister. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Strafanzeige gegen Scharping.


Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kososvo
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Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kososvo

Berlin - Zu Beginn des Kosovo-Einsatzes im Juli 1999 sollen die Bündnisarmeen von der Nato vor den möglichen Gefahren der Uran-Munition gewarnt worden sein. Die Nato habe die Bundeswehr und auch die anderen Bündnisarmeen zu entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert. Das geht aus einem internen Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums hervor, aus dem die "Berliner Morgenpost" zitiert und dessen Existenz von einem Sprecher des Ministeriums in Berlin bestätigt wurde.

Die Bundeswehr hat den Angaben zufolge seinerzeit sofort reagiert. Eindeutige Befehle für das Verhalten bei radioaktiv verseuchten Gebieten und von Uran-Munition zerstörten Zielen seien erteilt worden, hieß es.

Scharping unter Druck

Rudolf Scharping will dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen
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Rudolf Scharping will dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen

Nach dem Bekanntwerden der Leukämie-Erkrankung eines in Bosnien eingesetzten ehemaligen Zeitsoldaten der Bundeswehr ist Verteidigungsminister Rudolf Scharping unter Druck geraten. Der FDP-Politiker Jürgen Koppelin warf dem Minister Verschleierung und Abwiegelung vor. Er forderte Scharping auf, dem Parlament angesichts der ungeklärten Todes- und Krankheitsfälle von Soldaten die Fakten vorzulegen. Scharping will dem Verteidigungsausschuss des Bundestages am 17. Januar Rede und Antwort stehen.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte allerdings auch bis Sonntag keinen Anhaltspunkt für einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Einsatz des Soldaten. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte am Sonntag, bei dem Einsatz bei einer Drohnen-Batterie in Mostar könne der Soldat keinen Kontakt mit uranhaltiger Munition gehabt haben. Trotzdem werde auch in der kommenden Woche weiter untersucht, wo genau sich der Soldat bewegt habe. Sollten sich Hinweise auf Kontakt mit Uranmunition ergeben, werde "mit Sicherheit nichts vertuscht werden".

Bei dem Betroffenen handelt es sich um einen 25-Jährigen aus Uelzen, wie die Bild"-Zeitung berichtete. Er sei zwischen August und November 1997 in Mostar im Einsatz gewesen. Im Januar 1998 sei er an Leukämie erkrankt. Der junge Mann wurde ein halbes Jahr in Oldenburg behandelt und gilt heute als geheilt.

"Eindeutige Befehlslage" seit Einsatzbeginn

Der Ministeriumssprechers verwies darauf, dass die Bundeswehr auf dem Balkan bislang rund 50.000 Soldaten im Einsatz hatte. Nach der rein statistischen Wahrscheinlichkeit befänden sich unter ihnen zwischen sechs und zehn Personen, die im Laufe ihres Lebens an Leukämie erkranken könnten. Im übrigen gebe es bei der Truppe seit Juli 1999 eine "eindeutige Befehlslage" zum Verhalten bei radioaktiv verseuchten Gebieten und von Uran-Munition zerstörten Zielen.

Strafanzeige gegen Scharping

Die Bonner Staatsanwaltschaft prüft nach Informationen der "Welt am Sonntag" eine Strafanzeige gegen Scharping (SPD) im Zusammenhang mit einem an Hirnhautentzündung gestorbenen Bundeswehr-Soldaten. Die Hirnhautentzündung habe er sich während seines Einsatzes nahe der Stadt Prizren im Kosovo zugezogen. Der 23 Jahre alte Mann aus Brandenburg sei vor einem Jahr gestorben. Zu der einer Strafanzeige wollte sich der Sprecher nicht äußern. Er sgate, wenn man allerdings damit beginne, sämtliche Krankheitsbilder von auf dem Balkan eingesetzten Soldaten in einen Zusammenhang mit ihrem Einsatz zu bringen, "dann sind wir am Ende der seriösen Berichterstattung angekommen", sagte der Sprecher.

Der Rechtsanwalt der Familie, Klaus Lübke, sagte der Zeitung, Scharping habe es versäumt, notwendige Schutzmaßnahmen gegen Hirnhautentzündung (Meningitis) anzuordnen. Schon seit Mitte der neunziger Jahre sei bekannt, dass der Kosovo "Meningitis verseucht" sei. Dennoch sei den dort stationierten Soldaten nicht empfohlen worden, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen.

Uranhaltige Munition: SPD-Abgeordnete spricht von Kriegsverbrechen

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Margot von Renesse nannte den Einsatz uranhaltiger Munition ein Kriegsverbrechen und verlangte die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Bundestags. Möglicherweise sei das auch ein Fall für einen Internationalen Gerichtshof, schrieb Renesse in "Bild am Sonntag". Geklärt werden müsse die Frage, wer in der Bundesregierung von der Verwendung dieser Munition gewusst habe. Das Verteidigungsministerium müsse alle Karten auf den Tisch legen und vor allem Klarheit darüber schaffen, wo heute noch Uranmunition oder Rückstände auf dem Balkan lagerten.



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