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Republik 21 Rächt sich der Atomausstieg in der Klimakrise?

Wegen Sicherheitsbedenken verabschiedet sich Deutschland von der Kernkraft. Doch anders als Kohle und Gas sind Atommeiler nicht klimaschädlich. Im Stimmenfang hören Sie, was das für die Energiewende bedeutet.
Ein Podcast von Marius Mestermann

Geschockt von der Fukushima-Katastrophe beschloss das Bundeskabinett vor zehn Jahren den Atomausstieg. Kein anderes Land zog so rigorose Konsequenzen aus dem Super-GAU wie Deutschland – nicht einmal Japan. Bald gehen die letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Doch was als spektakuläre Kehrtwende im Kurs von Angela Merkel begann, wird nun von vielen Seiten kritisiert.

Denn Kernkraft birgt zweifellos Risiken für Mensch und Umwelt, am sichtbarsten ist das in Tschernobyl. Aber sie kommt fast ohne CO₂-Emissionen aus und ist weniger Schwankungen unterworfen als die Stromquellen Wind und Sonne. Die erneuerbaren Energien sind zudem noch unzureichend ausgebaut, und Deutschland muss die wegfallende Kernkraft mit fossilen Brennstoffen kompensieren. 

Kam der Atomausstieg also zu früh? Müssen wir doch wieder umdenken?

Jochen Stay kämpft seit Jahrzehnten gegen die Atomkraft. »Wir waren schon extrem hin- und hergerissen«, sagt Stay. »Ich freue mich ja als Atomkraftgegner nicht, wenn ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt.« Aber Fukushima sei auch eine politische Chance gewesen, in Deutschland etwas zu ändern.

Schließlich hatte die schwarz-gelbe Regierung unter Merkel erst ein halbes Jahr vor der Katastrophe die Laufzeiten der deutschen Kraftwerke verlängert. Für Stay, der die Organisation »ausgestrahlt« leitet, war der Atomausstieg trotzdem nur ein Teilerfolg. Denn bis die letzten Kraftwerke Ende 2022 abgeschaltet sind, produzieren sie weiter Atommüll – und die Endlagersuche ist noch immer nicht abgeschlossen.

Anna Veronika Wendland wirft der Bundesregierung hingegen vor, den Atomausstieg auf mangelnder Informationsgrundlage beschlossen zu haben. Die in Fukushima offenbarten Sicherheitsmängel seien nicht mit deutschen Kraftwerken zu vergleichen gewesen. Wendland ist Technikhistorikerin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg und gehört zum Führungsteam des Pro-Atomkraft-Vereins »Nuklearia«.

Sie hält die Risiken der Kernenergie für vertretbar und sieht in ihr einen Beitrag zum Klimaschutz. Denn anders als die noch laufenden Kohle- und Gaskraftwerke emittieren Atommeiler kein CO₂, zumindest nicht direkt bei der Stromerzeugung. »Der Geburtsfehler dieser deutschen Energiewende ist die Fixierung auf den Atomausstieg«, sagt Wendland. Politisch scheint eine erneute Kehrtwende, der Ausstieg vom Ausstieg, aber aussichtslos. Die AfD wirbt als einzige Partei im Bundestag für eine Rückkehr zur Atomkraft – will aber auch an Braunkohle und Steinkohle festhalten. Für Wendland ist die Partei aus mehreren Gründen kein geeigneter Partner. Dennoch behauptet sie, wer heute an der Energiewende zweifle, lande zu schnell »in der rechten Ecke«.

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Bis zur Bundestagswahl nehmen wir uns nacheinander große Fragen aus Politik und Gesellschaft vor – und laden zum Diskutieren und Mitmachen ein. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage: Sind wir noch zu retten? 

Auch SPIEGEL-Redakteur Marco Evers bewertet den deutschen Atomausstieg kritisch. »Wir machen uns da auch etwas vor, wenn wir glauben, wir können hier aus der Atomkraft aussteigen, aber im Rest der Welt wird es diese Technologie weiterhin geben«, sagt Evers. »Deutschland wird auch in Zukunft umstellt sein von Atommeilern.«

Anlässlich des zehnten Jahrestags der Fukushima-Katastrophe im März hat er recherchiert, warum andere Länder weiter auf Kernkraft setzen . Sein Fazit: »Bis zum wirklichen Ende des Atomzeitalters werden noch viele Jahrzehnte vergehen. Aber die Rolle, die AKW im Energiemix der Zukunft spielen werden, dürfte kleiner und kleiner werden.« Evers kritisiert, dass in Deutschland die falschen Kraftwerke zuerst abgeschaltet worden seien. In der Energiewende übergangsweise auf Kohle und Gas zu setzen statt auf Kernkraft, stehe den Klimazielen entgegen.

Neugierig geworden? Dann hören Sie jetzt den ganzen Stimmenfang-Podcast:

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