Rätsel um Osthoff-Lösegeld "Der Fall ist außerordentlich obskur"

Nach ihrer Freilassung sollen bei der entführten Susanne Osthoff US-Dollarscheine aus dem Lösegeld gefunden worden sein. Spekulationen über eine Mittäterschaft an der Geiselnahme werden von Behörden aber dementiert. Die Bundesregierung prüft, ob Osthoff sich an den Befreiungskosten beteiligen soll.


München - Deutsche Sicherheitsbehörden bestätigten der "Süddeutschen Zeitung", die Archäologin habe das Geld in einem Beutel mitgeführt. Es soll sich um etwa 3000 US-Dollar gehandelt haben.

Das sei in etwa der Betrag gewesen, den die Entführer ihr vorher abgenommen hatten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitsexperten. Osthoff habe gegenüber den deutschen Behörden weder das Geld noch dessen Herkunft versucht geheim zu halten. Sie habe es behalten dürfen.

Das Geld soll bei einer Überprüfung ihrer Habseligkeiten entdeckt worden sein. Als Osthoff nach der Geiselhaft in der Deutschen Botschaft in Bagdad duschte, hätten die Beamten in dem Beutel das mit Gummibändern zusammengebundene Geld gefunden. Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) stellten bei einem Vergleich der Seriennummern fest, dass es sich um Scheine des Lösegeldes handelte, das die Bundesregierung bereitgestellt hatte.

Spekulationen vom Wochenende, Osthoff habe möglicherweise mit den Geiselnehmern gemeinsame Geschäfte gemacht, wurden von Sicherheitsbeamten dementiert. "Für diese Spekulation haben wir keinerlei Beleg", erklärte ein Beamter.

Das wegen der Entführung vom Karlsruher Generalbundesanwalt eingeleitete und von BKA-Spezialisten betriebene Ermittlungsverfahren werde weiterhin gegen Unbekannt geführt. Osthoff war am 25. November 2005 im Irak verschleppt und am 18. Dezember von ihren Entführern wieder freigelassen worden.

FDP-Fraktionschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verlangt nun von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Aufklärung. "Die Bundesregierung sollte zumindest das Parlamentarische Kontrollgremium informieren", sagte Leutheusser-Schnarrenberger der "Passauer Neuen Presse". "Wenn der Bundesaußenminister hier Geheimhaltung verordnet, blühen die Spekulationen erst recht", betonte sie. Der ganze Fall sei "außerordentlich obskur".

Der FDP-Innenexperte Max Stadler sagte, es gebe "nur wenige Vorgänge, bei denen es so viel Verwirrung gibt wie im Fall Osthoff". Die deutsche Öffentlichkeit habe jedenfalls einen Anspruch darauf und ein Interesse daran, zu erfahren, was wirklich geschehen sei.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach kündigte bereits an, die Bundesregierung werde prüfen, ob sich Osthoff "an den Befreiungskosten beteiligen kann". Es gebe "einige Ungereimtheiten, die meiner Überzeugung nach aufgeklärt werden müssten", sagte Bosbach bei N24. "Und daneben gibt es ja noch die Frage, ob nicht, wenn Frau Osthoff doch noch relativ viel Geld bei sich hatte, sie sich zumindest mit einem Teil an den Kosten ihrer Befreiungsaktion beteiligen sollte. Das wird jetzt die Bundesregierung prüfen."



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