RAF-Prozess Spuren am Betttuch

Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart begann heute einer der letzten Prozesse gegen ein angebliches Mitglied der Roten Armee Fraktion. Andrea Martina Klump, 46, soll 1991 an einem Anschlag auf einen Reisebus in Ungarn beteiligt gewesen sein. Doch die Beweislage der Bundesanwaltschaft ist dünn.
Von Felix Kurz

Vor dem Staatsschutzsenat des Stuttgarter Oberlandesgerichts hat heute der Prozess gegen die 46jährige Andrea Martina Klump begonnen. Die Karlsruher Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, zusammen mit dem in Wien im September 1999 von der Polizei erschossenen Horst Ludwig Meyer und mindestens einen weiteren bisher unbekannt gebliebenen Mittäter im Auftrag einer palästinensischen Terrororganisation an einem Sprengstoffanschlag auf einen Reisebus am 23.Dezember 1991 in Budapest/Ungarn beteiligt gewesen zu sein.

Die Anklagte wies die Vorwürfe in einer anderthalbstündigen Erklärung zurück. Sie habe "mit diesem schrecklichen Anschlag nicht das Geringste zu tun", sagte sie. Laut Anklage war damals ein mit 29 jüdischen Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion und zwei Begleitern besetzter Bus auf der Ferihegyi-Schnellstraße auf dem Weg zum Flughafen Budapest, als der am Fahrbahnrand geparkte Fiat Tipo mit dem Kennzeichen X-A-1893 explodierte. Schwer verletzt wurden dabei zwei ungarische Polizeibeamte in einem vorausfahrenden Begleitfahrzeug, vier jüdische Businsassen erlitten nur leichte Verletzungen.

Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Detonation der in dem Wagen befindlichen 25 Kilogramm Sprengstoff infolge eines Konstruktionsfehlers der Funkfernbedienung zu früh erfolgte, so dass der Bus nicht mit voller Wucht getroffen worden und keiner der Insassen ums Leben gekommen sei. Einen Tag nach dem Anschlag veröffentlichte die französische Nachrichtenagentur AFP in Beirut ein bei ihr eingegangenes maschinenschriftliches Bekennerschreiben einer völlig unbekannten Gruppierung "Bewegung für die Befreiung von Jerusalem". Wer sich hinter diesem Namen verbirgt, ist bis heute nicht aufgeklärt.

Nur ein Indiz

Dagegen glaubt die Bundesanwaltschaft, dass Frau Klump, die derzeit wegen eines Sprengstoffanschlags am 17.Juni 1988 in Rota/Spanien noch eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren verbüßt, an dem Attentat in Budapest beteiligt war. Eine konkrete Tatbeteiligung enthält die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft jedoch nicht. Die Behörde stützt sich nur auf ein einziges Indiz, eine so genannte DNA-Mischspur, die von Klump auf einem Betttuch in einer Wohnung in Budapest gefunden worden war.

Diese Wohnung soll Meyer damals unter dem Namen Winfried Robert Georg Hamdaker angemietet haben. Klump bestätigte in ihrer Einlassung, dass sie Ende September und vor Weihnachten 1991 ihren damaligen Lebensgefährten Meyer für jeweils wenige Tage in Budapest besucht habe. Sie sei aber weder an der Planung, Vorbereitung oder Durchführung des Attentats beteiligt gewesen. Sie bestritt auch, über einen derartigen Anschlag informiert gewesen. Sie habe erstmals davon vor rund drei Jahren durch die Ankläger erfahren, die ihr vorwarfen, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein.

Klump und die Bundesanwaltschaft haben eine lange gemeinsame Geschichte. Jahrelang fahndete die Behörde nach ihr, weil sie die Frau zur Kommando-Ebene der Roten-Armee-Fraktion rechnete. Diesen Vorwurf, und auch den Vorwurf der Mittäterschaft an dem Mordanschlag auf den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, im Jahre 1992, konnte die Bundesanwaltschaft jedoch nie belegen.

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