Zeit der Enthaltsamkeit Was passiert im Ramadan?

Am Montag beginnt der Fastenmonat Ramadan. Millionen Muslime weltweit verzichten auf Essen, Trinken und Zigaretten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Vier Fakten.

Fastenbrechen in Istanbul
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Fastenbrechen in Istanbul

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Wann ist der Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders. Der orientiert sich nicht an der Sonne wie der in den meisten Ländern gebrauchte Gregorianische Kalender, sondern am Mond. Sein Jahr hat nur rund 354 Tage. So kommt es, dass der Ramadan im westlichen Kalender nicht immer zur gleichen Zeit beginnt, sondern sich jedes Jahr um etwa 11 Tage verschiebt. In diesem Jahr beginnt der Monat für die Muslime am 6. Juni. Er dauert 30 Tage. Seinen Abschluss bildet ein großes mehrtägiges Fest zum endgültigen Fastenbrechen, auch Zuckerfest genannt. Kinder werden traditionell mit Süßigkeiten beschenkt.

Was wird im Ramadan gefeiert?

Der Ramadan gilt als der Monat, in dem Mohammed der Koran offenbart wurde. Das soll am 27. Tag dieses Monats geschehen sein. Um das zu feiern, wird gefastet. Im Koran heißt es dazu in einem Vers der zweiten Sure: "Wenn jemand von euch diesen Monat hier erlebt, dann soll er während des Monats fasten."

Neben der Wallfahrt nach Mekka, dem Geben von Almosen und den täglichen Gebeten gehört auch das Fasten zu den religiösen Pflichten der Muslime. Reisende, Alte, Kinder oder Schwangere müssen nicht mit fasten. Sie können die Fastentage nachholen, wenn es ihnen wieder möglich ist.

Wie wird der Ramadan begangen?

Im Ramadan sollen die Menschen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht essen, trinken, rauchen sowie auf Sex verzichten. Allabendlich wird nach Sonnenuntergang das Fasten gebrochen. Meist kommt die ganze Familie zusammen und isst gemeinsam.

Im Laufe der Nacht sprechen die Muslime in der Moschee oder zu Hause ein spezielles Ramadan-Gebet. Am Morgen wird meist vor Sonnenaufgang noch eine Mahlzeit eingenommen.

Das Fasten ist aber nicht auf den Körper beschränkt. Viele bemühen sich in dieser Zeit ihren religiösen Pflichten besonders gewissenhaft nachzukommen. Der Prophet Mohammed soll zum Ramadan gesagt haben: "Er ist ein Monat, dessen Beginn Barmherzigkeit, dessen Mitte Vergebung und dessen Ende Befreiung vom Höllenfeuer ist."

In vielen islamischen Ländern wird auf die spezielle Belastung und den geänderten Lebensrhythmus der Fastenden Rücksicht genommen. So werden Arbeitszeiten verkürzt und verstärkt auf die Morgen- und Abendstunden verlegt.

Wie feiern Muslime in Deutschland den Ramadan?

In Deutschland fällt der Ramadan wie in den vergangenen Jahren in eine Zeit, in der die Tage besonders lang sind. Dadurch verkürzt sich die Spanne, in der das Fasten gebrochen werden kann, auf bis zu sieben Nachtstunden. In manchen skandinavischen Ländern geht die Sonne sogar gar nicht unter. In diesen Ländern gibt es keine einheitliche Regel für die Muslime, aber viele orientieren sich daran, wann die Sonne im saudi-arabischen Mekka oder in dem nächst gelegenen islamischen Land - meist der Türkei - untergeht.

Auch hierzulande feiern die Muslime das Fastenbrechen abends mit der Familie und Freunden. Am 27. Tag wird oft noch größer gefeiert, auch mit nichtmuslimischen Freunden und Bekannten. In vielen Städten gibt es auch öffentliche Feiern zum gemeinsamen Fastenbrechen.

Zwar passt sich Deutschland nicht generell bei Arbeits- oder Öffnungszeiten an den Ramadan an, aber schon im vergangenen Jahr nahmen beispielsweise viele Flüchtlingsunterkünfte Rücksicht auf ihre muslimischen Bewohner und boten Mahlzeiten nach Sonnenuntergang an.



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