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11. Dezember 2014, 17:46 Uhr

Linken-Ministerpräsident

Ramelow verbeugt sich vor der Kanzlerin

Angela Merkel hatte vor seiner Wahl gewarnt - nun musste die CDU-Chefin den frisch vereidigten Thüringer Ministerpräsidenten Ramelow im Kanzleramt empfangen. Der Linken-Politiker verbeugte sich artig.

Berlin - Der Erdboden tat sich entgegen mancher Befürchtung nicht auf, als Bodo Ramelow an diesem Donnerstagnachmittag das Kanzleramt betrat - der erste Linken-Ministerpräsident der Republik. Thüringens frisch gewählter Regierungschef kam gemeinsam mit seinen Kollegen aus den anderen 15 Bundesländern zum Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel, um über die Finanzbeziehungen zu sprechen.

Die CDU-Chefin hatte vor der Wahl am vergangenen Freitag Stimmung gegen Rot-Rot-Grün in Thüringen gemacht - nun kam es zur ersten Begegnung von Ramelow in seinem neuen Amt mit Merkel. Ein historischer Moment und vor allem für den Linken-Politiker wohl ein ganz besonderer: Artig verbeugte sich Ramelow vor der Kanzlerin, die ihm einigermaßen huldvoll und zart lächelnd die Hand reichte. Anschließend sah man die beiden schon miteinander scherzen.

Merkel und Ramelow sind sich nicht fremd: Die CDU-Politikerin und der Linken-Mann kennen sich unter anderem aus dem Bundestag, in dem Ramelow zwischen 2005 und 2009 saß.

Vor dem Besuch im Kanzleramt hatte Ramelow am Donnerstag bereits seine Bundesrats-Premiere als Ministerpräsident erlebt: Im Rahmen der Länderchef-Konferenz traf er zum ersten Mal auf seine neuen Kollegen. Der Empfang sei "sehr freundlich gewesen", sagte Ramelow anschließend.

Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier habe ihn daran erinnert, so Ramelow, dass sie Anfang der Siebzigerjahre zeitgleich bei Karstadt in Gießen gearbeitet hätten. Mit Brandenburgs SPD-Regierungschef Dietmar Woidke, der zur Zeit der Konferenz der Ministerpräsidenten vorsitzt, sei er "bereits per du", so der Linken-Politiker.

Uneingeschränkt scheinen ihn die SPD-Ministerpräsidenten allerdings noch nicht in ihrer Mitte zu akzeptieren: An den traditionellen Vorbereitungen der von den Sozialdemokraten regierten sogenannten A-Ländern durfte Ramelow noch nicht teilnehmen. Ob das in Zukunft anders sein wird, soll erst in der kommenden Woche entschieden werden. Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann nimmt an den Vorberatungen der A-Länder teil.

Aber Ramelow wollte sich davon seine demonstrativ gute Laune am Donnerstag nicht verderben lassen. Es sei klar gewesen, dass er diesmal noch nicht bei den SPD-Vorberatungen dabei sein würde, sagte Ramelow. "Deswegen ist alles gut."

flo

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