Nach US-Evakuierung aus Kabul Afghanen aus US-Schutzprogramm beantragen Asyl in Deutschland

Während der Rettungsmission in Kabul nutzten die USA die Luftwaffenbasis Ramstein als Zwischenstation für ihre Evakuierten. Einige Afghanen aus dem US-Schutzprogramm wollen nun aber in Deutschland bleiben.
Von der US-Airbase Ramstein aus sollen afghanische Geflüchtete weiter in die USA gebracht werden

Von der US-Airbase Ramstein aus sollen afghanische Geflüchtete weiter in die USA gebracht werden

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Die deutschen Behörden registrieren nach SPIEGEL-Informationen eine steigende Zahl von Afghanen, die mit amerikanischen Evakuierungsflügen von Kabul auf die US-Basis Ramstein ausgeflogen worden sind und trotzdem in Deutschland Asyl beantragen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, bisher gebe es rund 130 solcher Asylanträge von Afghanen, die eigentlich Teil des US-Schutzprogramms für Ortskräfte und andere gefährdete Afghanen sind.

Bisher handelt es sich noch um ein recht kleines Phänomen, hieß es in Sicherheitskreisen. Demnach handelt es sich meist um Afghanen, die Verwandte in Deutschland haben und deswegen hier Asyl beantragen. Von US-Diplomaten hieß es, im Vergleich zu fast 25.000 ausgeflogenen Afghanen, die derzeit in Ramstein auf ihre Weiterreise in die USA warteten, sei die Zahl extrem niedrig. Die US-Behörden haben die entsprechenden Fälle über die Bundespolizei an die zuständigen deutschen Ausländerbehörden weitergegeben.

Die USA nutzen die Basis Ramstein als Drehscheibe für ihr Afghanistan-Schutzprogramm und haben schon mehrere Tausend Afghanen nach dem Zwischenstopp in Deutschland in die USA gebracht. Im Schnitt bleiben die geretteten Ortskräfte nur ein oder zwei Tage auf der Basis. Für den Weitertransport hat die US-Regierung mehrere zivile Jets im Einsatz, die jeden Tag zwischen Ramstein und den USA pendeln.

Die deutschen Behörden sehen die steigende Zahl der Asylanträge von Afghanen aus Ramstein dennoch mit Sorge. Vor allem im Innenressort gibt es Befürchtungen, dass sich der Weg, in Deutschland bleiben zu können, unter den Afghanen herumspricht. Dann, so das Szenario, könnte sich eine »dynamische Lageentwicklung« ergeben, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu Tausenden weiteren Asylanträgen führen könnte, hieß es in Sicherheitskreisen.

US-Basis Ramstein platzt aus allen Nähten

Derzeit ist die US-Basis Ramstein wegen der Evakuierungsoperation überfüllt. Laut US-Diplomaten sind rund 25.000 Afghanen in Zelten untergebracht. Die Zahl schwankt täglich, da regelmäßig neue Maschinen mit Geretteten aus Doha eintreffen und gleichzeitig Jets in die USA abheben. Am Mittwoch besucht US-Außenminister Antony Blinken die Basis, auch sein deutscher Kollege Heiko Maas wird dann in Ramstein erwartet.

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US-Stützpunkt Ramstein: Evakuierte Afghanen auf dem Weg in die neue Heimat

Foto: Matthias Schrader / AP

Ein Großteil der aus Afghanistan Geflohenen wurde von der US-Armee über das Drehkreuz Ramstein ausgeflogen. Anfang September teilte die US-amerikanische Luftwaffe mit, dass sie bereits die Hälfte der Evakuierten in die USA oder an einen anderen sicheren Ort gebracht habe.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels ging es in einem Absatz um die Aussichten afghanischer Staatsbürger auf Anerkennung ihrer Asylanträge in Deutschland. Dieser Absatz war unpräzise formuliert, wir haben ihn daher ersatzlos gestrichen.

Mit Material von dpa und AFP
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