Rassismus-Video Bronx-Bürgermeister lädt Bundeswehr nach New York ein

Peinliche Einladung für die Bundeswehr: Der Bürgermeister der Bronx würde deutsche Soldaten wegen eines rassistischen Videos gern in New York empfangen - um ihnen die Wirklichkeit zu zeigen. In dem Film fordert ein Ausbilder einen Rekruten auf, sich Afroamerikaner als Ziele vorzustellen. Der Ausbilder wurde jetzt entlassen.


Düsseldorf - Wegen des Skandal-Videos über die Rekrutenausbildung in Rendsburg hat der Bürgermeister der Bronx die deutsche Bundeswehr in den New Yorker Stadtteil eingeladen. Sollte sie eine Abordnung schicken, sei er gern für sie da, sagte Adolfo Carrión der "Rheinischen Post". "Ich werde sie herumfahren, damit sie sehen, wie die Bronx wirklich ist", erklärte er. In dem im Internet verbreiteten Privat-Video hatte ein Offizieranwärter einen Rekruten am Maschinengewehr aufgefordert, sich Afroamerikaner aus der Bronx als Ziele vorzustellen und beim Schießen mit "Motherfucker" zu beschimpfen.

Standbild aus dem umstrittenen Video: "Das ist barbarisch"
DDP

Standbild aus dem umstrittenen Video: "Das ist barbarisch"

Carrión, ein 46-jähriger ehemaliger Pfarrer, betonte erneut seine Empörung über die deutschen Soldaten: "Das ist barbarisch. Ganz klar, diese Burschen wissen gar nichts, weder über Afroamerikaner noch über die Bronx." Carrión forderte, Deutschland müsse die Menschen seines Viertels um Verzeihung bitten.

Der Fahnenjunker, der einem Rekruten das fiktive Feuern auf Afroamerikaner im New Yorker Stadtteil Bronx angeordnet hatte, wurde jetzt fristlos entlassen. Mit Ablauf des Tages werde sein Dienstverhältnis aufgelöst, teilte das Verteidigungsministerium heute mit. Die Entlassung erfolge nach dem Soldatengesetz. Der Mann, der Anfang 20 sei, habe seine Dienstpflicht schuldhaft verletzt und das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährdet, sagte der Ministeriumssprecher.

Der Wehrbeauftragte der Bundestags, Reinhold Robbe (SPD), wird heute mit Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) über den neuen Rassismusskandal bei der Bundeswehr sprechen. "Es muss dafür gesorgt werden, dass dieser Vorfall schnell aufgeklärt wird", sagte Robbe dem "Stern".

Er wisse seit dem 5. Februar von dem Vorgang und werde regelmäßig über den aktuellen Stand der Überprüfungen unterrichtet, sagte Robbe.

Er halte den Vorfall für einen Einzelfall, trotzdem müssten die Ausbildung und die Dienstaufsicht bei der Bundeswehr gegebenenfalls verbessert und mehr Wert auf die politische Bildung und die Vermittlung von Werten und Normen gelegt werden.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, forderte unterdessen eine Reform der Ausbildung in der Truppe. Arnold wertete die Entgleisung zweier Bundeswehr-Führungskräfte im schleswig-holsteinischen Rendsburg als "zusätzlichen Beleg dafür, dass es in der Bundeswehr eine Führungsschwäche gibt", wie er der "Frankfurter Rundschau" sagte. Die Führungsaufsicht in der Truppe müsse verstärkt und Verfehlungen konsequenter geahndet werden.

hen/ddp/AFP/dpa



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