Rassistische Gewalt Bericht kritisiert Kriminalstatistik als lückenhaft

Tausende Übergriffe gab es in den vergangenen Jahren gegen Geflüchtete in Deutschland – und längst nicht alle wurden polizeilich erfasst. Ein Bericht prangert nun die »chronische Untererfassung« rassistischer Straftaten an.
Die von der Polizei erfassten Taten geben kein vollständiges Bild der Gewalt gegen Geflüchtete (Symbolbild)

Die von der Polizei erfassten Taten geben kein vollständiges Bild der Gewalt gegen Geflüchtete (Symbolbild)

Foto: Silas Stein/ dpa

Rassistische Attacken sind in Deutschland keine Seltenheit. Erst kürzlich wurde in Erfurt ein 19-Jähriger geschlagen und rassistisch beleidigt, weil er einen anderen Mann in der Straßenbahn zum Tragen seiner Maske aufgefordert hatte. Doch längst nicht alle Vorfälle werden erfasst und verfolgt.

Einem Bericht der Amadeu Antonio Stiftung zufolge spiegelt die polizeiliche Kriminalstatistik insbesondere das aktuelle Ausmaß rechtsextremistischer oder rassistischer Vorfälle gegen geflüchtete Menschen nicht wider. »Wir haben Angsträume in Deutschland, die von den meisten nicht wahrgenommen werden«, sagte die Rassismus-Expertin Tahera Ameer bei der Vorstellung der Broschüre  »Leben in Gefahr. Gewalt gegen Geflüchtete in Deutschland«.

Gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat die Stiftung die Chronik von Gewalttaten an Geflüchteten erfasst. So wurden für die Jahre 2015 bis 2019 unter anderem 276 Brandanschläge und knapp 1900 Fälle von Körperverletzung verzeichnet sowie 8765 »sonstige Übergriffe«. Seit 2019 sei die Stiftung aber nicht in der Lage, die Situation vollständig zu dokumentieren, sagte Ameer.

Stiftung: Fälle schwerster Gewalt tauchten nicht in der Statistik auf

Es habe Fälle gegeben, wo Geflüchtete Opfer schwerster Gewalt geworden seien, ohne dass der Fall in der Kriminalstatistik aufgetaucht wäre oder in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht worden sei. »Nur weil niemand darüber spricht, hat sich die Situation für die Betroffenen nicht verbessert«, sagte Ameer. Durch die Untererfassung der Vorfälle werde die Gewalt unsichtbar gemacht.

Die Stiftung hatte ab 2015 die »Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle« zu einer professionellen Datenbank ausgebaut und erfasst darin Übergriffe gegen Geflüchtete sowie Verdachtsfälle. »Hinter jedem einzelnen Eintrag, bis Ende 2019 sind es 11.257, steht eine schmerzhafte Geschichte, die uns alle als Teil dieser Gesellschaft betrifft«, schreibt Ameer im Vorwort des Berichts.

Günter Burkhardt, der Geschäftsführer von Pro Asyl, forderte ein Bleiberecht für Opfer rassistischer Gewalt. Hier sei auch das neu geführte Bundesinnenministerium gefragt. Nötig sei eine »Kehrtwende« in der Art, wie Geflüchtete in Deutschland und in Europa gesehen werden, betonte er.

fek/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.