Rau-Nachfolge Union und FDP einigen sich auf Köhler

Die Spitzen von CDU, CSU und FDP haben sich endlich auf einen Bundespräsidenten-Kandidaten geeinigt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, soll Nachfolger von Johannes Rau werden. Am Vormittag sprachen sich beide Fraktionen für ihn aus.

Berlin - Die FDP-Bundestagsfraktion habe einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen, allen Delegierten der Liberalen in der Bundesversammlung die Wahl Köhlers zu empfehlen, sagte Fraktionschef Wolfgang Gerhardt am Donnerstag nach Beratungen der Gremien in Berlin: "Ich gehe davon aus, dass der nächste Bundespräsident Professor Köhler heißt." Gerhardt gab zu, selbst gerne zum Kandidaten gekürt worden zu sein. Auch in der Unions-Fraktion sei der Kandidat auf breiteste Zustimmung gestoßen, hieß es nach einer Sitzung in Berlin.

Fast sechs Stunden hatten die Spitzenpolitiker von Union und FDP zuvor beraten, dann war durchgesickert, dass die Wahl auf Köhler gefallen ist. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte lediglich, es sei eine Einigung erzielt worden.

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller bezeichnete Köhler als qualifizierten Mann für das Amt. Das CDU-Präsidium sei davon überzeugt, mit ihm "einen Kandidaten gefunden zu haben, der gerade in der Zeit der Globalisierung durch seine internationale Tätigkeit, sein internationales Renommee jemand ist, der die Aufgabe des Bundespräsidenten in hervorragender Weise wahrnehmen kann", sagte Müller im Deutschlandfunk. Auch CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer bezeichnete Köhler als "international erfahrenen" Mann.

FDP-Parteivize Walter Döring erklärte zuvor im ZDF, er gehe davon aus, dass bei einer Entscheidung für Köhler "dieser eine Wahl ist, die man ... wirklich gut vorzeigen könnte". Er sei ein Mann mit internationaler Erfahrung.

Zwischendurch waren in der Nacht Gerüchte gestreut worden, Köhler sei nicht mehr im Rennen. Wäre der IWF-Mann nicht durchsetzbar gewesen, hätte dies die Chancen für die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan erhöht, die ebenfalls an der Sitzung teilnahm. Für einige Stunden war sie am Mittwochmorgen sogar Favoritin.

Köhler, 61, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit Frühjahr 2000 leitet der promovierte Volkswirt mit CDU-Parteibuch als Generalsekretär den IWF mit Sitz in Washington. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte maßgeblichen Anteil an seiner Berufung. Zuvor war Köhler Präsident der Osteuropabank in London. Während sein Name in Deutschland relativ unbekannt ist, gilt der gelernte Volkswirt auf dem internationalen Finanzparkett als eine erfahrene und anerkannte Größe. Köhlers Vertrag beim IWF läuft noch bis Mai 2005.

Mehrere Treffen der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und FDP, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle am Dienstagabend und Mittwochvormittag hatten keine Einigung gebracht.

Der Bundespräsident wird am 23. Mai von der Bundesversammlung gewählt. In ihr haben Union und FDP die Mehrheit.