Rau-Nachfolge Westerwelle warnt den Kanzler

Das Kanzler-Lob für Klaus Töpfer ist Guido Westerwelle übel aufgestoßen. Der FDP-Chef forderte Gerhard Schröder auf, bei der Kandidatensuche für das Amt des Bundespräsidenten nicht zu taktieren.


Guido Westerwelle: Tadel für den Kanzler
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Guido Westerwelle: Tadel für den Kanzler

Berlin - Westerwelle forderte Schröder auf, "solche taktischen Mätzchen und Spielchen zu unterlassen". Das sei mit der Würde des Amtes nicht vereinbar. Der Kanzler solle sich seine Verantwortung bewusst sein, sagte Westerwelle der "Esslinger Zeitung".

Das einzige Kriterium, das für die Kandidatensuche zähle, sei, "dass wir eine Persönlichkeit finden, die in unruhigen Reformzeiten auch als Anker des Vertrauens für unsere Bürger wirken kann und die gleichzeitig auch mit Kraft und Meinungsführerschaft ihr Wort in der Debatte erheben kann", sagte Westerwelle.

Schröder hatte in Nairobi den CDU-Politiker Klaus Töpfer gelobt, der als möglicher Anwärter für die Nachfolge von Johannes Rau gehandelt wird. Schröder hatte davor gewarnt, durch eine zögerliche Diskussion mögliche Bewerber zu "verheizen" und aus parteitaktischen Gründen das Amt zu beschädigen.

Auch die Grünen forderten die Oppositionsparteien auf, einen Bewerber oder Bewerberin zu benennen. Parteichef Reinhard Bütikofer sagte im Inforadio, die Union habe für sich als größte Gruppe in der Bundesversammlung das Vorschlagsrecht in Anspruch genommen, jetzt solle sie sich auch äußern.

Auch das FDP-Präsidiumsmitglied Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte das Drängen aus der Koalition. Sie nannte es ihre Priorität, dass die FDP zunächst versucht, sich mit der Union auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen. Es gebe aber überhaupt keine Zeitnot, sich auf einen Kandidaten zu verständigen, sagte Leutheusser-Schnarrenberger im Deutschlandfunk. Im März sei noch ausreichend Gelegenheit, das zu tun.

Auch die frühere FDP-Politikerin und ehemalige Präsidentenkandidatin Hildegard Hamm-Brücher kritisierte die Debatte um die Nachfolge von Rau. In der "Sächsischen Zeitung" sprach sie von einer "widerwärtigen parteitaktischen Auspokerei", die das Amt und den genannten Kandidaten beschädige.



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