Rauswurf von Politrebellin Pauli "Da ist viel Neid dabei"

Scheidung nach nur einem Jahr: Die Freien Wähler und ihre prominenteste Abgeordnete gehen getrennte Wege. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Gabriele Pauli über den Rausschmiss aus der Landtagsfraktion, vermeintliche Neider - und ihre Parteipläne für die Bundestagswahl.


SPIEGEL ONLINE: Bedauern Sie, dass die Landtagsfraktion sie rausgeworfen hat?

Pauli: Nein, das war ja abzusehen, eine konsequente Entscheidung. Ich habe gemerkt, dass die Freien Wähler in der Frage einer Parteigründung gespalten sind.

SPIEGEL ONLINE: Die Landtagsfraktion ist da weniger gespalten. 17 Stimmen für den Rauswurf bei 20 Abgeordneten sind ein ziemlich eindeutiges Votum.

Gabriele Pauli nach ihrem Rauswurf aus der Landtagsfraktion der Freien Wähler: "Mir wollen immer viele Menschen Ratschläge geben"
DPA

Gabriele Pauli nach ihrem Rauswurf aus der Landtagsfraktion der Freien Wähler: "Mir wollen immer viele Menschen Ratschläge geben"

Pauli: Mag sein, aber über eine Parteigründung müsste letztendlich der Bundesverband entscheiden. Und der ist in dieser Frage nicht geschlossen. Einerseits möchte man gerne auf Bundesebene antreten, andererseits sieht man, dass der Verband dann auseinanderdriften würde. Aber für mich geht es jetzt nicht mehr darum, wie sich der Bundesverband irgendwann entscheidet. Für mich geht es darum, dass viele Bürger sich hier und jetzt nicht mehr im politischen System aufgehoben fühlen, dass sie frustriert sind, dass sie nicht mehr zur Wahl gehen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Mandat im bayerischen Landtag wollen Sie behalten?

Pauli: Ja, klar. Gott sei Dank ist es ja nicht so, dass Parteien oder politische Organisationen Abgeordnetenmandate entziehen könnten. Dann hätten wir eine Parteiendiktatur.

SPIEGEL ONLINE: Die Freien Wähler werfen Ihnen vor, es gehe Ihnen nur darum, im Rampenlicht zu stehen. Jürgen Horst Dörfler, Chef der Freien Wähler in Nürnberg, der sie einst gegen große Widerstände als Kandidatin durchgeboxt hat, sagt heute, sei seien eine "beratungsresistente Selbstdarstellerin".

Pauli: Stimmt, mir wollen immer viele Menschen Ratschläge geben, ich gehe aber stets meinen eigenen Weg. Insofern hat Herr Dörfler Recht.

SPIEGEL ONLINE: Und die "Selbstdarstellerin"?

Pauli: Ach, ich glaube, da ist viel Neid dabei. Vielleicht hängt es mit meinem Mut zusammen. Viele Menschen trauen sich selbst nicht zu, solche Schritte zugehen, wie ich sie gehe. Deswegen greifen sie mich an. Dabei würden viele wahrscheinlich selber gerne die Medien um sich scharen. Aber dazu gehört, dass man konsequent bei seiner Linie bleibt. Davor scheuen viele zurück.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Freien Wähler haben Ihnen die Abgeordnetentätigkeit überhaupt erst ermöglicht. Da wäre es doch zuvorkommend gewesen, Sie hätten Ihre Partei-Pläne mit der FW-Spitze vorab besprochen, statt sie auf der gemeinsamen Pressekonferenz nach der Europawahl zu brüskieren. Bundeschef Armin Grein und der bayerische FW-Vorsitzende Hubert Aiwanger sahen ziemlich alt aus neben Ihnen.

Pauli: Also erst einmal muss ich festhalten, dass ich persönlich mit meinem Namen eine enorme Unterstützung für die Freien Wähler geholt habe. Außerdem war es ja durchaus gewollt, mit meiner Person die Aufmerksamkeit auf die Freien Wähler zu ziehen. Ich habe in ganz Bayern Wahlkampf gemacht, ich habe Bierzelte mit 4000 Menschen gefüllt, das hätten die Freien Wähler so nicht geschafft.

Aus dem SPIEGEL-TV-ARCHIV
SPIEGEL TV
Der nächste Angriff: Gabi Pauli gibt wieder Gas
(11.05. 2009)
SPIEGEL ONLINE: Das heißt ja nicht, dass man mit dem Rest des Vereins nicht mehr reden muss.

Pauli: Es war doch nicht so, dass das Thema Parteigründung auf dieser Pressekonferenz zum ersten Mal zur Sprache kam. Wir haben darüber schon vorher geredet. Hubert Aiwanger hat schon vor der Europawahl gesagt, dass er solche Pläne vom Ergebnis abhängig macht. Ich dagegen war der Meinung, dass wir das nicht daran knüpfen sollten. Am Abend des Wahlsonntags habe ich ihm dann am Telefon gesagt: Jetzt müssen wir die Partei ins Leben rufen. Er fand den Zeitpunkt nicht passend, da habe ich beschlossen: Ich gehe jetzt voran. Die Europawahl war doch nur ein Auftakt, ein kurzer Anstoß. Warum sollten wir jetzt, wo wir schon so viele Menschen erreicht haben, sagen: Das war's?

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht, weil das Ergebnis der Europawahl nicht ganz so berauschend war: 1,7 Prozent haben Sie bundesweit geholt. Und Sie waren die Spitzenkandidatin.

Pauli: Wir hatten kein Geld, keine Geschäftsstelle, keine einzige hauptamtliche Kraft. Alles, was an Kraft da war, waren einzelne Freie Wähler, die vor Ort Veranstaltungen aus dem Boden gestampft haben. Unter diesen Voraussetzungen einen bundesweiten, nur vier Wochen dauernden Wahlkampf zu führen und 1,7 Prozent zu holen, das finde ich enorm.

SPIEGEL ONLINE: Bundeschef Grein erzählt trotzdem von E-Mails der Basis, die sagen: "Ohne die Pauli wär's besser gegangen."

Pauli: Mag sein. Genau so gibt es aber auch andere Mails, die mich unterstützen.

SPIEGEL ONLINE: Ist es Ihnen denn im bayerischen Landtag zu langweilig? Die Freien Wähler wollen doch auch in den Bundestag, aber eben noch nicht jetzt, sondern 2013. Bis dahin hätten Sie doch gemeinsam alle nötigen Strukturen aufbauen können.

Pauli: Ich glaube, dass wir in dieser politischen Situation nicht warten können. Die Menschen erleben die Wirtschaftskrise jetzt, mit all ihren Folgen. Sie sehen, dass sie bis zur Bundestagswahl mit ein paar populistischen Aktionen hingehalten werden, mit Konjunkturprogrammen etwa, die wie ein Strohfeuer angezündet werden. Das merken die Menschen, und sie sehen bei der Wahl keine Alternative. Wenn die Freien Wähler noch warten wollen, können sie das tun. Meine Partei wird nicht den Namen Freie Wähler tragen.

SPIEGEL ONLINE: Sondern PP, die Pauli-Partei?

Pauli: Nein. Das Wort "frei" wird auch darin vorkommen, den ganzen Namen werde ich aber erst mit dem Programm bekannt geben.

SPIEGEL ONLINE: Damit müssen Sie sich aber sputen. In 13 Tagen läuft die Anmeldefrist für Parteien ab, sagt der Bundeswahlleiter. Bis dahin brauchen Sie das Programm eine Satzung, einen Vorstand …

Pauli: Ich werde jetzt Leitgedanken formulieren und damit bald an die Öffentlichkeit gehen. Dann sehe ich, wer mitmachen will. Es haben sich schon Interessenten gemeldet. Entweder es klappt oder es klappt nicht - man muss es einfach versuchen. Menschen, die etwas bewegen wollen, sind auch spontan.

SPIEGEL ONLINE: Wofür wollen Sie denn eintreten?

Pauli: Das Programm werde ich als Paket vorstellen. Es geht mir nicht so sehr um konkrete Einzelforderungen, sondern vor allem um einen gedanklichen Rahmen, um ein grundsätzliches Verständnis von Politik. Ich will ein Fundament bieten, auf dem man politisch aufbauen kann.

SPIEGEL ONLINE: Und wer soll Sie wählen?

Pauli: Ich will die Menschen erreichen, die merken, dass wir einen neuen Weg gehen müssen. Ich will die Ideen dieser Menschen einbinden. Da ist viel Potential, viel Kreativität und Kompetenz. Die Parteien schließen diese Menschen aus, es entscheiden immer die gleichen. Hier offen zu sein, darum geht es.

Das Interview führte Philipp Wittrock.



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
johannm 16.06.2009
1. Na endlich
Zitat von sysopScheidung nach nur einem Jahr: Die Freien Wähler und ihre prominenteste Abgeordnete gehen getrennte Wege. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Gabriele Pauli über den Rausschmiss aus der Landtagsfraktion, vermeintliche Neider - und ihre Parteipläne für die Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,630771,00.html
gründet sie ihre eigene Partei. Nach dem Ableben der Schillpartei könnte die Parteienlandschaft mal wieder eine, diesmal bundesweit vertretene, Paradiesvogelpartei, wenn auch bestimmt mit ganz anderen Inhalten, gebrauchen. Ich freue mich schon auf die bunten Tupfen, die den Wahlkampf dann bereichern. Schaun mer mal, was die Doktorin in Polit-PR so zuwege bringt ;-)
W. Robert 16.06.2009
2. Heiter
Anscheinend zeigt die Newcomer-Partei Interesse an Frau Pauli. Das kann ja heiter werden. Ich sehe sie schon als Maureen O`Hara in "Gegen alle Flaggen II" https://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=1&t=5380
oblohm 16.06.2009
3. Viel Rauch um nichts
So leid es mir für den Interviewer tut, aber dieses Interview ist es leider nicht wert, veröffentlicht zu werden. Eine Frau Pauli, die es in vielen Wort schafft, nichts als leere Worthülsen zu produzieren, ist nicht weiter erwähnenswert. Die einzige klare Aussage ist, dass sie ihre Pfründe sprich das Landtagsmandat natürlich auch ohne inhaltliche Aussagen behalten wird. Was will sie da wohl glaubwürdig ändern ?
nursoma, 16.06.2009
4. A-Promi
Zuerst dachte ich, die Dame muss doch merken, das sich niemand ernsthaft für ihr ganzes Rumgekasper interessiert. Aber die breite Resonanz hier belehrt mich eines Besseren. Frau Pali ... äh Pauli IST toll ....
Stramonium, 16.06.2009
5. Sie hat recht
Zitat von oblohmSo leid es mir für den Interviewer tut, aber dieses Interview ist es leider nicht wert, veröffentlicht zu werden. Eine Frau Pauli, die es in vielen Wort schafft, nichts als leere Worthülsen zu produzieren, ist nicht weiter erwähnenswert. Die einzige klare Aussage ist, dass sie ihre Pfründe sprich das Landtagsmandat natürlich auch ohne inhaltliche Aussagen behalten wird. Was will sie da wohl glaubwürdig ändern ?
Warum sollte Sie denn Ihr Landtagsmandat aufgeben, zumal sie sich im Interview ja noch nicht einmal kritisch zu den politischen Inhalten der Freien Wähler äußerte, zu denen sie wohl trotzdem steht. Sie brescht halt ein wenig schnell vor, aber, warum denn nicht? Die Medienpräsenz- bzw nachfrage von und nach Frau Pauli störte ja schon von Anfang an viele in der Führungsspitze der Freien Wähler. Ich denke, da spielt verletzte Eitelkeit der Kritiker eine wesentliche Rolle.
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