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Salafist Florian L. Warnschuss auf der Airport-Baustelle

Florian Andreas L. war den Behörden bekannt, er agierte im Umfeld der Berliner Salafisten. Und dennoch arbeitete er als Wachmann auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens. Nun wurde er dort im Zuge einer Razzia aufgestöbert. Die Durchsuchung war ein Signal an L.: Wir haben dich im Blick.
Arbeiter auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens: Gespräch mit dem Sicherheitschef

Arbeiter auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens: Gespräch mit dem Sicherheitschef

Foto: dapd
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Kontrolle der Zollbeamten am 2. August auf der Baustelle des neuen Willy-Brandt-Flughafens dauerte nur 90 Minuten, die unangekündigte Visite diente nur vordergründig der Suche nach illegal Beschäftigten. Wichtiger war den Ermittlern die klare Botschaft für einen der Überprüften auf dem Gelände rund um die Bauwagen: "Wir wissen, was Du gerade machst, und wir kennen Deine Pläne".

Der Mann, dem die Botschaft galt, dürfte das Signal verstanden haben: Er heißt Florian Andreas L., und er kennt sich aus im Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden. Seit längerer Zeit schon ist der 21-Jährige dort als gewaltbereiter Salafist bekannt. Seit 1. Juni führen ihn die Ermittler als "relevante Person" dieser Gruppe, ab dem 20. Juli dann gar als sogenannten Gefährder .

Dass ein solcher Gefährder ausgerechnet als Sicherheitsmann am Zugang zur Flughafenbaustelle arbeitet, hatte die Behörden alarmiert. Dementsprechend groß war das Medienecho, als der "Stern" nun über die Razzia berichtete. "Islamist bewachte Flughafen-Baustelle", titelten die Agenturen. Die Hauptstadtpresse amüsiert sich schon über den nächsten Skandal am Berliner Großflughafen.

Bitte um verdeckte Amtshilfe

Tatsächlich waren die Behörden wegen des jungen Berliners aus dem Bezirk Reinickendorf in Aufregung. L. bewegt sich seit längerem in einer Gruppe von Salafisten, die als radikal und gewaltbereit gilt. Ebenso arbeitete er in einem sogenannten Informationszentrum, das regelmäßig islamistisch geprägte Videos und Texte verbreitet. Das Zentrum "Al Risalah" wird von dem Islamisten Reda S. betrieben, der seit Jahren unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden steht.

Die LKA-Leute hatten die Fahnder vom Zoll wegen ihrer Erkenntnisse offensichtlich um verdeckte Amtshilfe gebeten, nachdem im Zuge der Ermittlungen gegen die Salafisten der Verdacht entstanden war, dass L. bei einer Wachdienst-Firma angeheuert hatte, die die Pforten der Großbaustelle des Willy-Brandt-Flughafens bewachen sollte.

In der Szene ist Florian Andreas L. durchaus bekannt. Mehrmals postete er unter dem Pseudonym Abu Azzam al Almani Videos und Texte, die sich mit Krawallen bei Salafistendemonstrationen in Solingen und Bonn auseinandersetzten. In den beiden Städten hatten Salafisten im Mai die Polizei attackiert.

In einem offenen Brief an die Berliner Verfassungsschutzpräsidentin Claudia Schmid beschuldigte der Islamist die deutschen Behörden, eine Hetzjagd auf Muslime durchzuführen. In einem anderen Video aus dem Internet besingt L. den Propheten und kündigt einen Sieg des Islam über die Ungläubigen an.

Zwar stand L. in der Vergangenheit in Kontakt mit zwei Männern, die der Polizei zuvor schon in Verbindung mit der Vorbereitungen von Sprengstoffanschlägen aufgefallen waren. Dass L. auf der Flughafenbaustelle tatsächlich einen Anschlag plante oder Informationen über die Sicherheitsmaßnahmen ausspähen wollte, nehmen die Ermittler jedoch nicht an.

Warnschuss der Behörden

Entscheidender Grund für die Aktion des Zolls hingegen war eine Art Warnschuss. Die Behörden befürchteten, dass sich L. wie mehrere andere Salafisten in der nahen Zukunft nach Ägypten absetzen wollte. In den letzten Monaten hatten sich mehrere polizeibekannte Salafisten in Richtung Ägypten bewegt, um der Beobachtung der Sicherheitsbehörden in Deutschland zu entkommen. L. ist bereits in der sogenannten Reise-Datei geführt und mit einer quasi-Ausreisesperre belegt.

Bei der Flughafen GmbH ist man zwar bemüht, den Fall herunterzuspielen, indem die Verantwortlichen darauf hinweisen, dass die Kontrolle außerhalb des Baustellengeländes "und damit außerhalb des zukünftigen BER-Luftsicherheitsbereiches" stattgefunden habe. Auch der Luftsicherheitsbereich des bestehenden Flughafens Schönefeld sei außerhalb des kontrollierten Geländes gewesen.

Gleichwohl teilte das Brandenburger Landeskriminalamt mit, man habe mit dem verantwortlichen Sicherheitsbeauftragten des Flughafens ein klärendes Gespräch geführt. Denn dieser hätte L. angesichts der vorliegenden Erkenntnisse gar nicht einstellen dürfen - eine mehr als nur peinliche Panne mit der sich nun der Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag noch einmal befassen muss.

Die Sitzung dürfte ohnehin nicht vergnügungssteuerpflichtig werden: Zusätzlich zu dem Islamisten-Problem erwartet die Aufseher der erste Bericht des neuen Technikvorstands Horst Amann. Der soll schon bei der Sichtung der ersten Unterlagen so viele Probleme entdeckt haben, dass der Eröffnungstermin am 17. März bereits wieder ernsthaft in Frage steht.

Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter, der auch dem Verkehrsausschuss vorsitzt, will laut "Tagesspiegel" sogar schon erfahren haben, dass der Termin bereits endgültig vom Tisch ist. Im Verkehrsministerium - der Bund ist mit 26 Prozent beteiligt - verweist man auf die Sitzung am Donnerstag. Doch hinter vorgehaltener Hand räumt ein mit der Sache befasster Mitarbeiter ein, dass keiner mehr an den 17. März glaubt.