Islamismus Polizei startet Großrazzia gegen Salafisten

Ermittler haben in sieben Bundesländern mit einer Großrazzia gegen Salafisten begonnen. Ersten Berichten zufolge wurden 70 Objekte der radikalen Islamisten durchsucht - es sollen knapp tausend Beamte im Einsatz sein. Innenminister Friedrich verhängte ein Verbot gegen das Netzwerk Millatu Ibrahim.
Unter Polizeikontrolle: Salafisten bei einer Kundgebung am 9. Juni in Köln

Unter Polizeikontrolle: Salafisten bei einer Kundgebung am 9. Juni in Köln

Foto: dapd

Berlin - Die Ermittler schlugen in sieben Bundesländern zu: Polizei und Justiz haben am Donnerstagmorgen Wohnungen und Vereinsheime von Salafisten durchsucht. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen erfolgten die Razzien in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Knapp tausend Beamte waren demnach im Einsatz. Besonders im Fokus standen die Salafisten-Institutionen "Dawaffm" und "Millatu Ibrahim Moschee". Auch Räume des Netzwerks "Die wahre Religion" um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie sollen durchsucht worden sein. Der Kölner Salafist hatte mit kostenlosen Koran-Verteilungsaktionen in mehreren deutschen Städten für Aufsehen gesorgt. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge wurden 70 Objekte durchsucht. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verhängte ein Verbot gegen das Netzwerk "Millatu Ibrahim" aus Solingen. "Dieser Verein richtet sich gegen unsere verfassungsmäßige Ordnung und gegen den Gedanken der Völkerverständigung", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Das Verbot sei deshalb gerechtfertigt und notwendig.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) wertete die Razzien als "wichtigen Beleg für ein entschlossenes Vorgehen der Sicherheitsbehörden im gemeinsamen Kampf gegen gefährliche Extremisten". "Der heutige Einsatz zeigt: Wir erhöhen konsequent den Druck auf die Salafisten und gehen entschieden gegen ihre demokratiefeindliche Agitation vor", erklärte Jäger in Düsseldorf laut einer Mitteilung. Man habe es "mit einer neuen Dimension der Gewalt" durch Salafisten zu tun. "Es ist wichtig, dass wir allen Verfassungsfeinden signalisieren: Bis hierher und nicht weiter."

In Deutschland gilt der Salafismus als die am schnellsten wachsende und wegen ihrer Radikalität besonders gefährliche Strömung des Islamismus. Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Anhänger auf etwa 4000. Für Salafisten ist das Ideal ein Gottesstaat, in dem es keine "vom Menschen erfundenen" Gesetze gibt, sondern in dem das islamische Rechtssystem, die Scharia, gilt. Strenge Salafisten lehnen die westliche Lebensweise ab, propagieren die schlichte Geschlechtertrennung und betrachten Homosexualität als schwere Sünde.

Salafisten stehen seit dem vergangenen Jahr verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden. Im März 2011 erschoss ein islamistischer Einzeltäter am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten - es war der erste erfolgreiche islamistisch motivierte Anschlag auf deutschem Boden. Der Attentäter hatte sich über salafistische Propaganda im Internet selbst radikalisiert.

Zuletzt hatten sich Salafisten und Mitglieder der rechtsextremen Partei Pro NRW gegenseitig angestachelt. Pro NRW hatte sich den Hass der Islamisten zugezogen, weil Aktivisten der Splitterpartei vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen provokativ islamkritische Karikaturen gezeigt hatten. Die Sicherheitsbehörden waren besonders alarmiert, seitdem ein Islamist in einer Videobotschaft zur Ermordung von Pro-NRW-Anhängern und Journalisten aufgerufen hatte.

Das arabische Wort "Salaf" steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der "Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf" ging die Terrororganisation "Al-Qaida im islamischen Maghreb" hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Am vergangenen Wochenende hatten, abgeschirmt durch die Polizei, rund 300 radikal-islamische Salafisten in Köln demonstriert.

hen/dpa/dapd
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