Razzia im Saarland Polizei findet Waffen bei Hitler-Fan

Ein junger Rechtsradikaler stellt Anleitungen zum Bombenbau und Adressen politischer Gegner ins Internet - jetzt hat die saarländische Polizei den Mann identifiziert. In seiner Wohnung fanden sie eine Handgranate, mehrere Butterflymesser und ein Gewehr.

Hamburg - Die saarländische Polizei hat die Wohnung eines rechtsextremen Web-Propagandisten durchsucht. Er ruft im Internet unter dem Namen "Volksfunk" zum Terror auf. Die Beamten beschlagnahmten am Dienstag neben einem Computer eine nicht scharfe Handgranate, eine brennbare Substanz und mehrere Butterflymesser. Die Echtheit eines Gewehrs wird derzeit überprüft.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich bei dem Mann um den 23-jährigen Christian B. aus Homburg. Seit zwei Jahren veröffentlicht der junge Mann als bekennender Adolf-Hitler-Anhänger auf verschiedenen Internet-Plattformen selbstgedrehte antisemitische Videos. Er machte auch auf anderen Internetseiten unter Pseudonym Werbung für die NPD, die rechtsextremistische Partei untersagte ihm dies nach eigenen Angaben Anfang des Jahres.

Einen Aufnahmeantrag stellte der junge Rechtsradikale bei der NPD laut Parteisprecher weder im Saarland noch in der Berliner Zentrale, obwohl er dies angekündigt haben soll.

Programm zum Bombenbauen

In den vergangenen Wochen äußerte sich der junge Mann zunehmend radikaler. Vor wenigen Tagen rief er in einem Video zu Terroranschlägen auf: "Die Geschichte hat uns eins gelehrt, dass man mit dem gesprochenen Wort keine Veränderung herbeiführen wird. Diese kann man nur durch den bewaffneten Kampf herbeirufen."

Minutenlang schwadroniert der Rechtsradikale in einem anderen Film über den Bau von Splitterbomben aus Sprengstoff oder Schwarzpulver. "Man kann mit Hilfe von Sprengstoff einen gewaltigen Schaden anrichten - das ist die wichtigste Waffe", so der 23-Jährige. Detailliert erklärt der Mann, welche Säuren zu kaufen sind und was zu beachten ist. "Es wäre am besten, wenn Sie um einen Sprengkörper zahlreiche kleine Projektile rummachen, um die Trefferquote zu erhöhen." Zur Berechnung der tödlichen Auswirkung von selbstgebauten Sprengsätzen bietet er zudem ein selbstgeschriebenes Computerprogramm zum Runterladen an.

Sein Publikum begrüßt der Rechtsextremist, der sein Gesicht offen vor der Kamera zeigt, in vielen Videos mit "Sieg Heil, Kameraden!" - vor einer eingeblendeten Hakenkreuzflagge.

In Blogs und Foren kursieren seit längerer Zeit Fahndungsaufrufe zur Enttarnung des Neonazis, der im Netz erstmals im Jahr 2011 auffiel. Zuletzt veröffentlichte "Volksfunk" in einem rechtsextremen Videoportal namens TruTubeTV, dessen Server nach Behördenangaben in den USA steht, sogenannte "Outings" - bebilderte Steckbriefe vermeintlicher "Linker" und "Nazijäger", teilweise samt Adresse und Telefonnummer.

Hinweise seit längerem

Ein Betroffener sagte SPIEGEL ONLINE, er habe verschiedene Sicherheitsbehörden bereits vor zwei Jahren auf die verfassungsfeindlichen Aktivitäten des Mannes hingewiesen. Passiert sei aber bis vor kurzem nichts: "Ich bin mir sicher, dass ich das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Landesamt im Saarland kontaktiert hatte", so der 63-Jährige. Was mit den Hinweisen passiert sei, könne er "beim besten Willen nicht sagen".

"Die Aktivitäten sind uns seit wenigen Tagen bekannt", sagte ein Sprecher der saarländischen Polizei. Auch bundesweit sollen immer wieder Anzeigen gegen unbekannt eingegangen sein. Der Verdächtige ist nach Polizeiangaben nicht vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt nun gegen den Mann, weil er Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet hat. Er sei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, so der Sprecher.

An der Durchsuchung waren neben der Staatsschutzabteilung auch Waffenexperten des saarländischen Landespolizeipräsidiums beteiligt.

Mitarbeit: Jörg Diehl, Sven Röbel
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