Razzia in Nordrhein-Westfalen Polizei nimmt sieben mutmaßliche islamistische Terroristen fest

Sie sollen Mitglieder eines Ablegers des »Islamischen Staats« gewesen und nach Kriegsausbruch in der Ukraine nach Deutschland gekommen sein. Nun hat die Polizei sieben mutmaßliche Terroristen gefasst.
Polizei im Einsatz (Symbolbild): Der ISPK bereitet den deutschen Sicherheitsbehörden seit Längerem Sorgen

Polizei im Einsatz (Symbolbild): Der ISPK bereitet den deutschen Sicherheitsbehörden seit Längerem Sorgen

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Monika Skolimowska/ dpa

Die Sicherheitsbehörden haben an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen Mitglieder eines mutmaßlichen islamistischen Terrornetzwerks festgesetzt. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, seien nach entsprechenden Haftbefehlen insgesamt sieben Männer festgenommen worden. Sechs von ihnen sind demnach tadschikische Staatsbürger, einer stammt aus Kirgisistan.

Die Männer werden verdächtigt, eine terroristische Vereinigung gegründet und den »Islamischen Staat Provinz Khorasan« (ISPK), einen regionalen Ableger der Terrormiliz »Islamischer Staat« in Zentralasien, unterstützt zu haben. Die Verdächtigen seien »seit Längerem miteinander bekannt und teilen eine radikalislamische Einstellung«, hieß es von der Bundesanwaltschaft.

Verfassungsschutzchef warnte vor IS-Regionalableger

Der ISPK bereitet den deutschen Sicherheitsbehörden bereits seit Längerem Sorgen. »Das Erstarken dieser Gruppe in Afghanistan verstärkt die Gefährdungslage in Deutschland«, warnte Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang im Frühjahr. Bereits im vergangenen Herbst waren in Iserlohn und Bremerhaven zwei junge Islamisten verhaftet worden, die in Verbindung mit Mitgliedern der Terrorgruppe gestanden haben sollen. Einer von ihnen soll von einem ISPK-Kader in Afghanistan beim Bau eines Sprengsatzes angeleitet worden sein. Später soll er geplant haben, einen Polizisten mit einem Messer anzugreifen.

Die nun verhafteten Männer sollen annähernd zeitgleich im Frühjahr 2022 über die Ukraine nach Deutschland eingereist sein, nachdem kurz zuvor der russische Angriffskrieg begonnen hatte. Die Festnahmen erfolgten nun laut Bundesanwaltschaft in Düsseldorf, Gladbeck, Gelsenkirchen, im Rhein-Sieg-Kreis, im Kreis Warendorf und im Ennepe-Ruhr-Kreis. Gleichzeitig gab es zwei Festnahmen in den Niederlanden, in Eindhoven und in Breda.

Verdächtige versuchten offenbar, an Waffen zu gelangen

Bereits im vergangenen Sommer sollen die Männer sich mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, in Deutschland Anschläge im Sinne des IS zu verüben. Die Gruppe soll dazu bereits mögliche Anschlagsorte ausgekundschaftet und Versuche unternommen haben, an Waffen zu gelangen. Konkrete Pläne hatten die Männer den Ermittlern zufolge aber offenbar noch nicht.

Nach SPIEGEL-Informationen führte seit Februar beim Bundeskriminalamt die Ermittlungsgruppe »Buran« ein verdecktes Verfahren gegen die Islamistengruppe. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz war in den Fall eingebunden.

Die Beschuldigten werden noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird.

fek/wow/jdl/srö
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