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Seehofers Jubel über Wahlsieg "Die CSU lebt"

Noch ist das Endergebnis nicht da, doch bei der CSU läuft bereits die Wahlparty. Als "großartigen Wahlerfolg" bejubelte Parteichef Horst Seehofer die absolute Mehrheit. Die SPD spricht trotzdem von einer Trendwende. Bei der FDP heißt es: Wunden lecken.

München - Horst Seehofer hatte es eilig, in den Landtag zu kommen. Keine 30 Minuten nach den ersten Prognosen stand der alte und neue bayerische Ministerpräsident in München vor seinen jubelnden Anhängern. "Das ist ein großartiger Wahlerfolg. Jeder zweite Bayer und jede zweite Bayerin hat uns gewählt. Damit ist das Jahr 2008 Geschichte - wir sind wieder da", rief Seehofer von der Bühne.

49 Prozent hat seine CSU laut den ersten Hochrechnungen in Bayern geholt, für Seehofer ein historisches Ergebnis, auch wenn es lange nicht so hoch liegt wie bei seinen Vorgängern Edmund Stoiber oder gar Franz Josef Strauß. "Die CSU lebt als Volkspartei."

Während bei der CSU die Wahlparty startete, war die Stimmung beim bisherigen Koalitionspartner FDP auf dem Tiefpunkt. Mit drei Prozent haben die Liberalen den Wiedereinzug deutlich verpasst. Entsprechend ernüchtert trat FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil zu einer ersten Reaktion vor die Kameras: "Wir hätten uns bestimmt ein anderes Eregbnis gewünscht, es ist eine äußerst schmerzliche Niederlage."

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Wahl in Bayern: Triumph für Seehofer

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Parteichef Philipp Rösler beklagte in Berlin eine "schwere Niederlage", wollte aber keinen Trend für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag erkennen. Nach der Bundestagswahl will die Partei über Konsequenzen ihres schlechten Abschneidens beraten. Die bayerische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte: "Das ist für uns ein sehr bitteres Ergebnis, das wir uns wirklich sehr genau ansehen müssen."

Ude freut sich über Ergebnis

Trotz der absoluten Mehrheit für die CSU kann die SPD nach Ansicht ihres Spitzenkandidaten Christian Ude zufrieden sein. "Gerade diejenigen, die mit großer Lust einen Niedergang der SPD vorgesagt haben, müssen zugeben, dass wir eine Trendwende in Bayern geschafft haben", sagte Ude am Sonntagabend in München. Nach den ersten Hochrechnungen konnten sich die Sozialdemokraten von 18,6 auf knapp 21 Prozent verbessern.

Zugleich gratulierte Ude dem Wahlsieger CSU und ihrem Ministerpräsidenten Seehofer. Der habe "die Stimmenanteile seiner Partei so verteilen können, dass es für eine absolute Mehrheit seiner Partei gereicht hat", sagte Ude.

Zweckoptimismus verbreitete SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie sagte der ARD: "Wir sind die einzige Oppositionspartei, die zugelegt hat."

"Jetzt volle Kanne"

Auf 8,5 Prozent kommen laut den Hochrechnungen die Grünen und sind damit sicher im Landtag. Trotzdem waren die Reaktionen bei der Partei auf Landes- wie Bundesebene verhalten. Die Grünen-Parteivorsitzende Claudia Roth sagte der ARD nach den eher schlechten Zahlen: "Wir sind enttäuscht, aber jetzt volle Kanne in Richtung Hessen und Bundestagswahl."

Auch die Freien Wähler sind mit 8,7 Prozent drin. Klare Niederlagen kassierten dagegen die Piraten (2 Prozent) und die Linke (2 Prozent).

Die Bayern-Wahl gilt als wichtiger Stimmungstest für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag. Entsprechend wertet die CDU die absolute Mehrheit für die CSU als klares Signal: "Das bringt für uns den notwendigen Schwung, die letzte Woche noch mal alles zu geben", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, im ZDF.

Wahlberechtigt waren etwa 9,5 Millionen Bayern. Bereits am Mittag hatte sich eine höhere Beteiligung als bei der Wahl im Jahr 2008 abgezeichnet. Diese dürfte laut den Zahlen vom Abend über 64 Prozent liegen.

jok/heb