Reaktionen auf #Aufschrei-Brief "Jetzt hacken sie auch noch auf #Gauck herum"

Der offene Brief der #Aufschrei-Frauen an den Bundespräsidenten hat die Sexismusdebatte neu entfacht. Hunderte unterzeichneten das Schreiben, das Gauck mangelndes Feingefühl vorwirft. Doch viele Twitter-User finden die Kritik überzogen.
Bundespräsident Gauck: Heftige Debatte über seine "Tugendfuror"-Äußerung

Bundespräsident Gauck: Heftige Debatte über seine "Tugendfuror"-Äußerung

Foto: Michael Sohn/ AP

Hamburg - Die #Aufschrei-Debatte über Alltagssexismus ist durch einen offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck  wieder aufgeflammt. Binnen weniger Stunden unterzeichneten Hunderte das Schreiben, in dem Frauen dem Bundespräsident vorwerfen, ihm fehle "Feingefühl und Respekt gegenüber all den Frauen, die sexistische Erfahrungen gemacht haben".

Auch Politiker von SPD, Grünen und Piratenpartei unterzeichneten den Appell, wie etwa Elke Ferner, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Ferner äußerte sich auf Twitter: "Schade - vom Bundespräsidenten hätte ich mehr Taktgefühl erwartet #Aufschrei." Der Berliner Piraten-Abgeordnete Simon Kowalewski schreibt: "Der Gauck macht nicht die Wut der Frauen lächerlich, das kann er nämlich nicht, sondern sich selbst... #notmypresident."

Sieben junge Frauen hatten am Mittwochvormittag den Brief im Internet veröffentlicht , den sie am Montag persönlich im Schloss Bellevue abgegeben hatten. Verfasst ist der Appell unter anderem von den Initiatorinnen der #Aufschrei-Debatte über Alltagssexismus. Darin zeigten sie sich "erschüttert" über Gaucks Äußerungen zur Sexismusdiskussion.

Dieser hatte im aktuellen SPIEGEL über die Sexismusvorwürfe gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle gesagt: "Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde." Mit Sicherheit gebe es in der Frauenfrage noch einiges zu tun. "Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen", sagte Gauck.

"Er hat nur gesagt, was alle denken"

Aus der Debatte ist auch ein parteipolitischer Streit geworden. Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth nahm Gauck in Schutz: Man müsse aufpassen, dass "wir unter den rot-grünen Zeigefingerwedlern nicht in puritanische Spießigkeit zurückfallen", sagte er.

Viele Twitter-Nutzer springen aber auch Gauck zur Seite - und empören sich über den Brief und die Berichterstattung darüber. Stefan Antonelli schreibt: "Jetzt hacken sie auch noch auf #Gauck herum. Langsam wird es lächerlich. Ach ne, ist es ja schon lange... #Aufschrei."

Auf die Autorinnen prasselt zum Teil ätzende Kritik ein. Der Journalistenschüler Dorian Gorr schreibt: "Albern, wie aus purer Mediengeilheit versucht wird, Gauck wegen eines Wortes einen Strick zu drehen. #aufschrei".

Hinter dem Brief stecken sieben Frauen, darunter die Initiatorinnen der #Aufschrei-Debatte, Nicole von Horst, 25, und Anne Wizorek, 31. Wizorek wurde das Gesicht der Debatte, die ein Bericht über FDP-Mann Brüderle im Januar ins Rollen brachte. Die konkrete Idee hatte 23-jährige Studentin Jasna Lisha Strick, die sich vor allem über Gaucks Begriff "Tugendfuror" echauffiert. "Wir sind keine Furien, wir haben Argumente", sagte sie SPIEGEL ONLINE über die Gründe für das Schreiben.

Unterstützung für den Bundespräsidenten äußerten auch viele Nutzer. Axel Beck schreibt etwa: "Glückwunsch, Herr Gauck. Mit der Bezeichnung 'Tugendfuror' für #Aufschrei haben Sie direkt ins Schwarze getroffen." Und Konrad Körner von der Jungen Union twitterte: "Offener Brief gegen Gauck, really? Er hat nur gesagt, was alle denken: Es gibt Probleme, aber man darf nicht alles überdramatisieren. #Aufschrei."

Von Gaucks Sprecherin hieß es: Dem Staatsoberhaupt sei selbstverständlich bewusst, dass Sexismus ein Problem in der Gesellschaft darstelle. Gaucks Aussagen im SPIEGEL-Interview bezögen sich lediglich auf einen bestimmten Teil der medialen Debatte.

fab
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