Reaktionen auf Raus Tod "Wir werden ihn vermissen"

Führende Politiker und Personen des öffentlichen Lebens haben ihrer Trauer nach dem Tod von Bundespräsident Johannes Rau Ausdruck gegeben. Sie würdigten den Politiker als großen Staatsmann.


Hamburg - Innenminister Wolfgang Schäuble erreichte die Nachricht vom Tod Raus während einer Rede in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin. Der CDU-Politiker unterbrach daraufhin seine Rede vor knapp 100 Sicherheitsexperten aus Militär und Gesellschaft und legte gemeinsam mit ihnen eine Gedenkminute für Rau ein.

Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat zum Tod von Rau dessen politische Lebensleistung gelobt. "Mit Johannes Rau hat die Demokratie in Deutschland eine beeindruckende, prägende Persönlichkeit verloren", erklärte Landesgruppenchef Peter Ramsauer in Berlin.

Die Grünen haben sich betroffen vom Tod des ehemaligen Bundespräsidenten gezeigt. "Johannes Rau war ein großer Staatsmann, dem Deutschland sehr viel zu verdanken hat", sagten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn in Berlin. "Sein Lebensmotto war stets 'Versöhnen statt spalten', das hat er uns allen beispielhaft vorgelebt", erklärten Künast und Kuhn. "Wir werden ihn vermissen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat mit großer Bestürzung auf die Nachricht vom Tod des ehemaligen Bundespräsidenten und Berliner Ehrenbürgers reagiert. "Johannes Rau war eine überragende politische Persönlichkeit unseres Landes, er hat für Deutschland gelebt", erklärte Wowereit. In seinem langen politischen Leben habe er auf "unnachahmliche Weise unsere Demokratie geprägt".

Der Gedanke der Versöhnung habe Rau in jedem politischen Amt geleitet. "So ist er ein großer Freund Israels geworden und hat über die langen Jahre seines politischen Wirkens für unser Land Ansehen und Ehre zurückgewinnen können." Wowereit sagte: "Berlin trauert um seinen Ehrenbürger, Johannes Rau wird unvergessen bleiben."

Auch in Raus Heimatland Nordrhein-Westfalen hat sein Tod Trauer und Betroffenheit ausgelöst. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte: "Johannes Rau war ein großer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dem das Land und seine Menschen viel zu verdanken haben." Rüttgers ordnete für Samstag und Sonntag Trauerbeflaggung vor den Landesgebäuden an. Wegen des Holocaust-Gedenktages waren die Flaggen bereits heute auf Halbmast gesetzt worden.

Der stellvertretende Ministerpräsident des Landes, Andreas Pinkwart (FDP), würdigte Rau als "Mann des Ausgleichs". Rau habe "wie kein anderer Politiker der letzten Jahrzehnte die Politik des Landes Nordrhein-Westfalen bestimmt und sich in den Herzen der Menschen verankert", sagte Pinkwart in Düsseldorf. "Er vermittelte sich nicht über die Medien, sondern im Gespräch mit Menschen. Bis zuletzt hat er sich in den Dienst der Gemeinschaft gestellt."

Als einer der ersten ausländischen Staatsmänner kondolierte Israels Präsident Mosche Kazaw dem deutschen Volk. Präsident Rau sei ein großer Freund des jüdischen Volkes und des Staates Israel gewesen, erklärte Kazaws Sprecherin Hagit Cohen. Rau habe den Weg Konrad Adenauers beim Ausbau der Beziehungen zwischen dem jüdischen Volk und Deutschland fortgesetzt und viel zu den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland beigetragen. Rau habe Antisemiten und Holocaust-Leugner entschlossen bekämpft. Der Tod Raus erfülle Kazaw mit Schmerz, sagte seine Sprecherin. Der Staatspräsident kondoliere dessen Familie und dem deutschen Volk.

Ähnlich äußerte sich die Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland habe einen großen Freund und verlässlichen Partner verloren, sagte sie. Knobloch versprach, alles für die Verwirklichung von Raus "wunderbarem Wunsch" zu tun, das neue Jüdische Zentrum in München zum Ort des Dialogs zu machen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat Johannes Raus Einsatz für die Juden in Deutschland gewürdigt. "Mit Johannes Rau verliert die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und der Staat Israel einen engen, verlässlichen Freund", sagte Spiegel in Düsseldorf. Er selbst kenne Rau bereits aus dessen Zeit als Wuppertaler Oberbürgermeister vor 36 Jahren. "Ich bin sehr stolz darauf, dass er mich als seinen Freund bezeichnet hat", sagte Spiegel.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Rau als protestantisches "Urgestein" gewürdigt. Sie sagte: "Wir verlieren einen großen Protestanten." Rau habe das Urbild des protestantischen Laien verkörpert, "bibelfest und politisch engagiert". Käßmann sagte weiter: "Er hat mich immer sehr beeindruckt." Als "Bruder Johannes" sei er ein Urgestein des Kirchentags gewesen.



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