Reaktionen "Eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger"

Die Reaktionen auf die Erklärung Guttenbergs zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation fallen unterschiedlich aus. Während die CSU findet, dass der Verteidigungsminister alles Notwendige gesagt hat, fordert die Opposition weitere Konsequenzen - bis hin zum Rücktritt.
Reaktionen: "Eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger"

Reaktionen: "Eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger"

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Berlin - Die Erklärung wirkte etwas überstürzt. Am Vormittag trat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor handverlesene Journalisten und erklärte, seinen Doktortitel kurzfristig ruhen zu lassen. Nach den Schummelvorwürfen bei seiner Arbeit spricht er zwar von Fehlern und will sich vorerst nicht Doktor nennen. Eine bewusste Täuschung wies er aber zurück.

Die CSU stellt sich anschließend demonstrativ hinter den Verteidigungsminister. Parteichef Horst Seehofer sicherte ihm "volle Solidarität und Unterstützung" zu. Guttenberg habe mit seiner Erklärung eine "sehr respektable Haltung" gezeigt. "Es muss jetzt Schluss sein mit den öffentlichen Anwürfen gegen den Bundesverteidigungsminister", erklärte Seehofer. "Wer jetzt noch weiter Vorverurteilung betreibt, dem geht es nicht um eine Sache, sondern schlicht um eine Kampagne." Ähnlich äußerte sich Generalsekretär Alexander Dobrindt. Jeder solle jetzt die Bereitschaft Guttenbergs anerkennen, den Sachverhalt gemeinsam mit der Universität Bayreuth zu erörtern, sagte er.

Den Grünen reicht dagegen das Statement des Ministers vom Freitag nicht. Sie fordern eine Erklärung Guttenbergs zu den Plagiatsvorwürfen im Bundestag. Für den Fall, dass der Minister diese in der kommenden Woche nicht zufriedenstellend liefert, schloss Fraktionschef Jürgen Trittin eine Rücktrittsforderung seiner Partei nicht aus. "Der heutige Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine Brüskierung der Öffentlichkeit und das in einer Form, die wirklich jedes Gefühl für Stil und für Anstand vermissen lässt", sagte Trittin am Freitag in Berlin. Statt sein Fehlverhalten beim Zustandekommen der Promotionsschrift zu erklären, flüchte sich Guttenberg in eine "halbgare Entschuldigung".

Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, zu wissen, was ein Ehrenwort des Oberkommandierenden der Bundeswehr wert sei. Der Vorgang werde in der Fragestunde und eventuell in einer aktuellen Stunde im Parlament erörtert.

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte SPIEGEL ONLINE: "Politisch macht Guttenberg einen schweren Fehler, sich vor handverlesenen Medienvertretern mit Verweis auf seine besonderen persönlichen Umstände herauszureden." Die Vorwürfe seien "schwerwiegend", so Özdemir. "Deshalb ist die Entscheidung richtig, den Titel bis auf weiteres abzugeben." Guttenberg könne keine Sonderbehandlung bei der Beurteilung seiner Doktorarbeit in Anspruch nehmen. "Die strengen Standards bei wissenschaftlichen Arbeiten gelten für alle und ohne Einschränkungen auch für Herrn zu Guttenberg", sagte der Grünen-Chef.

Die SPD fordert weitergehende Konsequenzen. Guttenberg sollte sich ein Beispiel an der Rücktrittsankündigung seines Showmaster-Kollegen Thomas Gottschalk nehmen", sagte Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy Handelsblatt Online. "Der Versuch des Wandelns über Wasser hat das letzte Mal vor 2000 Jahren funktioniert. Dass der Verteidigungsminister eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger ist, überrascht daher eigentlich nicht wirklich."

Die Linke meint, der Minister stelle sehr hohe moralische Anforderungen an andere Personen - und müsse nun akzeptieren, dass sie auch für ihn gälten. "Guttenberg hätte sagen müssen, wie es dazu gekommen ist und weshalb er diesen Fehler begangen hat", sagte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi. Er setze sich aber "lieber politisch auseinander, nicht wegen solcher Sachen". Guttenbergs Rücktritt forderte er nicht.

Angela Merkel hält weiter zu ihrem Verteidigungsminister. "Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen zu dem Minister und seiner Arbeit", hieß es in Regierungskreisen nach der Erklärung Guttenbergs. "Seine heutige Erklärung zeigt, dass er auch mit Fragen zu seiner Dissertation verantwortungsbewusst umgeht." Merkel hatte am Donnerstagabend mit Guttenberg über die Vorwürfe und das weitere Vorgehen gesprochen.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller sieht keinen Grund für einen Rücktritt Guttenbergs. Wenn der Minister für die Phase der Klärung der Plagiatsvorwürfe seinen Doktortitel ruhen lasse, sei das "möglicherweise ein richtiges Signal", sagte Müller am Freitag in Saarbrücken. Ein Grund für einen Rücktritt seien die Vorwürfe aber "mit Sicherheit nicht". Die Frage, ob einzelne Zitate in einer Dissertation richtig gekennzeichnet worden seien oder nicht, müsse man trennen von der Frage, wie jemand ein politisches Amt und eine politische Verantwortung wahrnehme, betonte Müller. Entscheidend sei, dass Guttenberg sich "in geradezu hervorragender Weise in schwierigen politischen Feldern" bewege. So habe er eine Bundeswehrstrukturreform auf den Weg gebracht, die eine "großartige politische Leistung" darstelle, unterstrich Müller.

ler/dapd/dpa