Reaktionen Müntefering enttäuscht, Westerwelle jubelt

Eine Niederlage, die sich nicht wegreden lässt: SPD-Chef Müntefering hat das Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Europawahl als enttäuschend bezeichnet. Dagegen feierte FDP-Chef Westerwelle den Erfolg der Liberalen.


Berlin - Er hatte ein besseres Ergebnis erhofft, aber am Sonntagabend blieb Franz Müntefering nur das Eingeständnis einer Niederlage: Dies sei ein "schwieriger Abend", sagte der SPD-Chef in der Parteizentrale.

Das Abschneiden der Genossen sei "deutlich schlechter als erhofft und enttäuschend". Die Einbrüche der Union seien nicht der SPD zugutegekommen, sagte Müntefering weiter. Er zeigte sich allerdings zufrieden, dass "wir nicht wesentlich nach links verloren haben". Müntefering betonte, man werde ungeachtet dieses Ergebnisses weiter für einen Erfolg bei der Bundestagswahl kämpfen. "Wir werden uns nicht beeindrucken lassen und unseren Weg gehen", betonte der SPD-Parteichef. Ersten Hochrechnungen zufolge kommt die SPD bei der Europawahl auf 21,2 Prozent - und liegt damit noch unter dem Negativrekord von 2005 (21,5 Prozent).

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wertete das Ergebnis trotz der deutlichen Verluste als Vertrauensbeweis für die Union und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Krisenzeiten. "Es gibt eine klare bürgerliche Mehrheit von Union und FDP", hob er am Sonntagabend in Berlin hervor. "Wir freuen uns über das Ergebnis, darauf können wir gut aufbauen." Die Union sei "mit weitem Abstand stärkste politische Kraft in ganz Deutschland" geworden und habe gegenüber der Bundestagswahl 2005 zugelegt. CDU und CSU kommen laut Hochrechnungen zusammen auf 38,2 bis 38,3 Prozent - mehr als fünf Punkte weniger als 2004.

Die FDP, die Hochrechnungen zufolge 6,1 Punkte zulegte und auf 10,8 Prozent der Stimmen kommt, feierte das Ergebnis. "Keine Partei hat so zugelegt wie wir", sagte Parteichef Guido Westerwelle am Sonntagabend in Berlin vor Journalisten. "Freude schöner Götterfunken", jubelte er. Die Partei habe ihr bestes Ergebnis bei einer Europawahl erreicht, betonte Westerwelle. Die politische Mitte sei deutlich gestärkt worden.

Die Grünen sehen das Ergebnis der Europawahl nicht als Vorentscheidung für die Bundestagswahl. Sie sei "am heutigen Tag definitiv nicht entschieden", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth in der ARD. "Ich bin überhaupt nicht enttäuscht über dieses Ergebnis für uns heute Abend." Die Grünen hielten Hochrechnungen zufolge ihr Ergebnis von 2004 und kamen auf 11,9 Prozent.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi räumte Mobilisierungsdefizite seiner Partei ein. "Es ist uns nicht ganz gelungen, zu mobilisieren, wie wir es wollten", sagte Gysi in der ARD. "Wir hätten auch gern etwas mehr zugelegt." Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF konnte sich die Linke leicht verbessern und kommt auf 7,1 bis 7,5 Prozent. 2004 hatte die damalige PDS 6,1 Prozent erreicht.

hen/dpa/Reuters/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.