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Wahlkampf im Fernsehen: So lief das TV-Duell

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Reaktionen Müntefering feiert Duell als Durchbruch

Union und SPD sehen sich als Sieger des TV-Duells, Franz Müntefering spricht gar vom Wahlkampf-Durchbruch für die Sozialdemokraten - die Opposition sieht die Sache in einem ganz anderen Licht. Grüne und Linke spotten, die Sendung sei ein klares Bekenntnis zur Neuauflage der Großen Koalition gewesen.

Hamburg - Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sieht den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Frank-Walter-Steinmeier als klaren Sieger des Fernsehduells mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Das war ein Durchbruch in diesem Wahlkampf", sagte Müntefering am Sonntag im ZDF. Es habe bisher noch kein Fernsehduell gegeben, bei dem sich einer der Kandidaten so klar durchgesetzt habe.

Anders sieht das naturgemäß Unionsfraktionschef Volker Kauder. Er hält Merkel für die Siegerin. Sie habe überzeugender und souveräner gewirkt, sagte Kauder am Sonntagabend. "Angela Merkel hat eine klare inhaltliche und hat auch eine klare Regierungsperspektive." Steinmeier dagegen habe nicht darstellen können, welche Perspektive er habe und mit wem er nach der Wahl regieren wolle. Er habe sich darin erschöpft, gegen etwas zu sein. "Das reicht für einen Kanzler nicht."

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wertet das TV-Duell als Bestätigung, dass die Deutschen Merkel als Kanzlerin behalten wollen. "Sie hat noch einmal eindrucksvoll gezeigt, dass sie bereit ist, vier weitere Jahre Verantwortung für Deutschland zu übernehmen", hob Pofalla hervor. Merkel habe Steinmeier "auf Abstand gehalten", befand der CDU-Generalsekretär. Steinmeier stehe für unsichere politische Experimente und fehlende Glaubwürdigkeit.

Der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber hob bei "Anne Will" die "große Souveränität und Sicherheit" Merkels hervor. Er habe nicht den Eindruck, dass Steinmeier gewonnen habe. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt stellte im ZDF mit Blick auf die Streitereien zwischen Union und FDP klar, die Union wolle eine Koalition mit den Liberalen. Die FDP sei nicht der politische Gegner, allerdings ein politischer Mitbewerber.

FDP-Chef Guido Westerwelle hat bei dem Auftritt ein klares Bekenntnis Merkels zu einer Koalition mit der FDP vermisst. Er hätte gerne danebengestanden und sich ganz klar für Schwarz-Gelb ausgesprochen, sagte er am Sonntagabend bei Sat.1. Weiter kritisierte er, dass die beiden wichtigen Themen Familie und Bildung nicht einmal angesprochen worden seien. Auch über Mehrwertsteuererhöhung sei nicht geredet worden.

Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke konnte im TV-Duell nur "viel Lärm um nichts" und einen "großen Einheitsmischmasch" erkennen. Es sei der ausdrückliche Wille erkennbar gewesen, in der Großen Koalition weiterzumachen. Lemke bemängelte zugleich, dass Bildung und Klimaschutz als große Zukunftsthemen kaum eine Rolle gespielt hätten.

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, hat das TV-Duell ohne die Opposition nicht mehr zeitgemäß genannt. Es gebe in Deutschland inzwischen eine Fünf-Parteien-Landschaft. Die Partner der Großen Koalition hätten zuletzt bei Landtagswahlen kontinuierlich verloren, sagte Trittin am Sonntagabend bei SAT.1.

Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch, sprach im ZDF von einem "langweiligen Abend". Auch er wertete die Sendung als klares Signal Merkels und Steinmeiers, die Große Koalition weiterführen zu wollen. Eine wirkliche Kontroverse habe gefehlt. Steinmeier habe sich nicht als Alternative zu Merkel präsentiert, sondern sich nur "als Vizekanzler beworben".

ler/AP/ddp
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