Reaktionen Politiker und Kirchen würdigen Spiegels Verdienste

Mit tiefer Trauer haben Politiker aller Bundestagsparteien und Vertreter der Kirchen auf den Tod des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, reagiert. Sie würdigten ihn als großen Demokraten und Mahner für Toleranz.


Berlin - Die Vizepräsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, nannte Spiegel "einen außerordentlich beliebten Menschen". "Nicht nur die jüdische Gemeinschaft werde um ihn trauern, sondern auch die nichtjüdische, sagte Knobloch am Rande der Gedenkfeiern zum 61. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau.

Mit "tiefer Erschütterung" reagierte Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel. "Der verstorbene Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war eine beeindruckende Persönlichkeit", sagte sie. Spiegel habe sich "mit großer Leidenschaft und all seiner Kraft für eine gute Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eingesetzt". Merkel sagte weiter: "Er mahnte, wo viele stumm blieben. Sein Einsatz für Zivilcourage, für Toleranz und gegenseitigen Respekt und gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hat Maßstäbe gesetzt."

Bundespräsident Horst Köhler hat Spiegel als "deutschen Patrioten" gewürdigt. "Der Tod von Paul Spiegel erfüllt mich mit tiefer Trauer", sagte Köhler in Berlin. "Unser Land hat einen Menschen verloren, der wesentlich zum guten Miteinander in Deutschland beigetragen hat." Spiegel sei mit ganzer Kraft für die Werte eingetreten, auf die "unsere freiheitliche Gesellschaft" gegründet sei: Für den Schutz der Menschenwürde, für den respektvollen Umgang miteinander und für Zivilcourage im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Köhler sagte: "Sein Rat wird mir fehlen."

Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav hat den Kampf Spiegels gegen den Antisemitismus hervorgehoben. Spiegel habe sein Leben dem "Kampf für das jüdische Volk" gewidmet , hieß es in einer am Sonntag in Jerusalem veröffentlichten Erklärung des israelischen Staatschefs.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat Spiegel als einen "beeindruckenden Menschen" gewürdigt. Unbeirrbar habe dieser seine ganze Kraft eingesetzt, um das Amt als Nachfolger von Ignaz Bubis fortzuführen. "Mit Paul Spiegel verlieren wir eine Stimme der Vernunft und des Ausgleichs von großer Ernsthaftigkeit und Überzeugungskraft", sagte Stoiber in München. Als Mann des Dialogs habe Spiegel seine moralische Autorität nicht nur aus seinem Amt geschöpft, sondern vor allem auch aus seiner Persönlichkeit und großen Menschlichkeit.

Worte der Würdigung kamen auch von den Katholiken in Deutschland: "Wir haben in Paul Spiegel immer einen offenen und glaubwürdigen, menschlich überzeugenden und versöhnungsbereiten Repräsentanten des Judentums in unserem Land gefunden und bedauern aus ganzem Herzen seinen Verlust", hieß es in einer Erklärung von Karl Kardinal Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. "Er war auch deswegen ein hoch geschätzter Partner, weil er seine Überzeugungen als Jude unbeirrt ins Spiel brachte und dennoch zutiefst ein Mann der Offenheit und der Toleranz war, mit großem Verständnis auch für die Christen", sagte Lehmann in Mainz. Die Bischöfe sprachen Spiegels Witwe, seiner Familie und dem Zentralrat der Juden in Deutschland ihre Anteilnahme aus.

"Paul Spiegel war ein wichtiger Gesprächspartner im gemeinsamen Engagement für eine freiheitliche Gesellschaft", sagte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschlands (EKD), Bischof Wolfgang Huber.

Von Muslimen ist Spiegel auch als Anwalt gegen Islamfeindlichkeit gewürdigt worden. So sei er in seinem Engagement gegen Antisemtismus auch gegen jede andere Art von Fremdenfeindlichkeit aufgetreten, erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Ayyub Axel Köhler, in Köln. "In den vielen Begegnungen und Gesprächen erlebten wir Paul Spiegel als führenden jüdischen Repräsentanten, dem der Schutz und die Integrität aller Minderheiten in Deutschland ein zentrales Anliegen war", betonte Köhler.

Als einen "großen Demokraten und einen überzeugten Mitstreiter für Menschlichkeit, Achtung und Toleranz" würdigte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) Spiegel. "Paul Spiegel war ein Mann des Dialogs zwischen den Religionen und ein Brückenbauer zur jüdischen Welt und zum Staat Israel." Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hob Spiegels "Engagement für Toleranz und gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit" hervor. Er habe zur Verständigung im Inneren und zum Ansehen "unseres Landes im Ausland ganz wesentlich beigetragen". Der Bundesratspräsident, der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), sagte: "Seine mahnenden Worte werden unserem Land fehlen."

Der designierte SPD-Vorsitzende Kurt Beck erklärte, Spiegel habe sich in Deutschland "große moralische Autorität erworben". Im Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus habe er niemals resigniert und trotz deprimierender Rückschläge gerne in Deutschland gelebt.

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: "Er war eine politische und moralische Instanz, dessen Wort weit über die jüdische Gemeinde hinaus Autorität hatte." Spiegel sei "ein sehr standhafter Mensch ohne zu viel Diplomatie" gewesen, sagte Linkspartei-Chef Lothar Bisky. In einer Mitteilung der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn heißt es, Spiegel habe insbesondere für die institutionelle Anerkennung der jüdischen Gemeinde Großes geleistet. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, sagte: "Spiegel war für den DGB und die Gewerkschaftsbewegung mehr als ein verlässlicher Partner, er war ein Freund."

itz/dpa



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