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23. Juli 2001, 16:49 Uhr

Reaktionen zum Bonner Gipfel

"Poker um Weltklima geglückt"

Bonn - "Japan begrüßt die grundsätzliche Einigung auf "Kernelemente", erklärte Regierungschef Junichiro Koizumi in Tokio. Japan habe im Bewusstsein seiner Präsidentschaft bei der Klimakonferenz in Kyoto und basierend auf der Politik, "so viele Übereinkünfte" in Bonn "wie möglich" zu erzielen, sein "Äußerstes getan", diese zu formulieren.

Details müssten in folgenden Verhandlungen noch ausgearbeitet werden. Japan wolle jedoch "weiter sein Bestes geben", um mit Blick auf eine Inkraftsetzung des Klimaschutzprotokolls in 2002 eine abschließende Einigung auf der Folgekonferenz zu erzielen. Japan werde sich zudem sehr bemühen, um im eigenen Land die Ziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen.

Zugleich bezeichnete es Koizumi als "wichtig, dass alle Länder unter einer Regelung handeln". Um eine Einigung einschließlich der USA zu erzielen, wolle Japan weiterhin sein "Maximum an Bemühungen" fortsetzen. Zugleich werde man die USA aufrufen, auf Foren wie bei den japanisch-amerikanischen Konsultationsgesprächen "konstruktive" Schritte zu unternehmen.

Die Umweltorganisationen auf dem Klimagipfel in Bonn begrüßten die Vereinbarung. "Der Poker um das Weltklima scheint geglückt", sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Das wäre der zweite wichtige Schritt nach dem Kyoto-Protokoll für ein international verbindliches Klimaabkommen, das Treibhausgase reduziert."

Der britische Premierminister Tony Blair hat die Einigung beim Bonner Klimagipfel als "bedeutendsten Schritt" auf diesem Gebiet seit dem Vertrag von Kyoto bezeichnet. "Das zeigt, dass sich die internationale Gemeinschaft den Herausforderungen der modernen Welt und der Globalisierung stellen kann, wenn sich alle zusammensetzen", sagte Blair am Montag.

Grüne zufrieden

Auch der Grünen-Bundesvorstand äußerte sich zufrieden. Zwar habe man sich mehr gewünscht, sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth in Berlin. Wichtig sei jedoch, dass das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen überhaupt ratifiziert werden könne. "Wenn Bonn gescheitert wäre, wäre dies für lange Zeit ein wirklicher Rückschritt gewesen."

Der Erfolg sei der Geschlossenheit der Europäer sowie dem Einsatz von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu verdanken, sagte Roth. Europa habe eine wichtige Vorreiterrolle übernommen und müsse nun Druck auf die USA ausüben, um dort ein Nachdenken über die eigene Blockadepolitik auszulösen.

Stoiber: Kompromiss "sehr weich"

CSU-Chef Edmund Stoiber hat die Übereinkunft der Bonner Klimakonferenz als positives Signal gewertet. Es sei erfreulich, dass damit ein In-Kraft-Treten des Kyoto-Protokolls ermöglicht werde, sagte der bayerische Ministerpräsident nach einer Vorstandssitzung seiner Partei am Montag in München. Negativ wertete Stoiber, dass der Kompromiss "sehr weich" gehalten werden musste, um Japan zur Zustimmung zu bewegen. Er regte an, die Bedingungen zum Klimaschutz nach und nach zu verschärfen. Bei den Folgeverhandlungen müsse auf Gerechtigkeit bei der Bewertung von CO2-Senken wie etwa Wäldern geachtet werden.

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