Reaktionen zum Polenz-Rücktritt Die CDU hat ein Bauern-Opfer gesucht


Berlin - SPD-Generalsekretär Franz Müntefering meinte, die CDU sei derzeit nicht in der Lage, politische Verantwortung zu übernehmen: "Die Union ist nicht regierungsfähig". Die Führungsfrage werde bei der CDU solange nicht geklärt sein, wie der Kanzlerkandidat für die Wahl im Jahr 2002 noch nicht feststehe. Insgesamt sei bei der Union alles noch "in großer Unordnung". Polenz sei ganz klar der Kandidat und engste Mitarbeiter von Merkel gewesen. Deswegen sei der Rücktritt "ein Rückschlag für Frau Merkel" und Beweis, "dass sie das Ganze nicht im Griff hat".

FDP bedauert Rücktritt Polenz

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle meinte, die CDU habe ein Bauernopfer gesucht und es in Polenz gefunden. Westerwelle reagierte "mit Bedauern" auf den Polenz-Rücktritt. Mit ihm habe man stets eine faire Zusammenarbeit pflegen können. Polenz trage "keinerlei Schuld daran, dass die CDU derzeit keine Richtung hat". Der stellvertretende Partei- und Fraktionschef der FDP, Rainer Brüderle, nannte den Rücktritt einen "Ausdruck des Wirrwarrs innerhalb der Union". Dem Sender berlin aktuell 93.6 sagte Brüderle: "Inhaltlich wie personell herrscht in der Union ein Stückchen Chaos". Personell sei nicht geklärt, wer das Sagen habe: Stoiber, Merkel oder Merz.

PDS befürchtet Rechtsruck

PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte, der Rücktritt zeige, dass die CDU noch immer tief in der Krise stecke. Weder sei die Spendenaffäre ausgestanden noch habe die Partei den Schritt zu einer handlungsfähigen eigenständigen und modernen Oppositionspartei geschafft, die souverän mit dem Erbe Helmut Kohls umgehe. "Mit dem Abgang ihrer Wunschkandidaten für das Amt des Generalsekretärs sind nun auch Frau Merkel und ihr Kurs der Mitte geschädigt." Zu befürchten sei nun ein Rechtsruck bei der Union.



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