Erdogan vs. Steinmeier Giftige Stimmung beim Staatsbankett

Bundespräsident Steinmeier hat beim Staatsbankett für seinen Amtskollegen Erdogan die Menschenrechtslage in der Türkei angesprochen. Das ärgerte den Gast offenbar sehr - er hob zu einer Replik an.

Recep Tayyip Erdogan (rechts), Frank-Walter Steinmeier (Mitte), Cem Özdemir (links)
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Recep Tayyip Erdogan (rechts), Frank-Walter Steinmeier (Mitte), Cem Özdemir (links)


Es kommt einem Eklat gleich, was an diesem Freitagabend im Schloss Bellevue zu hören war: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat beim Staatsbankett harsch auf die Rede des Gastgebers, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, reagiert.

Steinmeierhatte in seiner Rede unter anderem die Festnahmen von türkischen Regierungskritikern thematisiert, die in Deutschland Zuflucht suchen würden.

Erdogan forderte daraufhin in einer Replik Respekt für die türkische Justiz - und deren Auslieferungsersuchen. Die von der türkischen Regierung verfolgten Journalisten und Intellektuellen seien allesamt "Terroristen", behauptete er.

Konkret spielte er auf den Fall des Journalisten Can Dündar an. Der frühere Chef der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" werde in Deutschland "auf dem Silbertablett herumgereicht".

Deutschland schütze "Terroristen", die Tausende Türken auf dem Gewissen hätten, sagte Erdogan: "Und die laufen hier einfach unbehelligt rum."

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Staatsbankett: Besuch von Erdogan im Schloss Bellevue

Gegen Schluss seiner Rede lenkte Erdogan wieder etwas ein. "Eigentlich hätte ich an diesem Abend nicht über so etwas reden wollen", sagte er. "Aber da der Herr Präsident (Steinmeier, Anm. d. Red.) das angesprochen hat, war ich gezwungen, darüber zu sprechen."

Bestehende Meinungsunterschiede sollten "im gegenseitigen Respekt, Dialog und mit den Möglichkeiten der Diplomatie" überwunden werden, sagte Erdogan außerdem. "Es gibt kein Problem, das sich der türkisch-deutschen Freundschaft und den gemeinsamen Interessen in den Weg stellen könnte."

mal/dpa/AFP



insgesamt 97 Beiträge
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saaman 28.09.2018
1. Ich hätte Steinmeier mehr zugetraut
Nein, weise, das ist unser Bundespräsident nicht. Wäre er es, hätte er niemals Erdogan einladen und mit derartigen Ehren segnen dürfen. Oder hat Steinmeier geglaubt, dass Erdogan sich verändern würde? Ich glaube das nicht, auch wenn Erdogan in noch größere Schwierigkeiten gerät als dass die Wirtschaft seines Landes am Boden ist. Erdogan ist beweglich wie eine Betonplatte.
photograph73 28.09.2018
2. Diesem Menschen...
eine Plattform zu bieten und dann auch noch in dieser Form... einfach unglaublich. Unsere Volksvertreter lernen einfach nicht dazu. Eigentlich sollte man ihn hier im Gefängnis festhalten bis alle politischen Gefangenen in der Türkei frei sind.
stefan.martens.75 28.09.2018
3. Was soll man bitte respektieren?
Fadenscheinigste Anklagen und Verurteilungen nach politischer Vorgabe? Niedere Gerichte die eiskalt und mehrfach Beschlüsse des eigenen Verfassungsgerichts ignorieren? Anklagen und Verurteilungen wegen Journalismus? Eine Justiz die es als Dauerbeschäftigung ansieht, Urteile und Verfahren wegen Präsidentenbeleidigung durchzuführen? Was bitte ist an der türkischen Justiz derzeit respektabel?
Objectives 28.09.2018
4. Erdogan zeigt sein wahres Gesicht
Diesen Despoten auch noch zu hofieren, ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. Ich schäme mich einmal mehr für unsere politische Klasse.
Snoopy60 28.09.2018
5. Nach hause schicken - sofort!
Man sollte dem guten Mann bedeuten, daß morgen früh um 7.00 Uhr eine eigens für ihn gechartete Maschine für seinen Rückflug zuständig sein wird, er möge Deutschland bis 8.00 Uhr verlassen haben und vorerst nicht wiederkommen.
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