Türkischer Präsident in Berlin Tausende demonstrieren gegen Erdogan

Sie nennen ihn "Faschist" und "Diktator": Mehrere Tausend Menschen haben gegen den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan in Berlin demonstriert.

Demonstranten in Berlin
MARKUS HEINE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Demonstranten in Berlin


"Hau ab, hau ab", skandierten die Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auf der Demonstration "Erdogan not welcome" am Potsdamer Platz mitten in Berlin entlud sich viel Wut gegen den türkischen Staatschef, der am Vortag zum Staatsbesuch eingetroffen war: "Stop the state terror in Turkey" (Stoppt den Staatsterror in der Türkei) war auf Plakaten zu lesen, Erdogan war darauf mit Hitlerbart dargestellt.

Unter den Demonstrierenden waren linke Gruppen, Junge, Alte, Studenten, Kurden und Deutschtürken. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im mittleren vierstelligen Bereich, die Veranstalter von 8000 Teilnehmern.

Der zweite Tag des Staatsbesuchs von Erdogan war in Berlin begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, Straßensperrungen und Staus. 4200 Polizisten aus Berlin, sieben weiteren Bundesländern und der Bundespolizei waren im Einsatz. Erdogan war am Donnerstag zum Staatsbesuch in Berlin eingetroffen und soll am Samstag weiter nach Köln fliegen.

Während im Schloss Bellevue das Staatsbankett für Erdogan am Freitagabend vorbereitet wurde, gab es für diese Form der Feierlichkeiten auf der Demonstration am Potsdamer Platz kaum Verständnis. Hier wurde der Staatsgast als "Faschist" und "Diktator" bezeichnet. "Ein derartig pompöser Empfang ist nicht nur eine unnötige Aufwertung des Erdogan-Regimes - es ist auch ein Schlag ins Gesicht aller demokratischen Aktivisten in der Türkei, die eingesperrt, unterdrückt oder gefoltert werden", sagte ein Redner auf der Kundgebung und erntete lauten Applaus und Pfiffe.

Am Donnerstagabend war es bei einer Demonstration gegen Erdogan in Berlin-Kreuzberg zu kleineren Gewaltausbrüchen gekommen. Einige der rund 150 Teilnehmer vermummten sich nach Angaben der Polizei, warfen Steine auf Polizisten und riefen kurdische Parolen. Die Randalierer beschädigten ein Wartehäuschen einer Bushaltestelle, mehrere Autos und die Scheiben einer Bank. Die Polizei stoppte die Demonstration und nahm acht Verdächtige wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch fest.

Bei der Demonstration am Freitag blieb die Stimmung friedlich. Die Demonstranten skandierten auf Türkisch "Schulter an Schulter gegen den Faschismus" und auf Deutsch "Hoch die internationale Solidarität".

"Erdogan not welcome" war nicht die einzige Protestaktion gegen den türkischen Präsidenten am Freitag in Berlin. Bereits am Vormittag machte die Organisation Reporter ohne Grenzen bei einer Kundgebung auf die zahlreichen inhaftierten Journalisten und die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei aufmerksam.

mal/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.