Recherche-Affäre "Bunte"-Chefin verteidigt Verheugen-Bespitzelung

Die Bespitzelungsaffäre um das Privatleben deutscher Politiker weitet sich aus. Nach Informationen des SPIEGEL soll die "Bunte" 2007 den damaligen EU-Kommissar Günter Verheugen beschattet haben. Chefredakteurin Riekel ist sich keiner Schuld bewusst.
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Überwachte Politiker: Im Visier der Rechercheure

Foto: A2800 epa Olivier Hoslet/ dpa

Berlin - In der Affäre um die angebliche Bespitzelung prominenter Politiker sieht die in der Kritik stehende "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel keinen Grund für eine Entschuldigung. Die 60-jährige Journalistin sagte am Sonntag, "wenn wir veranlasst hätten, dass in eine Wohnung hineinfotografiert wird oder Ähnliches, dann müssten wir uns entschuldigen, selbstverständlich." Aber so etwas sei nicht passiert. "Und wenn etwas schiefgelaufen ist, dann wussten wir nichts davon", fügte Riekel hinzu.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die von der Illustrierten beauftragte Berliner Agentur CMK im Jahr 2007 versucht hatte, auch ein Foto des damaligen EU-Kommissars Günter Verheugen (SPD) und seiner Kabinettschefin Petra Erler zu bekommen. "Wir haben einen Rechercheauftrag erteilt", bestätigte die Chefredaktion der Illustrierten dem SPIEGEL. Es sei "ein politisch relevanter Fall" gewesen, "weil der damalige EU-Kommissar Verheugen seine Geliebte befördert hatte", erklärte die "Bunte". Verheugen hatte damals eine über Freundschaft hinausgehende Beziehung zu Erler bestritten.

Die Recherche habe nur wenige Tage gedauert, hieß es. Verheugen bemerkte nach Informationen des SPIEGEL im Mai 2007, dass er observiert wurde. Dass "Bunte" dahinter steckte, habe er allerdings nicht beweisen können. Das Blatt dementierte damals, Auftraggeber einer Bespitzelung zu sein.

"Bunte" streitet unlautere Methoden ab

Riekel verteidigte das Vorgehen der Illustrierten. Die Agentur CMK habe den Auftrag gehabt, so zu recherchieren wie Journalisten, betonte die Chefredakteurin. "Unsaubere Methoden gab es nicht, wir hätten sie auch nie gebilligt." Ihr Credo sei: "Privataffären haben nicht zu interessieren, Staatsaffären schon." Sie störe, dass der falsche Eindruck erweckt werde, es gebe "eine spionierende 'Pfui'-Presse. Die Menschen draußen müssen doch glauben, dass wir alle in irgendwelchen Büschen stehen, die Kameras gezückt." Riekel fügte zugleich hinzu, dass es manchmal jedoch auch notwendig sei und dies auch "als verdeckte Recherche vom Pressekodex gedeckt" sei.

Laut dem Magazin "Stern" hat die "Bunte" auch den früheren SPD-Chef Franz Müntefering, Linksparteichef Oskar Lafontaine und CSU-Chef Horst Seehofer ausspionieren lassen. Die beauftragte Agentur hatte jedoch bislang zurückgewiesen, mit unlauteren Methoden zu arbeiten.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, hatte in diesem Zusammenhang die Einhaltung des Pressekodex bei Recherchen angemahnt. "Das Intimleben von Politikern auszuspähen, verstößt gegen die berufsethischen Regeln des Journalismus, wie sie im Pressekodex des Deutschen Presserates festgelegt sind."

rom/ddp
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