Brandenburg Doppelt so viele Opfer rechtsextremer Gewalt wie angenommen

In Brandenburg hat es deutlich mehr rechtsextremistische Gewalttaten gegeben als bisher bekannt. Das Innenministerium muss in der Kriminalstatistik die Zahl der entsprechenden Todesopfer nach oben korrigieren.
Studie zum Rechtsextremismus: In den Neunzigerjahren gab es eine Bagatellisierung des Phänomens

Studie zum Rechtsextremismus: In den Neunzigerjahren gab es eine Bagatellisierung des Phänomens

Foto: Bernd Settnik/ picture alliance / dpa

In den vergangenen 25 Jahren hat es in Brandenburg zweimal so viele Todesopfer von rechtsextremen und rassistischen Gewalttätern gegeben als bis bisher angenommen. Das Innenministerium in Potsdam muss in der Kriminalstatistik die entsprechende Zahl deutlich nach oben korrigieren. "Die Zahl der politisch rechts motivierten Tötungsdelikte wird sich von bisher neun auf nunmehr insgesamt 18 erhöhen", sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter am Montag bei der Vorstellung einer Studie des Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrums (MMZ).

Die Wissenschaftler hatten 24 umstrittene Altfälle seit 1990 untersucht und davon 9 als eindeutig rechtsextrem motiviert eingestuft.

Politik, Polizei und Justiz hätten in den Neunzigerjahren den Rechtsextremismus lange nicht richtig wahrhaben wollen, sagte Studien-Projektleiter Christoph Kopke. In fast allen untersuchten Fällen seien die Täter in rechtsextremen Milieus angesiedelt gewesen. "Und es lässt sich zumindest feststellen, dass rechtsextreme Gewaltkultur auf die Täter eingewirkt hat, auch wenn ein politisches Motiv nicht erkennbar ist", sagte Kopke.

Sozialdemokrat Schröter verwies darauf, dass die bislang strittigen Fälle alle aus der Zeit vor 2001 stammten. Damals sei das bundesweit gültige Erfassungssystem für politisch motivierte Taten geändert worden. Seitdem sei die Bewertung deutlich verbessert worden.

ler/dpa