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Ermittlungen gegen Rechtsextreme Reservisten der Bundeswehr sollen Anschläge auf Migranten geplant haben

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen eine Wehrsportgruppe. Sie soll nach SPIEGEL-Recherchen geplant haben, Migranten zu töten. Ihr Anführer stand in Kontakt zu einem Referenten im Verteidigungsministerium.
aus DER SPIEGEL 40/2021
Reservisten auf einem Truppenübungsplatz (Archivfoto)

Reservisten auf einem Truppenübungsplatz (Archivfoto)

Foto: Bernd Settnik/ picture alliance / dpa

Die Sicherheitsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass eine Wehrsportgruppe von ehemaligen Fallschirmjägern und Reservisten aus Niedersachsen Migranten töten wollte. Angeführt wird sie demnach von Jens G., einem Oberstleutnant der Reserve. Er soll die Wehrsportübungen organisiert haben.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen neun Beschuldigte im Alter von 37 bis 53 Jahren wegen des Vorwurfs, sich einer bewaffneten Gruppe angeschlossen beziehungsweise diese befehligt zu haben. Ein Sprecher bestätigte dem SPIEGEL, es bestehe »ein Anfangs­verdacht, dass eine fremdenfeindliche Motivation handlungs­leitend gewesen sein könnte«.

Bereits Anfang September hatten Ermittler wegen der Verdachtsmomente acht Objekte in Nie­dersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin durchsucht. Dabei wurden Waffen, Munition und Material sichergestellt, das eine rechtsextreme Gesinnung der Reservisten nahelegt. Kurz darauf erfuhren die Ermittler, dass Jens G. engen Kontakt zu einem Referenten im Bundesverteidigungsministerium pflegte.

Ministerium überprüft interne Systeme

Der Mi­litärische Abschirmdienst (MAD) war Mitte September bei einer routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung des Referenten auf Hinweise gestoßen, die auf eine rechtsextreme Gesinnung des frü­heren Soldaten deuteten. Auf seinem Handy entdeckten die MAD-Beamten die Verbindung zu Jens G. Der Fall wird im Mi­nisterium ernst genommen, da der Referent in der Abteilung »Strategie und Einsatz« Zugang zu sensiblen Geheiminforma­tionen hatte, etwa über das Kommando Spezialkräfte und über verdeckte Ermittler des MAD.

Aus: DER SPIEGEL 40/2021

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Das Ministerium hat dem Re­ferenten umgehend alle Zugänge zu sensiblen Daten und seiner Abteilung untersagt. Der MAD überprüft derweil in den internen Systemen des Ministeriums, ob es über den Referenten Abflüsse von Informationen gegeben hat. Zudem wird sein engeres Ar­beitsumfeld genau unter die Lupe genommen, hieß es aus dem Wehrressort.

Bislang keine Festnahmen

Ein Sprecher von CDU-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, das Ressort verfolge beim Thema Rechtsextremismus eine unnachgiebige Linie. »Wir gehen jedem einzelnen Fall mit Hochdruck nach, weil Extremisten keinen Platz in der Bundeswehr oder im Ministerium haben.«

Der mutmaßliche Anführer der Wehrsportgruppe, Bundeswehrreservist Jens G., gibt sich in den sozialen Medien als leidenschaftlicher Militarist mit einem Faible für historische Militärfahrzeuge und organisierte Treffen von Gleichgesinnten. »Hässlich, feige und gemein, so muss ein Fallschirmjäger sein«, postete der 50-Jährige mit einem Smiley auf Facebook. Rechtsextreme Inhalte veröffentlichte er nicht auf Facebook.

Bei einigen der sichergestellten Waffen handelt es sich offenbar um Sammlerstücke. Einige der Reservisten sollen die Erlaubnis haben, bestimmte Waffen zu führen. Festnahmen gab es in dem Ermittlungsverfahren bislang keine.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der Anführer der Wehrsportgruppe habe Kontakt zu einem Referatsleiter gehabt. Wir haben den Fehler korrigiert.

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