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28. Juli 2011, 17:57 Uhr

Rechtsextremismus

NPD verhöhnt Opfer der Norwegen-Attentate

Die NPD hat ihre ganz eigene Sicht auf den Doppelanschlag von Anders Breivik mit 76 Toten: Statt Anteilnahme verbreiten die Rechtsextremen über ihre Website Empörung, dass man das Attentat als Hebel nutzen wolle, die Partei zu verbieten - und machten einen skandalösen Vergleich auf.

Hamburg - 76 Menschen tötete Anders Breivik, erst ließ er eine Bombe im Osloer Regierungsviertel hochgehen, dann schoss er auf der Insel Utøya auf Teilnehmer eines Feriencamps der sozialdemokratischen Jugend - mit der Tat, den Motiven des rechtsradikalen und muslimfeindlichen Killers und den Opfern will sich die rechtsextreme NPD offenbar nicht beschäftigen. Die Partei sieht sich vielmehr in der Debatte über die Anschläge zu Unrecht in der Kritik: "Die Politiker der BRD versuchen, die Anschläge eines Ökobauern in Norwegen für ihre Zwecke auszunutzen", heißt es in einer Erklärung des NPD-Präsidiums.

Hintergrund sind NPD-Verbotsforderungen, die nach den Anschlägen in Oslo erneut aufgekommen sind. So hatte etwa SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Innenminister der Bundesländer dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für ein Verbot der rechtsextremen Partei zu schaffen. Die "reflexartig vorgetragene Forderung" könne "nicht überraschen", heißt es in der NPD-Erklärung.

Breiviks Namen erwähnt die NPD in ihrer Erklärung mit keinem Wort. Sie spricht lediglich von dem "Ökobauern in Norwegen" - der 32-Jährige hatte einen Bauernhof in der Nähe von Oslo unter dem Vorwand angemietet, dort Gemüse anbauen zu wollen. Die Polizei hatte auf dem Hof zuletzt weiteren Sprengstoff sichergestellt.

Vergleich mit dem Attentat vom 20. Juli

Ansonsten zeigt man bei der NPD demonstratives Unverständnis dafür, dass in Deutschland Trauer und Bestürzung über das Attentat in Norwegen herrschen: In der Presseerklärung zieht die rechtextreme Partei einen direkten Vergleich zwischen den Anschlägen in Norwegen und dem gescheiterten Attentat auf den Diktator Adolf Hitler vom 20. Juli 1944.

Es müsse daran erinnert werden, schreiben die Rechtsextremen, "dass die politische Klasse der BRD erst vor wenigen Tagen den Bombenanschlag vom 20. Juli erneut als legitimes Mittel der Politik gefeiert hat. Auch bei diesem Anschlag kamen Unschuldige zu Tode" - gemeint ist damit das Gedenken führender Politiker an das gescheiterte Attentat auf Hitler. So hatte etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert an der Gedenktafel im Bendlerblock einen Kranz niedergelegt.

Im Juli 1944 wollten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit dem Attentat auf Hitler dem diktatorischen und mörderischen Regime ein Ende setzen. Breivik ging es darum, wahllos Vertreter der von ihm verachteten politischen Linken zu töten. Seine Opfer waren in der Hauptsache Jugendliche.

Für die NPD ist es offenbar dennoch kein Problem, die beiden Ereignisse in einen Atemzug zu nennen.

hen

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