Rechtsextremismus Zentralrat der Juden fordert Patriotismus-Debatte

Der Zentralrat der Juden hat sich dafür ausgesprochen, eine Debatte über einen "gesunden Patriotismus" in Deutschland zu führen. Er verstehe nicht, warum man als Deutscher nicht stolz auf sein Land sein könne, sagte Generalsekretär Kramer.


Berlin - "Wir sollten offen darüber diskutieren, wie ein gesunder Patriotismus aussehen kann", sagte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem "Tagesspiegel". "Es will mir nicht in den Kopf, warum man hier nicht stolz sein kann auf sein Land", betonte er. Gerade bei den Jugendlichen in Deutschland sei das Selbstwertgefühl "völlig gestört". Kramer warnte davor, dass "die ganz Rechten und die ganz Linken" das daraus entstehende Vakuum füllen könnten.

Der Politik warf Kramer Untätigkeit im Kampf gegen den Rechtsextremismus vor. Zwar hätten sich alle gern bei der Initiative "Gesicht zeigen" eingeschrieben, damit ihr Name auf der Teilnehmerliste stehe. Aber in der politischen Umsetzung passiere viel zu wenig. "Die Rechten lachen sich ins Fäustchen über das Unvermögen der Politik, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen", sagte der Generalsekretär des Zentralrats. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (beide CDU) warf er vor, das Problem "kleinzureden". Ihnen sei es in der Debatte der vergangenen Wochen in erster Linie darum gegangen, das Image Deutschlands nicht zu beschädigen.

phw/AFP



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