Rechtspopulismus AfD-Politiker will Flüchtlinge in spärlich besiedelte Landstriche bringen

Bauholz, Nägel und Hämmer sollen reichen, um Flüchtlingslager weit weg von Städten zu errichten: Der AfD-Politiker Andreas Wild schlägt improvisierte Camps auf "ein paar Quadratkilometer Heide" vor.

Andreas Wild
Youtube/ AfD-Landtags-TV

Andreas Wild


Der Berliner AfD-Politiker Andreas Wild möchte Flüchtlinge in primitiven Lagern in unbewohnten Gegenden unterbringen.

Bei einer Demonstration der Thüringer AfD in Erfurt unter dem Motto "Unsere Nation, unsere Kultur, unsere Entscheidung!" sagte Wild, um ein Flüchtlingslager zu errichten, reichten "ein paar Quadratkilometer Heide". Dafür brauche es keine Milliardenbeträge, sondern nur "Bauholz, Hämmer, Sägen und Nägel".

Zuvor sagte er, Flüchtlinge müsse man "in spärlich besiedelte Landstriche Deutschlands bringen". Die Menschen sollen dort nach Wilds Vorstellung streng kontrolliert werden: "Natürlich darf da nicht jeder raus oder rein, wie es ihm gefällt."

Berliner Landeschef: Hammer, Säge und Nägel sei nur Metapher

Berlins AfD-Landesvorsitzender Georg Pazderski sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Andreas Wild hat darauf hinweisen wollen, dass wir in Deutschland zu große Anreize gesetzt haben für Armutsmigranten aus der Dritten Welt."

Die hohen Transfersummen, über die jetzt auch diskutiert werde, führten dazu, dass Asylbewerber nicht mehr in Italien, Griechenland oder sonst wo bleiben wollten, stattdessen reisten sie alle nach Deutschland, wo ihnen seit 2012 der volle Sozialhilfesatz zustehe. "Auf diesen Missstand wollte Andreas Wild mit seiner zugespitzten Formulierung hinweisen. Natürlich wird es keine Barackenlager in der Heide geben. Hammer, Säge und Nägel waren nur eine Metapher", so Pazderski am Freitag.

In Berlin ist Wild Vizevorsitzender des AfD-Bezirksverbands Zehlendorf-Steglitz, im Herbst kandidiert er auf Platz 16 seiner Partei auf der Landesliste für das Berliner Abgeordnetenhaus.

Außerdem leitet Wild die Firma "Arbeit und Beratung", die auch an der Betreuung von Flüchtlingen beteiligt ist. Auf deren Homepage hatte nach Recherchen des "Neuen Deutschland" eine Stellenausschreibung "Kinderbetreuung m/w für Asylantenheime" gestanden.

Wild bestätigte der linken Tageszeitung, dass seine Firma derzeit mit der Unterbringung von Flüchtlingen zu tun habe. "Wir vermitteln stark in den Bereich Sicherheit", zitierte ihn das der Linkspartei nahestehende Blatt.

Lesen Sie hier den Redenbeitrag des AfD-Politikers Wild im Wortlaut:

"Eine Aufnahme von Flüchtlingen, die man nicht dauerhaft aufnehmen möchte, erfolgt üblicherweise in Flüchtlingslagern, am besten natürlich in der Nähe der Heimat. Bereits in Deutschland lebende Menschen können wir derweil in spärlich besiedelte Landstriche Deutschlands bringen und sie dort geschützt unterbringen. Dafür genügen ein paar Quadratkilometer Heide, wir brauchen dafür, für die vorübergehenden Flüchtlingslager keine 94 Milliarden Euro, wir brauchen dafür Bauholz, Hämmer, Sägen und Nägel. (Applaus). Syrische Lehrer können da syrische Kinder unterrichten und für die Zeit nach der Rückkehr in den Nahen Osten vorbereiten. Gerne können wir die Menschen auch in Handwerken ausbilden, die überall auf der Welt gebraucht werden. Und natürlich darf da nicht jeder raus oder rein, wie es ihm gefällt."

cht/sev



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