Terrorermittlungen Pariser Attentäter saß schon in drei NRW-Gefängnissen

Der IS-Sympathisant, der Donnerstag in Paris erschossen wurde, war für die deutsche Polizei kein Unbekannter: Er lebte nicht nur zeitweise in Recklinghausen, sondern saß auch in drei nordrhein-westfälischen Gefängnissen.
Flüchtlingsheim in Recklinghausen: Hier hat der Mann gewohnt

Flüchtlingsheim in Recklinghausen: Hier hat der Mann gewohnt

Foto: Martin Meissner/ AP/dpa

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann ist der deutschen Polizei bekannt gewesen und war sogar bereits inhaftiert. Der Mann habe unter verschiedenen Identitäten Straftaten verübt und eine einmonatige Freiheitsstrafe unter anderem in Heinsberg, Iserlohn und Bochum abgesessen, sagte der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, am Sonntag in Düsseldorf.

"Es sind uns sieben Identitäten bekannt", sagte Jacob, die wahre Identität des Mannes sei aber nicht geklärt. Ausgegeben habe sich der Mann als Tunesier, Marokkaner und Georgier. Gegen ihn sei wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel, Körperverletzung und der Belästigung von Frauen ermittelt worden.

Der Mann soll 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist sein, nachdem er zuvor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt hatte. In Deutschland hatte der Mann zuletzt in einem Asylbewerberheim in Recklinghausen gelebt. Dorthin soll er Anfang August gekommen sein.

Seine Hinweise auf Anschlagspläne

Bei Durchsuchungen der Recklinghäuser Wohnräume seien keine Hinweise auf weitere Anschlagspläne entdeckt worden, heißt es, offenbar handele es sich um einen Einzeltäter. Die Ermittlungen liefen aber noch. Der Mann sei auch schon in Frankreich und Luxemburg wegen verschiedener Delikte festgenommen worden. Er habe zudem Fahnen mit Zeichen des "Islamischen Staats" erstellt.

Ein Pariser Staatsanwalt hatte am Freitag gesagt, der Angreifer habe eine deutsche Sim-Karte in seinem Mobiltelefon gehabt. Er habe Papiere bei sich getragen, die auf eine tunesische Staatsangehörigkeit schließen ließen. In französischen Justizkreisen hatte es geheißen, der Angreifer sei in Marokko geboren, obdachlos und wegen Diebstahl polizeibekannt. Laut der "Welt am Sonntag " hatte der Mann in Deutschland Asyl unter dem Namen Walid Salihi beantragt.

Der Mann hatte am Donnerstag eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen und wollte mit einem Fleischerbeil bewaffnet in eine Polizeiwache eindringen - dabei wurde er niedergeschossen. Der Angriff ereignete sich am ersten Jahrestag des Anschlags auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo".

Video: Pariser Attentäter wohnte in Unterkunft in Recklinghausen

mbö/dpa/Reuters