Rede zur Einheit Präsidenten-Test für Wulff

Beim 20. Jahrestag der Einheit will Bundespräsident Wulff die maßgebende Rede liefern. Auch um zu beweisen, dass er der Richtige für den Top-Job ist. Punkten will er mit dem Integrationsthema - und damit nebenbei zwei Widersacher in Schach halten.

Präsident Wulff: "Bunte Republik Deutschland"
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Präsident Wulff: "Bunte Republik Deutschland"

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Berlin - Die Chance für Christian Wulff ist groß. Aber das Risiko auch. Am Sonntag hat der erste Mann im Staat seinen Auftritt: Er wird eine Rede halten, es soll ein eindrücklicher Moment werden. Denn die Deutschen feiern den 20. Jahrestag der Einheit.

Wird es die erste große Rede des Bundespräsidenten?

Wulff hat schon ein paar gehalten im neuen Amt, so ist das nicht. Neulich zum Beispiel vor Studenten in Berlin über Technikbegeisterung und den Ingenieurnachwuchs, der natürlich zu fördern sei. Oder beim Erntedank, da hat Wulff im Französischen Dom vor bäuerlichem Publikum die Erntekrone übergeben. Und beim "Tag des offenen Denkmals" in Lüneburg hielt er das Grußwort.

Nun aber geht es um eine wesentlich größere Sache: die Einheit.

Wulff, von der Verfassung mit nichts ausgestattet als der Macht der Worte, hat sich da auch schon ein paar Sachen ausgedacht. Seit seinem Amtsantritt feilt er mit seinen Leuten an der Rede. Es soll nicht so sehr um deutsch-deutsche Befindlichkeiten gehen, sondern vielmehr um die gemeinsame Zukunft der Menschen: egal, ob sie nun aus dem Osten oder dem Westen, von fern oder nah kommen. Wulff will vor allem über Integration reden.

Die Rede, die noch keiner gehalten hat

Das ist ein heikles Feld. Seit den biologistischen Thesen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin über muslimische Migranten ist die Debatte in Deutschland aufgeheizt. Wird Wulff auf Sarrazin eingehen, ihn angreifen? Wird er versuchen, dessen Anhänger mitzunehmen, wie es zuletzt der SPD-Vorsitzende probiert hat? "Wer auf Dauer alle Integrationsangebote ablehnt, der kann ebenso wenig in Deutschland bleiben wie vom Ausland bezahlte Hassprediger in Moscheen", hatte Sigmar Gabriel klargestellt - und dabei dem Volk aufs Maul geschaut.

Wird Wulff diesem Beispiel folgen?

Vieles spricht dafür, dass er einen versöhnlicheren Ton anschlagen wird. Wulff machte die Integration bereits in seiner Rede zum Amtsantritt im Juli zum Thema, als er mit dem Stichwort von der "bunten Republik Deutschland" punkten konnte. Dem aber ist bisher nichts gefolgt. Außer dem Satz bei einer Ausstellungseröffnung kürzlich in Berlins Jüdischem Museum: Gegen Gruppen und Ethnien dürften nie wieder Vorurteile geschürt werden.

Das war es dann aber auch schon.

Stattdessen machte der Neue etwa Schlagzeilen mit einem Urlaub im mallorquinischen Luxusdomizil eines Unternehmerfreundes. Zuletzt kochte eine Affäre aus der niedersächsischen Provinz mit dem Vorwurf illegaler Wahlkampffinanzierung an frühere Helfer Wulffs hoch.

Eine große Rede zur deutschen Einheit hat noch kein Politiker gehalten

In Berlin raunen sie vom Fehlstart des Präsidenten. Er selbst beklagt bereits den mangelnden Respekt vor seinem Amt. Wie Vorgänger Horst Köhler. Unterstützung bekommt Wulff zum Beispiel von "Stern"-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges. Rabiat und rücksichtslos werde mit Wulff umgegangen, das "polit-mediale Kesseltreiben" gegen ihn sei nicht zu rechtfertigen, schreibt er.

Im Umfeld des Präsidenten begreifen sie den 3. Oktober deshalb als Chance: Wulff soll zeigen, was in ihm steckt, und seine Kritiker in die Schranken weisen. Er hat die Aufmerksamkeit des ganzen Landes und der internationalen Politik. Es ist der Präsidenten-Test für Christian Wulff.

Das Schöne für den Niedersachsen: Eine große Rede zur deutschen Einheit hat noch keiner vor ihm gehalten. Weder die Kanzler Helmut Kohl, Gerhard Schröder oder Angela Merkel; noch die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Johannes Rau oder Köhler. Es gibt kein Vorbild für Wulff, an dem er sich messen lassen muss.

Ihm könnte es gehen wie Weizsäcker 1985, als der am 8. Mai die Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes zu halten hatte. Der Präsident damals setzte schließlich Maßstäbe, als er vom "Tag der Befreiung" sprach. Die Rede gilt als ein Meisterwerk, sie wird heute in deutschen Schulbüchern zitiert.

Aber da ist noch ein Problem: Es könnte am kommenden Wochenende eine Art Fernduell um die beste Rede zur Einheit geben. Es tritt an Joachim Gauck, Wulffs unterlegener Gegenkandidat aus der Bundesversammlung. Schon im Wettbewerb ums Schloss Bellevue legte der einen rhetorischen Glanzauftritt nach dem anderen hin. Während Wulff vor diesem Hintergrund biederer wirkte, als er eigentlich ist.

insgesamt 55 Beiträge
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kimba2010 30.09.2010
1. nope
Die deutsche Einheit ist, wie der Name schon sagt, ein Thema der Deutschen. Was soll es dann, dass BuPrä Wulf dort mit dem Thema "Integration" punkten will? Damit zeigt Herr Wulf gerade, was für eine grandiose Fehlbesetzung er ist, oder anders gesagt doch nur "Mutti´s Großer".
graf.koks 30.09.2010
2. Freu!
Zitat von sysopBeim 20. Jahrestag der Einheit*will Bundespräsident Wulff die maßgebende Rede liefern. Auch um zu*beweisen, dass er der Richtige für den Top-Job ist. Punkten will er mit dem Integrationsthema - und damit*nebenbei zwei Widersacher in Schach halten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720349,00.html
Eine verfrühte Büttenrede. Am Unterhaltungswert kann nicht gezweifelt werden. Ich hoffe nur, daß Herr Wulff nicht auch noch Muttis Ghostwriter übernimmt.
paretooptimal 30.09.2010
3. Na da darf man gespannt sein.
Auf die Rede ist die Bundesrepublik gespannt. Eigentlich hätte er ein leichtes Spiel, nimmt man die Reden des vorhergehenden Bundespräsidenten Köhler als Messlatte. Nur, auch Wulff ist kein Charismatiker - eher, man mag es nicht sagen - einen einschläfernder Redner.
2010sdafrika 30.09.2010
4. Wulff auch in Außenpolitik noch passiv
Ich kann mich dem Artikel nur anschließen, wonach Herr Wulff keine klare Vision aufkommen lässt, möchte aber die außenpolitische Dimension nun miteinbeziehen. Während Horst Köhler mit seinem Projekt "Partnerschaft mit Afrika" vor allem den schwarzen Kontinent als "seine" Politik verkaufen konnte, ist Wulff hierbei noch kaum in Erscheinung getreten. Dennoch würde ich plädieren, dass dem amtierenden Bundespräsidenten noch ein wenig "Einarbeitungszeit" gewährt werden sollte. Anbei empfehle ich einen Hintergrundartikel zum Köhler-Wulff-Übergang in Sachen Afrika: http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/17/quo-vadis-neuer-bundesprasident-neue-afrika-politik/
Silver Surfer, 30.09.2010
5. Die Rede kann man sich doch denken
Er will doch einen auf großer Staatsmann machen Seine Rede wird handeln vom erfolgreichen Zusammenwachsen und BLA BLA Dan über Migranten die uns ja Kulturell Bereichern Das der Islam zu Deutschland gehört Und das wir Deutschen müsssen müssen müssen Und weil das noch nicht reicht müssen wir erst recht Das die Politiker wie er soviel fürs Volk tun Also sinnentleertes Geschwafel so inhaltsvoll wie benutzes Klopapier. Aber Muttis Söhnchen muss ja einen auf Wichtig machen Und all die Gleichgeschlalteten Medien werden ihm wieder den Speichel lecken in Ihrer Funktion als Hofberichterstatter. Hatte Sarrazin Ihn mal auflaufen lassen Es Kot... ein langsam an
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