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19. März 2015, 09:54 Uhr

Merkel zur Griechenland-Krise

"Es bleibt ein langer, schwerer Weg zu gehen"

Athen findet keine Einigung mit den internationalen Geldgebern. Trotz verhärteter Fronten wirbt Kanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung für den weiteren Dialog: Sie freue sich auf den Besuch von Premier Tsipras.

Berlin - Es geht für Angela Merkel mal wieder nach Brüssel. Der nächste EU-Gipfel steht auf dem Programm. Wichtigstes Thema: die höchst angespannte Finanzlage in Griechenland. Vor der Reise nach Belgien, wo am Nachmittag die Gespräche beginnen, hat sich die Kanzlerin nun im Bundestag erklärt.

Während sich die Gespräche zwischen der Regierung in Athen und den internationalen Geldgebern äußerst schwierig gestalten, plädiert Merkel dafür, weiter Gespräche zu suchen. Deswegen habe sie für Montag den griechischen Premier Alexis Tsipras nach Berlin geladen: "Und ich freue mich auf seinen Besuch", sagte sie bei ihrer Erklärung. Bei dem Treffen werde Zeit sein, "vielleicht auch zu diskutieren".

Griechenland habe die Krise noch lange nicht hinter sich, sagte die Kanzlerin: "Es bleibt ein langer, schwerer Weg zu gehen." Es müsse dabei jedoch ein Weg sein, bei dem die einen helfen und die anderen sich an Verpflichtungen halten. "Nur so wird es gehen."

Eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht. Aber: Die Welt werde "Europa umso mehr respektieren, wenn wir zeigen, dass wir zusammenarbeiten", so Merkel. Der Euro sei der stärkste Ausdruck des Willens, die Staaten friedlich zu vereinen.

Beim EU-Gipfel wollen Europas Staats- und Regierungschefs einen Ausweg aus der bedrohlichen Griechenland-Lage suchen. Dazu ist ein Krisentreffen in kleiner Runde an diesem Donnerstagabend geplant, an dem unter anderem Merkel und Griechenlands Premier Alexis Tsipras teilnehmen werden.

Kurz vor dem Termin in Brüssel wird die Lage in Griechenland immer angespannter. Zuletzt sind Gespräche zwischen der Regierung und den internationalen Geldgebern offenbar erneut gescheitert. Athen lasse die nötige Kooperationsbereitschaft vermissen, hieß es von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

Zudem habe die Führung in Athen ohne Rücksprache neue Staatsausgaben beschlossen und verstoße damit gegen Vereinbarungen. Damit sei die Chance, die Auflagen des laufenden Hilfsprogramms bis Ende April zu erfüllen, nur noch gering. Die Griechen hätten die vormals Troika genannten Institutionen "wieder vor die Tür gesetzt", hieß es einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge in Brüssel.

vek/jok

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