Pannenserie Bundeswehr will drei neue Regierungsflieger kaufen

Nach zahlreichen Pannen wird die Flotte der Regierungsjets erneuert: Laut SPIEGEL-Informationen soll schon 2020 einer von drei neuen A350 bereitstehen - allerdings womöglich vorerst ohne den gewohnten Luxus.
Angela Merkel (2015 beim Verlassen des Regierungsjets)

Angela Merkel (2015 beim Verlassen des Regierungsjets)

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Das Verteidigungsministerium will die Flotte der Regierungsflugzeuge schnell erneuern. Nach SPIEGEL-Informationen plant Ursula von der Leyens Ressort, schon Ende 2019 einen Airbus-Langstreckenjet vom Typ A350 direkt vom Hersteller zu kaufen. Der neue Jet wird rund 150 Millionen Euro kosten und könnte die Regierungsflotte im besten Fall schon 2020 entlasten.

Nach den peinlichen Pannen der jüngsten Vergangenheit hatte Kanzlerin Angela Merkel das Verteidigungs-, aber auch das Finanzministerium aufgefordert, eine schnelle Lösung für die angespannte Lage bei der sogenannten Weißen Flotte zu finden. Die Kanzlerin musste Ende November wegen einer Panne am A340 der Luftwaffe mit einer Linienmaschine zum G20-Gipfel nach Buenos Aires fliegen.

Die Pläne, die kürzlich von Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer gezeichnet wurden, sehen für die kommenden Jahre im Detail den Kauf von insgesamt drei neuen A350 für die Regierungsflotte vor.

Sobald die Jets verfügbar sind, sollen die gut 20 Jahre alten A340 mit den Rufnamen "Konrad Adenauer" und "Theodor Heuss" nach und nach ausgemustert werden. Die Langstreckenjets hatte die Bundeswehr im Jahr 2009 von der Lufthansa gekauft und zu VIP-Maschinen umrüsten lassen.

Das Ministerium will bei der Beschaffung Druck machen. So soll noch im laufenden Jahr eine entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage für den Kauf des ersten Jets im Haushaltsausschuss eingebracht werden.

Eine Zustimmung dort gilt als sicher, da fast alle Parteien nach dem Problem der Kanzlerin bei ihrer G20-Reise den dringenden Bedarf einer Modernisierung der VIP-Flotte anerkannt hatten. Auch Finanzminister Olaf Scholz hat intern bereits grünes Licht gegeben.

Airbus kann überraschend schnell neue Jets liefern

Die Bundeswehr hofft durch den Kauf der neuen A350-Modelle, dass diese weniger anfällig für Pannen als Gebrauchtflieger sind. Da bei Airbus offenbar andere A350-Kunden abgesprungen sind, kann das Unternehmen der Bundeswehr überraschend schnell neue Jets liefern.

Normalerweise müsste man nach einer Bestellung jahrelang auf ein neues Flugzeug warten, von knapp 900 bestellten Jets wurden bis heute um die 250 ausgeliefert. Der A350 ist eines der modernsten Verkehrsflugzeuge derzeit. Der zweistrahlige Jet hat eine durchschnittliche Reichweite von 15.000 Kilometern.

Fraglich ist noch, ob die A350 sofort mit der gleichen Luxusausstattung wie die bisherigen Kanzlerflieger bestückt werden, die für die Polit-VIPs ein Schlafzimmer mit Dusche und mehrere geräumige Besprechungsräume vorsieht. In jedem Fall würde der Jet aber wie bisher eine passive Selbstschutzanlage erhalten.

Fotostrecke

Die deutschen Pannenflieger: Diese Politiker mussten zwischenlanden

Foto: Michael Fischer/ dpa

Der Einbau der Luxusextras, im Fliegerjargon spricht man von einer VVIP-Ausstattung, ist aufwendig, dauert etwa ein Jahr und würde noch mal um die 150 Millionen Euro kosten. Deswegen will das Wehrressort dem Kanzleramt als Option anbieten, den Jet mit normaler Bestuhlung zu kaufen, dann wäre er schneller verfügbar.

Wie im Billigflieger müssten die Kanzlerin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder Chefdiplomat Heiko Maas aber auch dann nicht reisen. Der Jet würde wie ein normales Langstreckenflugzeug mit einer Handvoll First-Class-Plätzen, die sich in geräumige Betten verwandeln lassen, Dutzenden Schlafsesseln wie in der Business Class und einer Economy-Class mit normalen Sitzen ausgestattet.

Die Erneuerung der Flotte ist dringend nötig

Aus Sicht der Bundeswehr ist die Erneuerung der Flotte unbedingt geboten. In einem vertraulichen Statusbericht aus diesem Monat heißt es, die Flugbereitschaft sei derzeit "ausgelastet", die anfallenden Aufträge für Politikerflüge könnten "aktuell noch knapp bedient werden".

Erst am Mittwoch hatte eine Panne auf der Afrikareise von Bundespräsident Steinmeier für Schlagzeilen gesorgt. Wegen des Ausfalls eines Hilfsaggregats zum Anlassen der Triebwerke hatte sein Flug ein paar Stunden Verspätung, der Präsident soll den Vorfall relativ entspannt aufgenommen haben.

Bei der Luftwaffe gleichwohl gelten derlei Pannen jedoch als peinlich, man will weitere Negativschlagzeilen über die Regierungsflieger tunlichst vermeiden. Deswegen soll kommende Woche auch jederzeit ein Ersatzflieger mit Personal bereitstehen, wenn Kanzlerin Merkel nach Japan aufbricht.

planestream-Doku: Geht doch! Mit dem "Pannenairbus" nach Jordanien