Neue Sicherheitsmaßnahmen Ein Graben für den Reichstag

Ein neues Besucherzentrum und ein Sicherheitsareal sollen den Reichstag in Berlin zukünftig besser schützen. Geplant sind ein Zaun und ein zehn Meter breiter Graben.

Reichstag in Berlin: Neue Sicherheitszone
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Reichstag in Berlin: Neue Sicherheitszone


Vor dem Reichstagsgebäude in Berlin soll eine neue Sicherheitszone entstehen. Der Bund will dafür einen zweieinhalb Meter tiefen und zehn Meter breiten Graben auf dem Platz der Republik errichten lassen. Zudem soll ein Sicherheitszaun den Bereich rund um das Westportal des Parlamentsgebäudes abschirmen.

Das Konzept geht auf einen Beschluss der zuständigen Kommission des Ältestenrates im Bundestag zurück. Wann die bauliche Umsetzung beginnt, ist noch unklar. Zuerst hatte die "Berliner Zeitung" darüber berichtet.

Schon länger ist der Bau eines neuen Informations- und Besucherzentrums des Bundestags in Planung. Das 6600 Quadratmeter große Zentrum soll am Rande des Tiergartens entstehen. Besucher, die das Parlamentsgebäude besichtigen wollen, sollen zukünftig dort kontrolliert werden und dann durch einen Tunnel bis zum Westportal des Parlaments laufen. Bisher werden die Sicherheitskontrollen in einer Reihe von Baracken vor dem Reichstagsgebäude durchgeführt. Die Baracken waren nach Terrordrohungen im Jahr 2010 errichtet worden, galten aber von Anfang an als vorübergehende Lösung.

Aus der Ferne soll der Graben nicht zu sehen sein

Die Zäune und der Graben sind nun als zusätzliche Maßnahme geplant, um zu verhindern, dass Personen unkontrolliert in den Reichstag eindringen. Eine Sprecherin aus dem Büro der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher sagte: "Wir gucken natürlich, ob solche Sicherheitsmaßnahmen auch aus städtebaulicher Sicht ins Bild passen." Die Maßnahmen, die aktuell im Gespräch sind, könne man sich aber gut vorstellen. Das Bundesamt für Bauwesen teilte mit, man versuche derzeit sichere Zugangslösungen zu finden, ohne die Wirkung des Reichstagsgebäudes zu beeinträchtigen. Die konkreten Abmessungen und Gestaltungen der dafür geplanten Umwehrungen seien aber noch in Planung.

Ein Graben soll das Praktische mit dem Ästhetischen verbinden. Geplant ist der Bau eines sogenannten Aha-Grabens, der aus der Ferne nicht zu sehen ist und damit den Blick auf das Reichstagsgebäude unverstellt lässt. Auf der einen Seite soll er mit einer Böschung versehen sein, auf der anderen mit einer steilen Wand. Der Name Aha-Graben leitet sich daraus ab, dass die Grube erst zu erkennen ist, wenn man direkt davorsteht, und soll die erstaunte Reaktion des Betrachters darauf wiedergeben.

Obwohl schon länger geplant, hat der Bau des Besucherzentrums noch nicht begonnen. Bisher war eine Fertigstellung bis spätestens Mitte 2023 anvisiert. Als finanziellen Rahmen hat der Ältestenrat des Bundestages 150 Millionen Euro festgelegt. Doch ob es dabei bleibt, ist bisher unklar. Nach Angaben des Bundesbauamtes soll die Planung bis Ende des Jahres dem Bundestag sowie dem Finanzministerium zur Genehmigung vorgelegt werden.

sog/dpa



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