Sachsen-Anhalt Haseloff erfuhr durch SMS von vorzeitigem Impfstart

Ministerpräsident Haseloff wusste vom vorgezogenen Impfstart in Halberstadt ebenso wenig wie Gesundheitsminister Spahn. Derweil äußert sich Biontech zu Problemen mit der Kühlkette in Bayern.
Die Pflegeheimbewohnerin Brigitte Friedrich wird von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff zu ihrer Impfung beglückwünscht

Die Pflegeheimbewohnerin Brigitte Friedrich wird von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff zu ihrer Impfung beglückwünscht

Foto: Peter Endig / dpa

Nicht nur Jens Spahn zeigte sich irritiert. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (beide CDU) wusste nichts vom vorzeitigen Impfstart in seinem Bundesland am Samstag. Im Bilde war er erst, als ihm der Bundesgesundheitsminister per Kurzmitteilung davon berichtete.

Haseloff sagte am Sonntagnachmittag beim offiziellen Impfbeginn: »Hier ist der Start. Ich kann das nur zur Kenntnis nehmen. Auf der anderen Seite geht es darum, dass so schnell wie möglich geimpft wird in Sachsen-Anhalt.« Und: »Ich habe es per SMS vom Bundesminister erfahren und habe mich so wie er genauso gewundert. Aber ich kann es nur so erklären, dass sich dort der Druck so aufgestaut hat, so schnell wie möglich loszulegen.«

Der offizielle Start der Corona-Impfungen sollte am heutigen Sonntag sein. Doch schon am Samstag bekam die 101-jährige Edith Kwoizalla in einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt die erste von zwei nötigen Impfdosen. Die Verantwortlichen im Landkreis Harz und der Heimleiter wollten angesichts der dramatischen Lage keine Zeit verlieren. 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 10 von rund 40 Mitarbeitern ließen sich impfen. »Es geht allen gut«, sagte der Betreiber der Einrichtung, Tobias Krüger, am Sonntagvormittag.

Haseloff besuchte am Sonntag gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) die Marthahaus Seniorenresidenz GmbH mit 68 Bewohnerinnen und Bewohnern. Laut Geschäftsführer Axel Peiler wollten sich nur zwei Bewohner nicht impfen lassen. Die Bereitschaft beim Personal sei deutlich geringer.

Impfungen aus Sicherheitsgründen verschoben

»Jetzt liegt es an allen, mitzumachen«, appellierte Haseloff an die Bürger. Er betonte: »Wir brauchen eine hohe Akzeptanz. Nur wenn wir große Teile der Bevölkerung in den nächsten Wochen und Monaten durchimpfen können, werden wir mit den medizinischen Möglichkeiten die entsprechenden Infektionen zurückdrängen und die Pandemie bekämpfen.« Nötig sei auch ausreichend Impfstoff.

Doch auch dessen Transport kann ein Problem darstellen: In einigen Gebieten Bayerns ist der Beginn der Impfungen aus Sicherheitsgründen verschoben worden. Es gebe Unsicherheiten, ob die erforderliche Kühlkette eingehalten wurde, teilte der Landkreis Augsburg mit. Betroffen waren auch weitere Landkreise.

»Aus dem integrierten Kühlprotokoll geht hervor, dass die erfasste Temperatur während des Transports zunächst drei Grad Celsius und später minus ein Grad Celsius betragen hat«, erklärte der Augsburger Landrat Martin Sailer. Möglicherweise habe es eine Fehlfunktion der Kühlbox gegeben. Es sei daher nicht sicher, ob »die Impfdosen bedenkenlos verwendet werden können«.

Bei weiteren Überprüfungen solle nun geklärt werden, ob der Impfstoff bei seiner Übergabe noch tiefgefroren gewesen sei. In diesem Fall würden die für Sonntag in Alten- und Pflegeheimen geplanten Impfungen am Montag nachgeholt. Vorrang habe aber in jedem Fall die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.

Biontech beruhigt Landkreise

Der Impfstoff des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer muss normalerweise bei minus 70 Grad tiefgekühlt werden. Für kürzere Zeiträume ist auch eine geringere Kühlung unschädlich. Von den Unklarheiten hinsichtlich der Kühlung betroffen waren laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks auch der Landkreis Dillingen sowie weitere Regionen in den Bezirken Oberfranken und Schwaben.

Biontech hält seinen Corona-Impfstoff ungeachtet der gemeldeten Probleme mit der Kühlkette für sicher. »Wir haben den Landkreisen Dillingen und Augsburg heute Vormittag mitgeteilt, dass die Temperaturabweichung, die registriert wurde, keinen Einfluss auf die Qualität des Impfstoffes hat«, erklärte eine Biontech-Sprecherin am Sonntag.

pbe/dpa/AFP/Reuters