Reinhard Klimmt Ewiger Nachfolger

Der zurückgetretene Verkehrsminister Reinhard Klimmt gilt als enger Weggefährte von Oskar Lafontaine. Beide haben nun auch einen ähnlich glücklosen Ausstand aus der Bundespolitik.

Von


Abgang Reinhard Klimmt: Der 58-jährige Fußballfan Reinhard Klimmt, einst von der "Frankfurter Allgemeinen" als "Lafontaines Gouvernante" bezeichnet, folgt seinem früheren Gefährten auch diesmal auf dem Weg, und zwar ins politische Abseits.

Weggefährten: Klimmt und Lafontaine
DPA

Weggefährten: Klimmt und Lafontaine

Chef der SPD-Landtagsfraktion nach Lafontaines spektakulärem Wahlsieg von 1985, Wahlkampfleiter von Lafontaine bei dessen Kanzlerkandidatur im Jahr 1990, seit April 1996 Vorsitzender der Saar-SPD als Lafontaine-Nachfolger; der 1942 in Berlin geborene Klimmt ist Lafontaines Dauer-Nachfolger und "Prinz Charles des Saarlands" ("Die Woche").

Nach dem Wechsel von Oskar Lafontaine ins Schröder-Kabinett rückt Klimmt im November 1998 zum Ministerpräsidenten an der Saar auf. Doch in Saarbrücken erlebt Klimmt eine der kürzesten Amtszeiten als Ministerpräsident in der Geschichte des Landes.

Denn obwohl Klimmt als scharfer Kritiker von Kanzler Gerhard Schröder gilt, holt ihn der Niedersachse als Ersatz für den ausgeschiedenen Verkehrsminister Franz Müntefering im September 1999 ins Kabinett. Der Wechsel in die Bundespolitik gelingt Klimmt erst, als sein Freund Lafontaine bereits wieder im Saarland Bücher schreibt, weil er im Unfrieden mit Schröder aus dem Kabinett ausgeschieden ist.

Glückliche Tage: Als Minister stellt Klimmt zusammen mit "Käptn Blaubär" eine Verkehrsfibel für Kinder vor
DPA

Glückliche Tage: Als Minister stellt Klimmt zusammen mit "Käptn Blaubär" eine Verkehrsfibel für Kinder vor

In seiner Amtszeit als Verkehrsminister bleibt der aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie stammende Klimmt weitgehend profillos. So gelingt es dem studierten Historiker auch nicht, die krisengeschüttelte Bahn auf Zukunftskurs zu bringen. Noch an seinem letzten Arbeitstag muss Klimmt zusammen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn neue Horrrorzahlen verkünden: bis zum Jahr 2005 sind rund 20 Milliarden Mark weniger in den Kassen als geplant. Auch beim Rohrkrepierer Transrapid kann Klimmt nicht glänzen. Zusammen mit den Firmen Thyssen-Krupp, Siemens und Adtranz besiegelt er im Februar dieses Jahres das Aus für die Strecke Berlin-Hamburg.

Das Aus kommt nun auch für Klimmt selbst. Schuld daran ist ein Strafbefehl des Amtsgerichts Trier über 27.000 Mark wegen Beihilfe zur Untreue im Zusammenhang mit Klimmts früherer Tätigkeit als Chef des Fußballvereins 1. FC Saarbrücken.

"Es ist für die Partei leichter, für die Fraktion leichter und auch für die Regierung leichter", sagt Klimmt zu seinem Rücktritt. Dabei hatte der Ex-Minister nur wenige Stunden zuvor erklärt: "Ich fühle mich solidarisch aufgehoben in Partei und Regierung. Das reicht." Wie sein politischer Weggefährte Oskar Lafontaine dürfte der erklärte Bücherfreund Reinhard Klimmt nun mehr Zeit fürs Private haben.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.