Religionsfreiheit Bischöfe sprechen Muslimen Recht auf Moscheebau zu

Würdig aber bescheiden: Die katholischen Bischöfe sind grundsätzlich offen für den Bau von Moscheen in Deutschland. Die Oberhirten appellieren an die Muslime aber auch, die Sorgen und Ängste der Bürger ernst zu nehmen.


Fulda - Die Muslime in Deutschland haben nach Ansicht der katholischen Bischöfe ein Anrecht auf den Bau "würdiger" Moscheen. Dies gehöre zur Religionsfreiheit, erklärten die 67 Oberhirten bei ihrer Herbstvollversammlung am Freitag in Fulda. Das Grundrecht dürfe auch nicht davon abhängig gemacht werden, dass Christen in islamischen Ländern die gleiche Freiheit erhielten, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DKB), Robert Zollitsch.

Bau einer Moschee in Duisburg: "Geist des Ausgleichs"
DDP

Bau einer Moschee in Duisburg: "Geist des Ausgleichs"

In einer "Orientierungshilfe" zum Moscheebau in Deutschland forderten die Bischöfe von Muslimen und Christen einen "Geist des Ausgleichs" und erhebliche Anstrengungen, um ein friedliches Miteinander von Kulturen und Glaubensüberzeugungen zu erreichen. Dazu gehörten eine stärkere Öffnung der Moscheevereine zur deutschen Gesellschaft und die Einhaltung des Baurechts.

Die Gebetshäuser dürften auch nicht zum "Ausdruck von Machtansprüchen, Rivalität oder eines aggressiven Gegeneinanders missbraucht" werden, erklärte die Bischofskonferenz. Für multifunktionale Moscheen mit Schulungsräumen, Geschäften und Büros müsse der Staat Grenzen festlegen. Sonst könnten sie einer Ghettobildung Vorschub leisten, erklärten die Bischöfe.

Der Bischof von Augsburg, Walter Mixa, hatte vor der Tagung gesagt, Moscheen dürften nicht der "demonstrativen Selbstdarstellung" dienen. Er hatte ein "bescheidenes Auftreten, ohne aufzutrumpfen" nahegelegt.

Die Bischöfe appellierten an die Moscheegemeinden, ihre Finanzierung und Trägerschaft offenzulegen, um Ängste vor wachsendem Einfluss islamischer Länder zu beschwichtigen. Die Politik wiederum dürfe Ängste der Bürger nicht ausnutzen. "Kritik ist erlaubt, Hetze ist nicht erlaubt", sagte Zollitsch. Die Frage, wie hoch ein Minarett sein soll, ließ Zollitsch offen. "Wir können nicht vorschreiben, wie hoch die Minarette werden dürfen", sagte er. Zuletzt hatten rechte Kräfte in diversen deutschen Städten, vor allem in Köln, versucht, die Bevölkerung gegen den Bau von Moscheen zu mobilisieren.

Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, sagte den "Stuttgarter Nachrichten", sie könne die Ängste von Menschen verstehen, in deren Nachbarschaft eine Moschee stehe. Diese Ängste könne man "nur abbauen durch Transparenz und Offenheit". Dort dürfe nicht gepredigt werden, "was nicht demokratiekompatibel ist", sagte Käßmann.

Die Bischofskonferenz gab die Zahl multifunktionaler Moscheen mit 160 an, weitere 180 Bauprojekte könnten hinzukommen. Laut dem Islamarchiv in Soest gibt es derzeit 206 klassische Moscheen, die von außen als solche erkennbar sind. Zudem gebe es rund 2600 Gebetshäuser. In Planung oder im Bau seien derzeit rund 120 neue klassische Moscheen. Bei 3,5 Millionen Muslimen in Deutschland reiche aber eine solche Zahl nicht aus, sagte der Leiter des Islamarchivs Salim Abdullah der Deutschen Presseagentur.

phw/dpa/AP



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